Hot Fuzz - Zwei abgewichste Profis
(Hot Fuzz)

England, 126min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Edgar Wright
B:Edgar Wright, Simon Pegg
D:Simon Pegg,
Nick Frost,
Bill Nighy,
Martin Freeman
L:IMDb
„Ich wollte sein wie Onkel Derrick. ”
Inhalt
Nicholas Angel (Pegg) ist vielleicht der beste Polizist Londons. Er lässt nichts durchgehen, niemanden entwischen und leider mit einer 400prozentigen Aufklärungsrate auch seine Kollegen schlecht aussehen. Mit einer Beförderung wird Angel ins verschlafene Sandford abgeschoben, wo Ladendiebstahl und entlaufene Schwäne zu den Höhepunkten im Dienst gehören. Hinzu kommt mit dem naivübereifrigen Danny Butterman (Nick Frost) ein neuer Partner, der ihm anfangs gehörig auf die Nerven geht. Und gerade als Angel schon kurz davor ist, sich seinem trübsinnigen Schicksal zu ergeben, sorgen ein paar schaurige und nach Mord riechende Unfälle für das Einsetzen seiner Instinkte. Mit Danny im Schlepptau beginnt Angels Mission, Sandford aus seinem friedlichen Schlaf wachzurütteln - wenn nötig mit quietschenden Reifen, Sirenengeheul und der einen oder anderen Schießerei.
Kurzkommentar
Der Kunstgriff ist der gleiche, das Ergebnis bei weitem überzeugender: Nach seiner Zombie-Parodie „Shaun of the Dead“ nimmt Edgar Wright in „Hot Fuzz“ das Genre des Buddy Cop-Films auf die Schiffe und feiert alle Klischee genüsslich ab. „Hot Fuzz“ quillt über vor schrulligen Vögeln, schwarzem Humor, überraschender Action und liebevoll gesetzten Filmzitaten. Vor Wright scheint nichts mehr sicher. Very british.
Kritik
Offenbar waren Wichser am Werk. Anders ist der geistig umnachtete Untertitel von „Hot Fuzz“ nicht zu erklären. In gewisser Weise hat es ja schon fast Tradition, dass Originaltiteln bei der Suche nach deutschen Entsprechungen mit hirnlosen und vulgären Übertragungen oder Ergänzungen Gewalt angetan wird. Einfach den Originaltitel beibehalten, vor allem dann wenn eine deutsche Übersetzung nicht anders als debil klingen kann – so hätte aus slangartigen „Hot Fuzz“ vielleicht „Heiße Bullerei“ werden müssen. Die zielgruppenanbiedernden Titelzusätze nerven und vergraulen im schlimmsten Fall gar das Publikum. Das wäre im Fall von Edgar Wrights neuester Genre-Parodie allerdings verdammt schade. Drei Jahre nach seiner Zombie-Persiflage „Shaun of the Dead“ legt Wright im gleichen Segment nach – und wehe dem Genre, das Wright sich als nächstes vornimmt. Denn „Hot Fuzz“, die Parodie des Buddy Cop-Movies, ist noch um längen überzeugender, weil pointierter als „Shaun of the Dead“.

Zwar sollte sich Wright vorsehen, den Rest seiner eigenen Filmographien mit liebevollen Verspottungen aller Genres zu verbringen. Das wäre exakt so stereotyp wie die filmischen Muster, die Wright auf die Schippe nimmt. Solange die Masche sich jedoch trägt und jede Menge britische Schwarzhumorigkeit hinzudosiert wird, geht man gerne mit. „Hot Fuzz“ zeigt vor allem den hohen Grad an Eingespieltheit, den Edgar Wright zusammen mit seinen beiden Hauptdarstellern Simon Pegg und Nick Frost – die auch schon in „Shaun of the Dead“ dabei waren – an den Tag legt. Und dass gerade Pegg wieder einmal seine Rolle wie auf den Leib geschrieben scheint, erklärt sich dadurch, dass dieser erneut entscheidend mit am Drehbuch laborierte. Nun ist die Idee, das Genre des Buddy Cop-Movies, wie es mit „Bad Boys 2“ auf die machoistisch-dumme Spitze getrieben wurde, in die komisch-satirisch nachahmende Mangel zu nehmen, sicher nicht neu. Aber mit einer genialen Grundidee und einem Haufen skurriler Figuren und Szenen schafft es Wright, den vorerst endgültigen Beitrag zu liefern.

