Fährte des Grauens, Die
(Primeval)

USA, 93min
R:Michael Katleman
B:John D. Brancato, Michael Ferris
D:Dominic Purcell,
Brooke Langton,
Orlando Jones,
Jürgen Prochnow,
Gideon Emery
L:IMDb
„Slavery was a good thing. Anything to get the fuck out of Africa is a good thing.”
Inhalt
Ein amerikanisches Fernsehteam (Dominic Purcell, Brooke Langton und Orlando Jones) wird in eine Bürgerkriegsregion in Afrika geschickt, um ein riesiges Krokodil namens „Gustave“ mit Hilfe von Experten (Jürgen Prochnow, Gideon Emery) lebendig einzufangen. Die Probleme beginnen, als der Kameramann des Teams zufällig die Exekution von Einheimischen durch den Warlord „Little Gustave“ aufnimmt. Ab diesem Zeitpunkt müssen sich die Amerikaner nicht nur vor dem Reptil in Acht nehmen…
Kurzkommentar
Also das ist wirklich mal frech. Eine solch auf Biegen und Brechen zusammen geschusterte Monsterhatz vor dem dummdreisten Versuch eines Hintergrundes, afrikanisches Elend zu portraitieren! Weniger Stil hat nur eine Kroko-Handtasche.
Kritik
„Inspired by the true story of the most prolific serial killer in history” (…and this is also true for “Who framed Roger Rabbit”). Somehow I sense another kind of true story behind “Primeval” – and this one has a lot to do with cash and exploitation. Ein Krokodil als Metapher für das Leid, das der Westen über den schwarzen Kontinent brachte. Genial. Warum das garstige Tier dann nur schwarze Menschen im Film frisst? Man weiß es nicht. Man weiß ja so vieles nicht. Es geht uns da als Zuschauer nicht anders als den amerikanischen Filmfiguren, die Hals über Kopf in die Wiege der Menschheit geworfen werden, nur um dort allen Klischees zu begegnen, die man aus der TV- und Filmdarstellung Afrikas der letzten 20 Jahre gewohnt ist. Merke: Schwarze sind lebenslustig ODER korrupt ODER Schamanen. Und Jürgen Prochnow als Großwildjäger mittendrin. Ich liebe die Szene, in denen der große Jürgen mit seinem wunderbar teutonischen Akzent den Buschbimbos im allgemeinen Chaos mal zeigt, wo der Hammer der strebsamen Arbeitsmoral hängt. Die brauchen da unten eben eine strenge Hand, sonst rührt da keiner einen Finger. Kennt man ja.

Und als ob das eher schlecht statt recht geratene CGI-Krokodil nicht reichte (größtenteils ist das Tier sowieso nur nacht- und regenaktiv, damit man die Großrechner-Falten nicht so genau mitbekommt), hat man sich überlegt, dass ein Warlord noch gut ins Bild passen könnte. Vielleicht so einer wie bei "Black Hawk Down“? Einem, dem man wünscht, er würde 1000 Jahre lang lebendig verdaut? Got it! Er schießt, prügelt und bedient die Machete, welche mittlerweile zum allgemeinen 1994er-Hutu-Filmsymbol für „Ich habe noch was mit dem Nachbarn zu regeln, Liebling!“ geworden ist. Die Schauspieler wirken allesamt gründlich überfordert, aber sie haben auch allen Grund dazu, denn das Skript strotzt vor Ungereimtheiten.
Die Bilder suggerieren dabei fleißig: Afrika wäre so schön, so postkartenschön, wenn, ja wenn es diese verdammten Afrikaner nicht gäbe (für die es anscheinend auch kein größeres Ziel gibt, als nach Amerika zu gelangen, weil es dort Minzpastillen, ja richtig gelesen, gibt).

Ach, das klingt jetzt alles zu hart? Das hat „Hotel Rwanaconda“ nicht verdient? Mal sehen, was die US-Presse dazu meint. ReelViews kommentiert: „By the end of the film, I was hoping everyone on two legs would die, preferably suffering as much on screen as I was in the audience.” Im Hollywood Reporter ist zu lesen: “Primeval boasts a level of cheesiness that should well merit it a regular rotation on late-night cable.” Und schließlich der San Francisco Chronicle: “This is the kind of film that tries to show the horrors of genocide in Africa, then makes a point to kill off almost every African character in increasingly horrible ways.“
Filme wie „Primeval“ machen weder Spaß noch stärken sie den Glauben an ein Verleihsystem, welches sich sinnvolle Gedanken über Filmauswahl und –kauf macht. Möge dieses Reptil schnell wieder aus den Kinos verschwinden und zuvor ein oder zwei Produzenten mitnehmen.


Alberne, überflüssige und vollkommen missratene Mischung aus „Anaconda“ und "Hotel Ruanda


Rudolf Inderst