Stirb Langsam 4.0
(Live free or Die Hard)

USA, 129min
R:Len Wiseman
B:Mark Bomback
D:Bruce Willis,
Timothy Olyphant,
Justin Long,
Maggie Q,
Kevin Smith
L:IMDb
„I'm doing America a favor”
Inhalt
Es ist der Beginn des Feiertags, aber der New Yorker Polizeidetektiv McClane (Bruce Willis) feiert nicht. Er hatte gerade wieder eine Auseinandersetzung mit seiner Tochter Lucy, die zum College geht, und dann erhält er einen Routinejob: Er soll den jungen Hacker Matt Farrell (Justin Long) für ein Verhör zum FBI bringen. Aber bei McClane driftet das Normale häufig ins Außergewöhnliche ab - und er gerät mal wieder zur falschen Zeit an den falschen Ort.
Kurzkommentar
Nach 13 Jahren kehrt Bruce Willis als John McClane unter Tempo-Regisseur Len Wisemann auf die Leinwand zurück. Angenehm digitalfrei räumt er dort mit dem Lumpenpack in fulminanten Actionszenen auf – dies geschieht nun allerdings weitgehend klinisch sauber. Fluchen und rauchen blieben in den 1990ern.
Kritik
Da geht einiges. Eben noch boxt sich Sly S. eher müde durch den Ring, da erscheint auch schon ein inoffizieller Trailer zu „Rambo 4“; ebenso ist plötzlich endlich ein erstes Photo vom „Indiana Jones 4“-Set zu bestaunen. Und Romero hatte schon vor zwei Jahren das Tetris eröffnet: Sein „Land of the Dead“ war der vierte Teil seiner Untoten-Reihe. Zwar ist es mühselig, an die Diskussion um die Krise des Actionkinos zu erinnern, jedoch kocht diese immer wieder hoch, wenn knallharte (weiße) Männer aus vergangenen Jahrzehnten zur Waffe greifen: Wer soll deren Erbe antreten, ist dabei die meistgestellte Frage. Und da das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, ob Jason Statham, Daniel Craig, Vin Diesel oder Dwayne D. Johnson in die Fußstapfen der „Großen“ treten, vergnügt sich das Publikum auch gerne mit den alten Helden. Dass dies nicht nur passable Rückzugsgefechte sind, beweist „Die Hard 4.0“ eindrucksvoll.

Es ist auf den ersten Blick ziemlich erstaunlich, wie un-digital „Die Hard 4.0“ in seinen kinetischen Phasen daher kommt, schließlich ist doch kein anderer als Len Wiseman, Regisseur der beiden „Underworld“-Filme, der verantwortliche Kopf hinter dem fast komplett in Kalifornien gedrehten Streifen. Und während diese Vampir VS. Werwolf-Sage, der dritter Teil übrigens für das Jahr 2009 in Planung ist, geradezu vor digitalen Effekten strotzt, war im Vorfeld befürchtet worden: „Willis goes Wire-Fu and CGI“. Doch es kam anders – zu aller Freude. Dieselbe Euphorie, die schon in „Terminator 3“ zum Ausdruck kam, als ein großer Truck ganz altmodisch ein halbes Haus zum Einsturz bringt, trägt auch nun wieder den analogen Willis-Auftritt. Der Film lebt dramaturgisch vom Gegensatz alt-neu, analog-digital oder Festnetz-Handy. Senior Willis, der „Die Hard 4.0“ mitproduzierte und sein Sidekick und Computerhacker Justin Long werfen sich die Bälle, manchmal ironisch-bitter, manchmal liebevoll, gegenseitig zu und das Publikum hat Spaß daran: Egal, ob es um Musik, körperliche Erziehung oder Webcams geht. Nur in Kombination alter Analoghase und Digitaljungspund kann der Bedrohung Einhalt geboten werden. Dabei ist das Szenario „Virtual Warfare“ im gezeigten Rahmen noch relativ unverbraucht und frisch. So wird dem staunenden Publikum vor Augen geführt, dass es eben nicht nur möglich ist, Landesteilen das Licht auszuknipsen, sondern dass das Versagen oder Manipulieren zentral gesteuerter Ampelanlagen durchaus rigide Folgen haben könnte – im Film genial eingefangen durch eine Vogelperspektive über verschiedenen Verkehrskreuzungen , in denen sich diverse Massenkarambolagen gleichzeitig abspielen.

Zum Bedauern vieler Fans der Serie hat man sich über die diversen „Die Hard“-Teile hinweg immer weiter vom Konzept der räumlichen Isolation des Protagonisten Willis entfernt. Vom Hochhaus über Flughafen in die Großstadt – dennoch tauchen einige (liebgewonnene) Motive der Reihe erneut auf: ein unkaputtbarer Willis, der sich voller Schrammen und Schweiß gegen Beton lehnt, um zu verschnaufen oder das Kapitel Familienstreit, in dem diesmal Vater und Tochter sich zu Beginn nicht ganz grün sind. Ganz traditionell multinational gibt sich der Terror-Cast: Wenn schon nicht Familie Gruber am Drücker ist, dann doch wenigstens eine amerikanisch-chinesisch-französische Mischung aus Timothy Olyphant (der bald in der Videospieladaption „Hitman“ zu sehen sein wird), Maggie Q („Balls of Fury“) und Cyril Raffaelli („Transporter“-Reihe). Zu keiner Zeit wirken die Gegenspieler so, als könnten sie eine ernste Gefahr für Willis darstellen. Im Gegenteil: Sie sind es, die sich zur falschen Zeit am falschen Ort aufhalten.

Die US-Presse ist größtenteils vom Comeback des Helden McClane angetan: Im Miami Herald ist zu lesen: „Surprisingly effective, rousing entertainment, which boasts plenty of old-school, at times jaw-dropping stunt work done the manly way.” Die Washington Post meint: “At a time when the action genre has come to be dominated by sleek, matte surfaces and set-'em-and-forget-'em computerized effects, Live Free or Die Hard seeks to remind viewers of the simple, nostalgic pleasures of watching stuff get blown up and bad guys get smoked.” Rolling Stone abschließend: “Gets the action job done and you better believe that Bruce is still the man.”

„Die Hard 4.0“ ist der erste Teil der Serie, welcher in den USA kein R-Rating, sondern ein PG-13 bekommen hat. Das merkt man dem 129-minütigen Film deutlich an. McClane verzichtet tapfer auf seine Kippen (und Unterhemd), hat keinen Schädel mehr vom Bechern und hält sich auch deutlich mit Kraftausdrücken zurück. Wer erinnert sich noch an Herrn Eiszapfen, der seinen Weg in des Gangsters Auge fand aus „Die Harder“? So etwas gibt es in Teil 4 ebenfalls nicht mehr – Action gerne, aber bitte klinisch sauber ohne bodies that splatter.

Familienfreundliche Rückkehr einer Action-Ikone voller Dynamik, Tempo und Witz


Rudolf Inderst