Shooter

USA, 120min
R:Antoine Fuqua
B:Jonathan Lemkin, Stephen Hunter
D:Mark Wahlberg,
Michael Peña,
Danny Glover,
Kate Mara,
Elias Koteas
L:IMDb
„I don't think you understand - these people killed my dog.”
Inhalt
Der Soldat Bob Lee Swagger (Mark Wahlberg) war während seiner gesamten Dienstzeit ein loyaler, absolut zuverlässiger und vor allem brillanter Scharfschütze, genannt „Shooter“. Doch mit einem Mal ist sein guter Ruf keinen Cent mehr wert, denn Swagger befindet sich plötzlich in einer furchtbaren Lage: Er soll der Attentäter sein, der den US-amerikanischen Präsidenten ermorden wollte. Natürlich ist das eine Lüge – er wurde gezielt in eine Falle gelockt. Aber trotzdem ist er jetzt – als vermeintlicher Einzeltäter – im Fadenkreuz brutaler Ermittlungen. Und ehe Swagger sich versieht, wird er in einen schockierenden Strudel aus Terror und Verschwörung hineingezogen und entdeckt, dass in diesem Wettlauf gegen die Zeit alles auf dem Spiel steht. Während der Ex-Marine von allen Sicherheitsbehörden des Landes – und auch von einer undurchsichtigen Organisation – verfolgt und erbarmungslos gejagt wird, versucht er verzweifelt seine Unschuld zu beweisen und seine Ehre wiederherzustellen. Doch schnell wird ihm klar, dass er um jeden Preis zur Strecke gebracht werden soll, damit die Geheimnisse, die er gelüftet hat, nie ans Tageslicht kommen.
Kurzkommentar
Regisseur Antoine Fuqua erzählt in 124 Minuten eine recht ermüdende Geschichte. Amerikakritisch, wie manche Kritiken andeuten, ist "Shooter" allerdings nicht sonderlich; es geht weniger um Systemkritik als um individuelle Verfehlungen innerhalb des Apparats USA.
Kritik
Keanu Reeves wollte nicht Mark Wahlberg sein und Eminem nicht Danny Glove, als es um das Casting ging. Und Michael Pena trägt als FBI-Agent ein T-Shirt mit einem Ernesto Che Guevara-Motiv. Und bei den Bösen hängen republikanische Präsidenten an der Wand. Also ich weiß nicht. Das ist doch alles an den Haaren herbei gezogen. Regisseur Fuqua, welcher auch verantwortlich zeichnet für den fürchterlichen "King Arthur", bedient sich reichlich und großzügig an Motiven aus Filmen wie "Rambo" oder "Staatsfeind Nr.1", ohne dabei nennenswert eigene Akzente zu setzen. Peter Menzies liefert dazu einige ansehnliche Bilder, wie er es schon in "Tom Raider" oder "Der 13. Krieger" getan hat. Dafür, dass Herr Wahlberg reichlich intensiv Ideen der Anti-Waffenlobby propagiert, fällt es seinem Alter Ego Bob Lee Swagger (quite a name!) nicht sonderlich schwer, für, nun ja, sagen wir das mal in dicken Anführungszeichen, Gerechtigkeit (im alttestamentarischen Sinn) zu sorgen. Wahlberg spielt seine Rolle stoisch und erduldend und lässt sich auch nicht von den Lolitareizen der Kate Mara aus der Sniper-Ruhe bringen. Was jedoch nach dem Abspann geschieht, wenn das blutige Tagewerk vollbracht ist, bleibt Spekulation...

Obwohl auch gestandene Blätter in den USA dem Scharfschützen Qualitäten attestieren – so bezeichnet die New York Times den Film als "pretty enjoyable" , die Los Angeles Times lobt die "crisp action sequences" und die Baltimore Sun bilanziert: "The timing couldn't be better for a thriller that focuses on assassination, international war scandals and U.S. agencies of enormous influence and wildly varying competence" – aber es gibt auch zahlreiche Stimmen, die nicht dem Glanz und Schein digitaler Explosionen erliegen. Das Wall Street Journal in etwa schreibt: "The result is lots of gunplay and explosions governed by little logic." Entertainment Weekly ergänzt: "The ultimate crime of this paranoid enemy-of-the-state pulp, directed with more style than brains by Antoine Fuqua (Training Day), is how dull it is." Und schließlich ist in The Onion zu lesen, dass am Ende "Wahlberg's army of one becomes more a comic-book vigilante than a righteously disgruntled patriot."

In der Abteilung Sonstiges ist der entlarvende (und zudem fürchterlich konventionelle) Internetauftritt des Films zu vermerken, denn dieser reduziert merklich den Film sprichwörtlich auf ein Schützenfest für Mausrambos. Dazu passend, plätschert auch die Musik von Marc Mancina dahin, von dem in der Vergangenheit durchaus ohrwürmischere Notenfolgen ausgingen, zum Beispiel für "Con Air" oder "Speed". Übrigens, sollten Leser unter uns sein, welche, wie die jungen, aufgeregten Männer hinter mir sich staunend über die Waffe von Mark Wahlberg im Film ausließen, sei verraten: Es handelt sich um ein Cheyenne Tactical M200 Intervention. Ganz schön Schwanz-Kino.

Mark Wahlberg wiederholt seine Performance aus "Four Brothers" und gibt den Action-Chomsky. Die Idee hinter Verfassung und Heimat treibt diese geradlinige Hatz etwas mühsam voran.


Rudolf Inderst