Hunting Party - Wenn der Jäger zum Gejagten wird
(The Hunting Party)

USA, 103min
R:Richard Shepard
B:Richard Shepard
D:Richard Gere,
Terrence Howard,
Diana Kruger
L:IMDb
„Und jetzt trockne Deinen Schwanz ab und verschwinde aus meinem Zimmer.”
Inhalt
TV-Kriegsberichterstatter Simon Hunt (Richard Gere) und Kameramann Duck (Terrence Howard) arbeiten immer dort, wo es am brenzligsten ist: Bosnien, Irak, Somalia oder El Salvador. Doch eines Tages dreht Hunt durch - damit ist die Karriere des Emmy-Preisträgers abrupt beendet. Duck seinerseits wird befördert, und so gehen die beiden fortan getrennte Wege. Fünf Jahre später kehrt Duck nach Sarajevo zurück und trifft dort überraschend auf Hunt, der ihm eine weltexklusive Story anbietet: Hunt weiß, wo sich der meistgesuchte bosnische Kriegsverbrecher versteckt. Das könnte der Knüller ihres Lebens sein - wenn sie lange genug leben, um darüber zu berichten.
Kurzkommentar
Richard Gere, friedfertiger Hollywood-Buddhist, greift noch einmal an: Als übertougher Reporter mit kleinem Alkholproblem greift er beherzt dort zu, wo internationale Institutionen "versagen" und nationale Interessen über Gerechtigkeit "siegen". Nutzt da wer schamlos einen Kriegsschauplatz aus oder klagt da jemand durch die Hintertür die machtlosen Mechanismen der internationalen Politik an? Man weiß es nicht: Schlimmer noch – der Verdacht geht um, die Filmschaffenden wussten es selbst nicht so recht.
Kritik
Es gibt da eine Szene in "Hunting Party", in der Terrence Howard dem Havard-Absolventen das Lehrbuch über den Bosnienkrieg aus den Händen reißt und quer durch den Raum feuert, ohne es einen Blickes gewürdigt zu haben. Diese zutiefst verstörende anti-intellektuelle Grundhaltung wird in "Hunting Party" durchgehend zelebriert. Kann sich noch jemand an die entsetzte Frage Rod Taylors in "Die Zeitmaschine" erinnern, als er in den Tempelanlagen der Menschen der Zukunft ungläubig die Regale anstiert? "WAS habt IHR mit den BÜCHERN gemacht?" Hier wird schonungslos der Mythos des fixen Reporters zelebriert; der investigative, raubeinige Nachrichtenheros, der für die Aufdeckung eine Skandals/Völkermordes (insert feisty word here) durch die Hölle und zurück geht. Oftmals geht dies einher mit einer Anklage, die sich gegen Lehrende an Schule und Universitäten sowie Politiker gleichsam richtet: "Ihr wisst einen Scheißdreck, weil Ihr nicht da gewesen seid." Auch der Jungreporter, den die beiden alten Nachrichtenhasen, zunächst nur widerwillig, auf ihre Abenteuerreise mitnehmen, wird schmerzvoll lernen müssen, dass sein olles Uniwissen zu nichts taugt. Ein Schelm, wer hier denkt: Es taugt nichts, weil Europa eben terra novaque incognita darstellt, ganz wie diversen Folterfilmen. Da stellen die Damen und Herrn US-Touristen auch plötzlich fest, wie wenig ihr rationaler Reiseführer in den dunklen, mythenbeherrschten Ländern bringt.

"Hunting Party" leidet jedoch ebenso unter anderen Problemen. Er ist in seiner sturen Durchschnittlichkeit behäbig und langweilig. Höhepunktsarm plätschern die 103 Minuten dahin, ohne dass das Spiel der Figuren irgendwelche Emotionen provoziert. Man nimmt "Hunting Party" hin wie eine S-Bahn Verspätung. Ein schlimmes Urteil. Noch schlimmer: Der Film kann sich absolut nicht entscheiden, was er sein möchte. Irgendwie gaukelt der Vorspann durch seine poppige Grafikhaftigkeit tarantino`sches Kino vor, verbindet gleich zum Einstieg Bürgerkriegsgreul mit Rock'n'Roll und Abenteuer, bevor sich Richard Gere heulend über seine aufgedunsene, von serbischen Killerkommandos erschossene Freundin beugen darf. Alles ist pseudo. Der schwarze Humor. Pseudo. Die dramatischen Momente. Pseudo. Die Kritik, die durch Schrifttafeln im Abspann suggeriert wird. Pseudo. "Hunting Party". Pseudo.

Und was meint die US-Presse dazu? Sie gibt sich gelinde milder, aber alles andere als enthusiastisch. Die New York Times bilanziert: "A misfired, misguided would-be satire." Die Los Angeles Times ergänzend: "In the end, you're not sure if you're supposed to be watching "The Three Amigos" or "Hotel Rwanda." Und schließlich die New York Daily News: "Everything about this political thriller is ridiculous."


Ein Film, der sich nicht entscheiden kann, was er sein möchte: Hippe Komödie oder bewegendes Post-Kriegsdrama. In beiden Kategorien scheitert er kläglich.


Rudolf Inderst