Star Trek IX: Der Aufstand
(Star Trek IX: Insurrection)

USA, 103min
R:Jonathan Frakes
B:Gene Roddenberry,Rick Berman, Michael Pillar
D:Patrick Stewart,
Brent Spiner,
Michael Dorn,
F. Murray Abraham,
Donna Murphy
L:IMDb
„Glatt wie´n Androidenpopo!”
Inhalt
In Kooperation mit der Son´a überwacht die Förderation seit längerem das Leben des menschlichen Naturvolkes Ba´ku auf einem erdähnlichen Planeten. Während sich Kapitän Picard (Patrick Stewart) mit der Enterprise auf einer diplomatischen Zusammenkunft befindet, kommt es durch den androiden Förderationsoffizier Data (Brent Spiner) zum Auffliegen der Beobachterposition und Tarnung. Data verliert mutmaßlich durch einen technischen Defekt die Kontrolle, worauf die Son´a das Feuer eröffnen, einige seiner Schaltkreise zerstören und dadurch Datas Aggressivität noch schüren. Dem zu Hilfe eilenden Picard gelingt es, Data wieder unter Kontrolle und zurück in den Normalzustand zu bringen. Einmal vor Ort, merkt der Förderationskapitän bald, daß vor allem vonseiten der Son´a eigennützige Interessen im Spiel sind. Jene beabsichtigen, die Bewohner des Planeten umzusiedeln und den Asteroidenring, der regenerierende Kräfte ausübt und den zellularen Alterungsprozeß verlangsamt, für egoistische Eigentherapie zu nutzen. Doch nicht nur die Son´a, vielmehr auch das Handeln des hiesigen Förderationsadmirals Matthew Dougherty (Anthony Zerbe) vergißt das ethische Grundprinzip der verbotenen eigensüchtigen Intervention in andere Kulturkreise und Zivilisationen. Dem moralischen Wertekodex der Förderation verpflichtet und ihn hier als verraten ansehend, legt Kapitän Picard zusammen mit seiner loyalen Crew die Uniform nieder und schlägt sich auf die Seite der Ba´ku in den Freiheitskampf um ihre Heimat.
Kritik
In braver Regelmäßigkeit erfährt der Trekkiekult Referenz auf der großen Leinwand, gewissermaßen Projektions- und Erinnerungsfläche für die Selbstinszenierung einer Serie, die in über drei Jahrzehnten zum Mythos avanchierte. So ist "Der Aufstand", das bereits neunte Leinwandabenteuer der Enterprise, für Jünger der Quasireligion obligatorischer Ritus und glückliche Teilhabe an jener mythischen Fiktion. In ihr genießt der Fan, gleichsam 'Gemeindemitglied', hohen Grad der Identifikation und Zusammengehörigkeit, fachsimpelt mit anderen Gläubigen über physikalischen Realismus, diskutiert die neueste Phasertechnologie oder spricht gar Klingonisch - all das kann Star Trek sein, für viele der Inbegriff der Science-Fiction schlechthin. Für jene, die begeistert jede Folge der Fernsehserie paraphrasieren können, wird die neueste Manifestation von Picard und Co. wohl der reinste Genuß sein. Ja, da ist dieses Gefühl, da ist Star Trek - der Begriff ist Programm.