Schwer amüsant ist das Ausgangszenario, den von Simon Pegg gemimten Prototypen des rechtschaffenden und überkorrekten Superbullen – bezeichnenderweise mit dem Namen Nicolas Angel – von London in die englische Pampa zwangszuversetzen. Denn Angel schafft in seinem Einmannkreuzzug nicht nur das Verbrechen ab, sondern würde langfristig auch die Londoner Polizei arbeitslos machen. Zu effektiv, die Verantwortlichen ziehen die Notbremse. In den Akklimatisierungssequenzen im verschlafenen Landkaff jagt eine komische Szene die nächste, Wright macht aus dem Crash der Weltbilder das Beste, indem jedes Dorfklischee auf die Spitze getrieben wird – und das, anders als eben der deutsche Untertitel suggeriert, ohne jede Vulgarität. Beispiel: Als sich Angel vor lauter Verdruss nach dem ersten Tag im Dorf in der hiesigen Kneipe gefrustet zulaufen lassen will – gleichwohl mit Saft versteht sich –, stellt er geschockt fest, dass der Wirt das Jugendschutzgesetz sehr liberal interpretiert: Alkoholisierte Jugendliche allerorten; nachdem Angel dem Gesetz Geltung verschafft und die minderjährigen Gäste rausgeworfen hat, ist der zuvor berstend gefüllte Pub wie ausgestorben.

Simon Pegg ist als unbestechlicher wie messianischer Überbulle in seiner Paraderolle. Auf der hiesigen Polizeiwache mit leerem Beweismittelraum sieht er sich mit einem schrullig-komischen Freakkabinett konfrontiert. Jede Figur – etwa die beiden 70er-like Detectives – ist in sich schon ein wandelndes Filmzitat. Besonders das Zusammenspiel mit Nick Frost als leicht debilen Bullen, in Personalunion gleichzeitig Dorftrottel, hat ziemliche Zugkraft. Als Danny Butterman projiziert er auf seinen neuen Partner Angel seine infantilen Kinofantasien vom harten Übercop à la „Bad Boys“ – und will von Angel als erstes wissen, ob er schon mal zwei Knarren gleichzeitig im Flug abgefeuert hat. Alsbald ist klar, dass hinter der spießigen Dorfbeschaulichkeit etwas faul ist, spätestens dann, als es zu gehäuften tödlichen ‚Unfällen’ kommt, die allerdings nur der zugewanderte Großstadtcop als Morde zu erkennen meint. Wright zeigt das Ableben der Opfer als blutige Splattergroteske, über die „Hot Fuzz“ ins Surreale abdriftet. Da Angel die ganze Zeit verzweifelt gegen die Ungläubigkeit selbst seiner polizeilichen Mitkollegen anrennt, ist die bitterböse Auflösung mit finalem wie genüsslich gestreckten Showdown im Kugelhagel umso überzeugender.

„Hot Fuzz“ ist nicht nur eine Parodie und ironische Zitation aller Klischees des Buddy Cop-Movies, sondern natürlich auch eine liebevolle Umarmung des Genres, wie sie wohl nur jenseits von Hollywood gedreht werden kann. Wright könnte diese Masche noch einige Zeit fortsetzen, dann wird es aber Zeit, sich um wirklich eigene Motive zu kümmern.

Perfekt getimte, schrullige Buddy Cop-Satire


Flemming Schock