Shoot 'Em Up

USA, 86min
R:Michael Davis
B:Michael Davis
D:Clive Owen,
Paul Giamatti,
Monica Bellucci
L:IMDb
„Esst mehr Gemüse!”
Inhalt
Mr. Smith (Clive Owen) ist ebenso cool wie heißblütig, so jähzornig wie hartgesotten. Urplötzlich muss er das unschuldigste Wesen der Welt beschützen – ein neugeborenes Kind. Während eines ohrenbetäubenden Feuergefechts spielt Smith den Geburtshelfer und begreift schnell, dass eine finstere Gang hinter dem Säugling her ist: Dessen erster Schrei soll auch sein letzter sein. Die schier unerschöpfliche Armee undurchsichtiger Attentäter wird von Hertz (Paul Giamatti) angeführt und hat den Auftrag, jede Spur des Babys auszulöschen. Während sich Smith im bellenden Stakkato des permanenten Kugelhagels seiner Haut wehrt, versucht er zusammen mit der Prostituierten DQ (Monica Bellucci) dem Geheimnis auf den Grund zu gehen, bevor sie alle drei zu viel Blei schlucken. Das Baby soll sterben. Aber warum?
Kurzkommentar
Die ironische Anlehnung an ein ganzes Computerspielgenre setzt „Shoot Em Up“ konsequent um. Der Film ist ein gradliniger Dauerbeschuss auf Testosteron-Niveau. Dank guter Besetzung und richtigem Rhythmus serviert der Streifen mit kurzer Lauflänge lässiges Hirntodkino.
Kritik
Kommt das Computerspiel nicht zum Film, dann kommt der Film zum Computerspiel. Eine historische Situation. Müde von all den verhunzten Leinwandumsetzung der immer gleichen Ballerspiele (im CSU-Jargon: „Killerspiele“) dachte sich Regisseur Michael Davis wohl, es sei Zeit, diesem Verblödungstrend die satirische Spitze zu verpassen – und drehte einen Film, in dem die Adaptionsrichtung umgekehrt und der Film zum Spiel wird. „Shoot Em Up“: Leg sie alle um. Programmatischer geht es nicht. Schon der Titel verbeugt sich vor einem ganzen Computerspielgenre, in dem es um zwei Dinge geht: Reaktion und Exekution. Doch damit der fragwürdigen Vorbilder nicht genug: Man sieht es „Shoot Em Up“ an und Regisseur Davis wirbt für seinen Film damit, dass er mehr oder weniger ein Dauerzitat der Bleiorgien des Gurus John Woos sei. Als der noch in Hongkong drehte, trugen seine Genreklassiker Titel wie „Hard-Boiled“, zu Deutsch: Hartgekocht.

Der minimalistische Imperativ von Michael Davis’ Streifen ist also geradeheraus formuliert: Cool rumballern und erst dann fragen. Um damit die nur 86 Minuten des Films rumzukriegen, braucht es nicht wirklich einen eigenen Drehbuchautor und den hatte Davis auch gar nicht. Die paar markigen Testosteron-Sprüche zauberte sich der Regisseur, dessen Filme bislang so intellektuelle Titel wie „Monster Man“ trugen, selbst aus dem Ärmel. Auch ist allzu offensichtlich, dass sich „Shoot Em Up“ im Fahrwasser jüngerer, pubertärer Gewaltkarikaturen vom Schlage eines Tarantino oder Rodriguez sieht – möglichst viele Filmtote in möglichst wenigen Minuten; zudem trug Rodriguez mit „Sin City“ ja neulich dazu bei, Clive Owen als lässigen Helden des Actionkinos zu installieren. An dieser Stelle macht Davis’ Gewaltorgie weiter. Dass die Masche der Coolness dabei nicht nervig wird, liegt wohl daran, dass Davis das eigene Programm als Zwangscoolness konsequent ins Lächerliche zieht: Wenn es für den Held brenzlig wird, ist eine Karotte als Deus Ex Machina zur Stelle und geht als Eispickel immer wieder in Köpfe und Augen der Widersacher. Esst mehr Gemüse!

Der rudimentäre Plot ist natürlich ein schlechter Scherz, will auch nicht mehr sein. Protagonist gegen Antagonist und sein Kanonenfutter. Das reicht als Kitt, um die einzelnen Schussballette zusammenzuhalten – länger als die kurze Laufzeit der Fast-Food-Ballerei hätte es dann aber auch nicht funktioniert. Dass aus „Shoot Em Up“ spaßiges Hirntodkino geworden ist, hat zwei Ursachen: Die Actionszenen haben zwar nicht die pathetische Klasse der Kugeltänze eines Woo, sind aber gut getimed und mit der richtigen Dosis an makaberen Einzeilern durchsetzt. Dann ist da die treffende Besetzung: Owen stellt seine Genretauglichkeit als wortkarger Pistolero unter Beweis. Vor allem aber die Idee, den Bösen mit Paul Giamatti zu besetzen, punktet. Dem liebenswürdig deprimierten Loser aus „Sideways“ eine dicke Wumme in die Hand zu drücken und ihn als Schurken auszugeben, ist an sich schon eine Gewalttätigkeit, die herrlich erfrischend ist. Dass das steinzeitliche Männerbild des Streifens die Frauen zu Objekten degradiert, ist nur konsequent, insofern bleibt für Monica Bellucci nicht mehr, als sinnlich rumzustehen. „Shoot Em Up“ ist hier auch ein unfreiwilliger Kommentar, dass Bellucci in Hollywood noch nicht richtig Fuß fassen konnte.

Für „Shoot Em Up“ gibt es schließlich zwei Lesarten: für die angestrengte ist der Film natürlich empörend inhumaner Müll, der Gewalt als existenzialistische Notwendigkeit verherrlicht; für die andere ist „Shoot Em Up“ zunächst nichts weiter als die Spaßgarantie eines satirischen Trashs mit guten Produktionswerten.

Selbstironischer Bleiexzess. Gut besetzt, gut für zwischendurch.


Flemming Schock