Hitcher, The

USA, 83min
R:Dave Meyers
B:Eric Red, Jake Wade Wall, Eric Bernt
D:Sean Bean,
Sophia Bush,
Zachary Knighton,
Kyle Davis,
Neal McDonough
L:IMDb
„Strangers think I'm trustworthy”
Inhalt
Es regnet in Strömen, als das Studentenpaar Grace (Sophia Bush) und Jim (Zachary Knighton) mit dem Auto auf dem Weg in die Semesterferien ist. Plötzlich taucht wie aus dem Nichts eine dunkle Gestalt vor ihrem Auto auf. Der Wagen schleudert, Grace gerät in Panik, und aus Angst vor dem unheimlichen Mann, der noch immer mitten auf der Straße steht, gibt Jim Gas. Doch schon beim nächsten Tankstop lauert ihnen der mysteriöse Unbekannte auf. Unbarmherzig treibt er Jim und Grace vor sich her und hinterlässt immer mehr Opfer auf seinem blutigen Vergnügungstrip. Von dem psychopathischen Anhalter und der Polizei gejagt, bleibt ihnen nur eine Möglichkeit, dem Morden ein Ende zu setzen und ihre Unschuld zu beweisen. Sie müssen sich dem direkten Duell stellen.
Kurzkommentar
Michael Bay und sein Produktionshaus Platinum Dunes sorgen für Nachschub an der Remake-Front. Nach "Texas Chainsaw Massacre", "The Hills have Eyes" und "When a Stranger calls", widmet man sich nun "The Hitcher" aus dem Jahr 1986. Die Neuauflage protzt mit reichlich Darm und Blut, opfert aber Charakterzeichnung und Psychologisierung der Figuren auf dem Altar des schnellen Schnittes eines Videoclip-Regisseurs.
Kritik
Da kann einem schon mal das Gruseln überkommen. Sitzen die Herrn US-Produzenten so beisammen und plötzlich bekennt einer: "Meine Herren, uns gehen die asiatischen Horrorfilme aus, was sollen wir tun?" Schweigen. Bis jemand ganz leise vorschlägt: "Vielleicht sollten wir unsere 1970er und 80er-Jahre Filme noch mal hervor kramen?" Gesagt, getan. Rob Zombie! Zack, zack! Ran an "Halloween"!

Michael Bay, ganz gediegen, bleibt noch eine Weile sitzen, grübelt und fällt eine Entscheidung. "The Hitcher" von Robert Harmon muss es sein. Zwar gab es bereits 2003 einen Wiederbelebungsversuch, jedoch landete jener von "Bats"-Regisseur Louis Morneau im direct-to-video Bereich. Geben wir also Videoclip-Veteran Dave Meyers eine Chance und zwei Monate Drehzeit in Texas und New Mexico. Die 83 Minuten besetzen wir mit einer attraktiven jungen Frau im Jeansröckchen und ultraengen Oberteil, die davor in der Genreproduktion "Stay Alive" das Schreien professionell erlernt und eingesetzt hat. Und Sean Bean? Der hatte sowieso derben Leerlauf in "Silent Hill" und "The Dark" – also, ran ans Telefon.

Ja, so könnte man sich das vorstellen. Am Startwochenende spielte der Film fast 8 Millionen Dollar ein, was das Remake aus wirtschaftlicher Perspektive zweifellos rechtfertigte. Mag sich also der Produzent recht freuen, muss das noch lange nicht heißen, dass es auch das Publikum tut. Denn dieses bekommt einen recht zwiespältigen Film vor die Augen gesetzt. Diese Einschätzung teilt auch die Presse. Kritisch fragt der Boston Globe: "If you boil off dialogue, performance, narrative logic and grind a movie down to the nub of genre, will there be any suspense left?" Das Verhältnis von Original zu Remake thematisieren LA Times und Variety: "The original film was intellectually engaging as well as tangibly creepy, while the new remake is just plain bad, and boring to boot. In the absence of actors with the tremendous presence of Rutger Hauer and Jennifer Jason Leigh, picture loses its raison d'etre."

Ein bisschen fühlt man sich wie als Zuseher wie der unglückselige digitale Hase, welcher zu Beginn des Films unvermittelt zu rotem Fleischbrei zerrieben wird. Genüsslich zelebriert das Remake ein Mehr an blutigen ittenbachesken Momenten, ohne dabei die Todessehnsucht des Mordenden besser herauszustellen, wie dies im Original geschah. Überhaupt wirken die Figuren allesamt schablonenhaft, manche sogar bleiben lediglich Karikatur ihrer selbst. Die New York Times ist vollkommen im Recht, wenn sie feststellt: "There’s a difference between refusing to give viewers the answers and having nothing to say." Für testosterongeschwängerte Partyluft sorgen ein paar action shots von Autostunts, die in einer solch überzeugenden Rauheit länger nicht mehr auf der Leinwand zu bestaunen waren. Dennoch, das alles verblasst, wenn nur an einen Auszug einer Unterhaltung aus dem 1986er-Modell zurück denkt: Auf die Aussage des Polizisten Hancock "You just threw your life down the toilet, girl" antwortet sie lakonisch: "When the truth comes down, I'll be just fine."

Anhalternde Geradlinigkeit: Der beklemmenden Atmosphäre des Originals beraubt, bleibt Sean Bean, der Wüstenfuchs, ein krankes, jedoch harmloses Schreckgespenst.


Rudolf Inderst