Isoliert man den Film jedoch kritisch vom nicht hinterfragbaren Kultphänomen und versucht, die Qualitäten 'objektiv' zu erfassen, sei der Teil des Publikums gewarnt, der nur wegen der Neugierde auf 'irgendeinen' Science-Fiction- Streifen ins Kino schlendert. Denn was Nachmittags zur Fernsehunterhaltung noch par excellence funktioniert, hat für einen abenfüllenden Kinostreifen einfach zu wenig Atem. Da ist das pastorale Planetenvölkchen, radikalpazifistisch und verklärt paradiesisch-kitschig in bäuerischer Idylle lebend dargestellt, das faulende Gesicht des intriganten Son´a Kommandaten (F. Murray Abraham), ein zerknautscht-korrupter Förderationsadmiral und die moralisch lupenreine Enterprise Crew unter Messias Picard zwischen den Fronten - erdenklich uninspiriert und schon zu häufig in zu ähnlichen Varianten gesehen. Ist die Grundstruktur der Handlung schon fadenscheinig, so kann ein fast gleichgewichtiger Aspekt auch keine Ovationen verbuchen, und zwar die Effekte. Nein, es reicht nicht, daß nur die von Picard und seinen Gegensachern genutzten Schießprügel so billig wie Spielzeugpistolen anmuten, sondern auch die übrigen Effekte wirken teils kläglich dilettantisch. Wird die Enterprise mal wieder photonentechnisch torpediert, rüttelt man zur Spannungssteigerung mal deftig am Kamerastativ und läßt den Rauch einiger Silversterkracher Diffusität erzeugen, während die Darsteller aller Mühe nach vom Stuhl fallen oder möglichst effektvoll quer durch die Szenerie stolpern. Da stehen nicht nur den Protagonisten die Haare zu Berge! Wenn sich schon Waffenarsenal und Enterprisebrücke in edlem Vollplastik präsentieren, sind die von Regisseur Jonathan Frakes - der auch eine der Hauptrollen spielt - spärlich eingesetzten Weltraumszenen zwar solide, für einen Weltraumstreifen aber wiederum zu unspektakulär, mitunter sogar antiquiert. Als sich dann der selbsternannte Rebellionsführer Picard auf der Planetenoberfläche mit seinen Mannen noch gegen fliegende, fies billige Kampfdrohnen zur Wehr setzen muß, wird es phasenweise unfreiwillig komisch. Der Trekkie ist entzückt, jeder andere fühlt sich verschaukelt.

Soweit zum Negativen, denn einige lobenswerte Züge sind auszumachen, deren Nuancen dem öden Grundgerüst doch noch seinen Reiz verleihen. Generell sind die gewählten Schauspieler über alle Zweifel erhaben, wobei natürlich der kompromißlos souveräne Patrick Stewart und auch sein Widersacher, F. Murray Abraham in der Rolle des unappetitlich niederträchtigen Ahdar Ru'afo, eine sehr überzeugende Leistung darbieten. Doch Stewarts filmische Identität wäre nicht denkbar, würde er nicht lebendige Unterstützung durch die perfekt eingespielte Fernsehcrew bekommen, die sich hier - lakonisch plaziert - mit gekonnt ironischen Seitenhieben augenzwinkernd in ihrem Kultstatus persifliert. Insbesondere Brent Spiner als bleichgeschminkter Android Data ist köstlich gefühlvoll emotionslos und voll geistreichem Witz - noch charismatischer als sonst, wenn er Jonathan Frakes als Commander Riker ungläubig über die frischrasierten Wangen fühlt. So harmonisiert die durchweg gute schauspielerische Qualität mit sentenziöser Ironie, die das Gesamtbild symphatisch auflockert. Zuweilen scheinen somit die an den Star Trek-Filmen Beteiligten zu sinnvoll zu verarbeiten, daß durch geänderte Attraktivitätswerte, respektive 'seniorengerechter Unernst', Altes durch ironische Reminiszenzen lebendiger bleibt. Hinzu kommt, daß sich das Ende doch noch in sehenswerter Spannung konzentriert, sich also über Serienniveau erhebt. Insgesamt keine Frage des Glaubens, keine Zäsur und vom Erinnerungswert von den vorigen Kinoablegern nicht sonderlich unterscheidbar. Science-Fiction-Kultur ohne echte Höhen und Tiefen mit abgestumpfter Moral.

Trotz Kultbonus und Mut zur Selbstironie vorwiegend phrasenhafte Weltraumroutine


Flemming Schock