Mr. Brooks - Der Mörder in Dir
(Mr. Brooks)

USA, 120min
R:Bruce A. Evans
B:Raynold Gideon, Bruce A. Evans
D:Kevin Kostner,
Demi Moore,
William Hurt
L:IMDb
„You never kill someone you know. It's the easiest way to get caught.”
Inhalt
Earl Brooks (Kevin Costner) verkörpert alles, was einen perfekten Mann ausmacht: Er ist ein treusorgender Familienvater, hingebungsvoller Ehemann und ein äußerst erfolgreicher Geschäftsmann. Doch hinter dieser Vorzeige-Fassade lauert ein dunkles Geheimnis. Getrieben von seinem Alter Ego Marshall (William Hurt) zieht Brooks in der Nacht los, um zu morden. Brutal, clever und unbeobachtet. Bis jetzt - denn seine letzte Tat hat einen Zeugen: Und dem Hobbyfotograf Smith (Dane Cook) gefällt, was er gesehen hat. Statt Brooks anzuzeigen, fordert Smith, ihn auf seiner nächtlichen Mord-Tour begleiten zu dürfen. Und auch die attraktive Ermittlerin Tracy Atwood (Demi Moore) hat sich längst an seine Fersen geheftet. Zuhause scheinen Brooks Ehefrau (Marg Helgenberger) und seine Tochter (Danielle Panabaker) nichts von alledem zu ahnen. Doch wie lange wird er sein Doppelleben noch geheim halten können?
Kurzkommentar
Regisseur Bruce A. Evans (u.a. Produzent von "Stand by Me" und "Assassins") liefert mit "Mr. Brooks" ein konfuses Stück Film ab. Es beschleicht einen das Gefühl, dass einfach am Set fröhlich losgelegt wurde, allerdings ohne rechten Plan, wie es weitergehen soll, zudem alle Motive bereits in anderen Produktionen wirkungs- und stimmungsvoller inszeniert wurden. Besonders schlimm hat es dabei Demi Moore getroffen – ihre Rolle kann an Redundanz nicht überboten werden.
Kritik
Egal, ob "Message in a Bottle", "Open Range" oder nun eben "Mr. Brooks", wann immer Kevin Costner in einem Film zu bestaunen oder vielmehr präsent ist, wird von einem "Comeback" des ehemaligen Hollywood-Lieblings und All-Time Robin Hoods gesprochen. Der "Water World"-Fluch: Es nützt nichts, immer wieder darauf hinzuweisen, dass eben jenes Feuchtabenteuer wirtschaftlich keineswegs ein Flop, sondern äußerst rentabel war. Alles nutzlos: der "Comeback"-Diskurs – fest in des Schauspielers Hand.

"Mr. Brooks" wird sicherlich nicht zur Re-etablierung des Schauspielers in der A-Liga führen. Doch gehen wir die Chose von vorne an. Die Idee, dass ein schizophrener Killer, getrieben von einem imaginierten Freund, sein Unwesen treibt, ist weder neu noch originell umgesetzt. Im Gegenteil: William Hurt verkommt leider zu einem mittelprächtigen Stichwortgeber, statt seine Rolle vernünftig ausgestalten zu können. Kevin Costner selbst wirkt in manchen Szenen derart bemüht, seine bösartige Seite nach außen zu kehren, dass am Ende von keiner Seite irgendetwas übrig bleibt, und er daher recht indifferent von einem Bild zum nächsten reist. Es ist nie ein gutes Zeichen, wenn ein kompletter Subplot aus einer Geschichte gestrichen werden kann. Bei "Mr. Brooks" wird noch einer drauf gesetzt – gleich zwei Nebenhandlungsstränge sind völlig überflüssig und entsprechend hängen diese im luftleeren (Film-)raum. Zum einen gibt die Geschichte um Brooks Tochter, von der Herr Vater vermutet, sie wird denselben mörderischen Weg einschlagen wie er selbst. Einen Mord in deren Studentenwohnheim und einen Alptraum später wird klar, dass gar nichts klar ist. Noch übler: Demi Moore im schlecht sitzenden Hosenanzug als Polizistin mit Millionenerbe! Das würde jeder Deutschlehrer in der 5.Klasse rot zusammenstreichen. In bester Pseudo-Profilerarbeit mit über-schwerem, persönlichem Konflikt (Scheidung und einem Knastbruder, der wiederum auf sie Jagd macht) stolpert die Grinsekatze More von Szene zu Szene. An dieser Stelle muss nach einer Portion Nachdenken revidiert werden: Eigentlich sind sogar drei Nebenschauplätze, die ohne Bedenken gestrichen werden könnten: Der erpressende Hobbyphotograph Smith und seine seltsamen Intentionen und Motivationen! Raus damit! Aber was dann? Dann blieben am Ende nur noch 30 Minuten Film! Ja, vielleicht hätte Mr. Brooks das Zeug so einem richtig guten Kurzfilm gehabt – andererseits…nein, es gibt auch davon weitaus bessere als diesen Schonkost-Thriller.

Wenig begeistert äußert sich auch die US-Presse über "Mr. Brooks". Die Los Angeles Times schreibt: "Evans and Gideon never really succeed in selling the idea that serial killing is a disease -- which would require a degree of realism that the slick, over-plotted Mr. Brooks doesn't otherwise aspire to. They seem to be content with occupying the audience with a series of twists and jolts." Die New York Times ergänzt: "A werewolf movie masquerading as a thriller, it looks like a canny attempt by Bruce A. Evans, its director and screenwriter (with Raynold Gideon), to establish a "Saw"-like franchise using the names of fading ’80s stars to lend the project a semblance of respectability." Und die Newsweek bilanziert: "The movie becomes a crazy quilt of competing stories, none of them properly developed. You could cut half the major characters out of Mr. Brooks and never miss them." Dem ist nichts hinzuzufügen.

Äußerst mittelmäßiger Thriller, der in banaler Beliebigkeit vor sich plätschert und den gefühlten 500. Comebackversuch Costners zur Strecke bringt


Rudolf Inderst