Der Fluch der goldenen Blume
(Curse of the Golden Flower)

China, 111min
R:Yimou Zhang
B:Yu Cao
D:Yun-Fat Chow,
Li Gong,
Jay Chou,
Ye Liu
L:IMDb
„Gib mir den Thron, ich will ihn jetzt!”
Inhalt
China vor mehr als 1000 Jahren, zur Zeit der Tang-Dynastie. Als Prinz Jai (Jay Chou) nach langjährigen Kriegszügen unerwartet an den Hof zurückkehrt, merkt er sofort, dass im Palast so einiges faul ist. In seiner Abwesenheit wurden allerlei verbotene Begehrlichkeiten geweckt, heimliche Liebesbande geknüpft und unheilvolle Allianzen geschmiedet. Während der Kaiser (Chow Yun Fat) Vorkehrungen trifft, die eigene Gattin (Gong Li) zu vergiften, treibt die Kaiserin hinter seinem Rücken ein ebenso intrigantes Komplott voran. Und auch Kronprinz Wan (Liu Ye) und Prinz Yu (Qin Junjie) sind in das komplizierte Geflecht aus Liebe, Eifersucht, Machtgier und Hass verstrickt. Doch wer hält hier die Fäden in der Hand, und wer stolpert als nächstes über die geschickt ausgelegten Fallstricke? Am Tag des traditionellen Chrysanthemen-Festes wird sich alles entscheiden.
Kurzkommentar
Zhang Yimou träumt schon zum dritten Mal in Folge von der Herrlichkeit des alten Chinas. Es geht gemächlicher zu als in den vorigen Martial-Arts-Epen „Hero“ und „House of Flying Daggers“, zu gemächlich. „Der Fluch der goldenen Blume“ entwirft in hölzern-lahmer Weise das Intrigenspiel am chinesischen Kaiserhofs des 9. Jahrhunderts. Zhang Yimous prächtiger Farbenkatalog hat noch immer seine Werte, beim nächsten Projekt sollte allerdings ein weniger ausgedünnter Plot die Bilderherrlichkeit unterfüttern.
Kritik
Es ist nicht viel, was vom chinesischen Film über Festivals hinaus den Weg auf die europäischen Leinwände findet. Und wenn doch, dann ist es wirkt es übermächtig. Existiert eine Leitfigur für die Exportfähigkeit chinesischen Kinos, dann ist es sicher Zhang Yimou, der mit „Hero“ und „House of Flying Daggers“ den Martial-Arts-Film pompös neu definierte und diese Schiene mit „Der Fluch der goldenen Blume“ nun konsequent zu Ende buchstabiert. Wieder verliert sich Zhang Yimou ins Märchenhafte, aber er erliegt auch mehr als zuvor dem Fetisch für die Kraft des eigenen Bildes, der kurz vor der Implusion zu stehen scheint. Insofern müsste „Der Fluch“ eigentlich das Ende einer ästhetischen Sprache sein, die nicht mehr höher hinaus kann, aber doch nie genug von sich hat – und als Hinguckermaschine allmählich dort für Gähnen sorgt, wo sie in den vorigen beiden Projekten noch vergleichsweise unverbraucht anzuschauen war. Das mit „Hero“ und „House of Flying Daggers“ - beides kolossale Kassenschlager in Zhang Yimous Heimat - begonnene Strickmuster legt auch „Der Fluch“ erneut an den Tag:

Wieder geht es darum, den Zuschauer mit einer Mischung aus perfekten Kampf-Choreographien und hyperstilisierten Kunstbildern eines fernen Phantasie-Chinas zu bombardieren, während die Geschichte als Garnitur um archetypische Muster kreist, auch diesmal vor allem um Rache und Liebe. Wem es in „Hero“ und „House of Flying Daggers“ doch zu viel Brimborium um phantastisch fliegende Kämpfer gab, ist mit „Der Fluch“ allerdings zunächst gut bedient, denn deutliche Differenzen gibt es dann doch. Zhang Yimou hat die Intensität der Action-Szenen drastisch reduziert, was auch am relativ geschlossenen Schauplatz bedingt sein dürfte: Nur in einer Szene verlässt der Film die Verbotene Stadt, Zentrum der Macht des Kaisers. Der ist mit Yun-Fat Chow prominent besetzt ist, ebenso wie die Kaisergattin durch Gong Li. Das schon vor dem Plot liegende Problem ist jedoch, dass es Zhang Yimou mit dem reduzierten Erzähltempo ein wenig übertreibt. Es mag ja ganz betörend sein, das Palastinterieur, so wie es Yimou in teils schrill-schwülstigen Farben und verschwenderischer Ausstattung entwirft, vorgeführt zu bekommen; das Gleiche gilt für die nicht enden wollenden Kostümorgien.

In Gang kommt das kaiserliche Verwirr- und Ränkespiel allerdings kaum. Das Problem ist nicht, dass die Geschichte vom herrschsüchtigen Kaiser, der nach dem Leben seiner entfremdeten Gattin trachtet, banal und formelhaft zusammengesetzt wäre. Das Problem ist eher, dass Zhang Yimou so von der berauschenden Sinnlichkeit an der Oberfläche angetan ist, dass er darüber das Eigenleben seiner Charaktere vergisst. Zhang Yimou lässt sie mit erstarrten – aber natürlich zum höfischen Zeremoniell passenden – Gesten durch die quietschbunten Säle defilieren, die er mit dickem Budget nach Lust und Laune ausstaffieren durfte. Zwar gib es genügend leise Töne, aber als Zuschauer findet man emotional kaum Zugang zu Figuren, die genauso gekünstelt sind wie Zhang Yimous Bilderflut. Sie mögen von allein Leidenschaften angetrieben sein, glaubwürdig gemacht wird das jedoch nicht. Teilweise kippt die Interaktion der Hauptfiguren mit strapaziös theatralisierten Stummfilm-Mimiken gar ins unfreiwillig Komische. Schade, dass trotz des guten Ensembles keine innere Spannung entsteht.

Zhang Yimou schiebt seine hölzernen Figuren auf dem künstlichen Feld der Verschwörungen ein wenig hin und her, bis sich alsbald das Verlangen nach entscheidenden Wendungen aufwirft. Die lassen allerdings weiter auf sich warten, stattdessen ergeht sich „Der Fluch“ weiter in epischen Bilderreihen des Hofrituals, die alles sind, bloß ganz sicher nicht sonderlich bedeutungsschwanger. Erst spät steuert es auf den schon früh absehbaren finalen Schlagabtausch zwischen unterjochter Kaiserin und tyrannischem Kaiser in Form der Palastrevolution zu. Hier zieht Zhang Yimou dann alle Register gigantomanischer Schlachtenmalerei. Nur er selbst dürfte hier der Konkurrent sein, den es zu überbieten gilt. Die endlosen, bluttriefenden Komparsenaufläufe bringen es noch zu einem ganz anderen Format als die noch vergleichsweise bescheidenden „Hero“ und „House of Flying Daggers“. Diese Schauwerte vertrösten aber kaum darüber, dass der Rest ebenso pathetisches Bildmaterial bietet, das nicht selten wie nur noch entleerter Selbstzweck wirkt.

Überfrachtetes Kostümspektakel mit mageren Erzählwerten


Flemming Schock