Hostel 2
(Hostel: Part II)

USA, 93min
R:Eli Roth
B:Eli Roth
D:Lauren German,
Heather Matarazzo,
Bijou Phillips,
Roger Bart,
Jay Hernandez
L:IMDb
„The train to fucking Prague is long you bitch! We'll come see you!”
Inhalt
Die drei Freundinnen Beth (Lauren German), Lorna (Heather Matarazzo) und Whitney (Bijou Philips) denken, ein Wochenendtrip sei eine gute Idee. Das Angebot ihrer neuen Bekannten, der zauberhaften Axelle (Vera Jordanova) klingt allzu verlockend. Auf den ersten Blick finden Beth, Lorna und Whitney in dem Hostel an ihrem Zielort tatsächlich eine wahre Oase vor. Aber schon bald stellen sie fest, dass dies nur die Fassade einer Todesfabrik ist, in der die privilegierte, kranke Kundschaft von Elite Hunting ihre düstersten Fantasien wahr werden lässt.
Kurzkommentar
Viel weniger Fortsetzung als Remake – Eli Roth inszeniert mit "Hostel 2" eine dümmliche torture porn Roadshow im düsteren Ost-anistan. Deutsche Kinogänger, welche wegen des zu erwartenden Blutrausches sich vor der Leinwand versammeln, werden zudem verwundert und verärgert feststellen, dass das einzige, was gründlich zerschnitten und verstümmelt wurde, "Hostel 2" selbst ist.
Kritik
Wo sich die Produzenten des "Saw"-Reihe noch fünf Minuten Gedanken darüber machen, welcher unsinnige Plottwist noch einzubauen ist, hält sich Regisseur Eli Roth in bester Grand Guignol Tradition nicht lange mit solchen Fragen auf. Variatio delectat! Statt lüsterner Rucksacktouristen, werden diesmal drei Reißbrettfiguren (die Nachdenkliche – das Luder – das Mauerblümchen) auf die Folterbanken gespannt. Dabei gibt es das ein oder andere Wiedersehen mit "lieb gewonnenen" Charakteren, so in etwa mit dem freundlichen Hostel-Personal oder der resoluten Kinder-Gangsterbande. Aber man besucht auch altbekannte Drehorte – allen voran natürlich die Todesfabrik selbst oder Titel spendendes Hostel. Diese sind, wie üblich, in postkartentypisches Osteuropa-irgendwie-noch-so-fast-wie-im-Mittelalter-Flair gehalten. Anstrengend.

Die US-Presse was not amused either. Die New York Times urteilt: "Roth might have mastered the cheap sadism-as-entertainment gross-out, but he has yet to produce a single genuine, old-fashioned fright." Im Boston Globe ist zu lesen: "The moviemaking is driven only by contempt; he (Roth) wants to nauseate us into submission." Die USA Today bilanziert: "Compared to this Eli Roth fetish video, the "Saw" films are Oscar bait." Und der Chicago Tribune fehlen schlicht die Worte: "It truly is crud, though."

Roth unternimmt den erfolglosen Versuch, in diesem Sequel auch näher auf die Seite der Täter einzugehen und psychologisiert kräftig. Da gibt es den Haifisch-Kapitalisten mit markigen Sprüchen, der darauf baut, dass sein Morden und Foltern in zukünftigen Geschäftsverhandlungen den entscheidenden Auravorteil verschaffen wird, aber später über sein wahres Wesen stolpert. Sein Partner, von Frau und Familie überfordert und dominiert, wird einen anderen Weg gehen – aber auch er erfährt eine einschneidende Wandlung. Ob dies allem dem Film gut tut, sei dahin gestellt. Zweifelsohne gibt es Roth die amüsante Möglichkeit, mehr über die Abläufe im Hintergrund der Folterhatz zu zeigen. Das Ersteigern (1,2,3,meins-Mentalität) der Folterware durch betuchte Gestalten rund um den Globus kann mit ganz viel Zudrücken der Augen als kapitalismuskritischer Hauch gedeutet werden. Dieser Bietprozess kann im Übrigen auf der Filmwebseite auch nachgespielt werden. Reichlich, äh, lustig. Gleichzeitig bedeutet das Portraitieren der Täter aber auch ein Entmystifizieren der Bedrohung und der Angst. Es gibt in diesem Film weder Verstörung noch Verwirrung. "Hostel 2" hätte ein großartiger Film sein können, wenn er sich völlig auf die Logistik und Ökonomie des Todescamps eingelassen hätte. Warum nicht einmal diejenigen Figuren näher beleuchten, für die der grausige Bunker einfach deren regulärer Arbeitsplatz ist? Stattdessen treiben den Regisseur eher Angst vor Sexualität und Lust um. Die krude Schaulust allerdings– zwischen Gräfin Barthory und Abu Graieb – ist freilich nach wie vor im pubertären Zentrum des Regisseurs.

Es ist schade, dass Eli Roth, welcher von der Fachpresse oftmals nur noch als Mitglied des "Splat Pack" (Bezeichnung für eine Gruppe von Regisseuren, die mit minimalem Budget den harten Horror früherer Tage wieder auf die Leinwand bringen – Alexandre Aja, Rob Zombie, James Wan, Neil Marshall, Greg McLean u.a.), sich nicht anderen, oder sollte man sagen größeren Themen zuwendet. Sein "Cabin Fever" hatte alles, was man sich von dieser Sorte Film erwarten kann; die beiden "Hostel"-Teile hingegen sind lediglich Ausschussware. Wer dennoch den ganzen "Spaß" erleben möchte, muss auf den DVD-Release warten, denn die Kinofassung spart die herben Szenen, ja, auch die Ode an Deodato, aus. Hate the game.

In jeglicher Hinsicht enttäuschende und überflüssige Fortsetzung des völlig überschätzten ersten Teils. Empfehlung: Schulausflug in Schlachthof ist lehrreicher.


Rudolf Inderst