Frequency

USA 2000, 118min
R:Gregory Hoblit
B:Toby Emmerich
D:Dennis Quaid,
Shawn Doyle,
Elizabeth Mitchell,
Jim Caviezel
„Sie sind schon seit 30 Jahren tot, Sie wissen es nur noch nicht !”
Inhalt
Mit Hilfe eines alten Funkgeräts gelingt es dem jungen Cop John Sullivan (James Caviezel, "Der Schmale Grat"), Funkkontakt mit seinem 30 Jahre zuvor bei einem Brand tödlich verunglückten Vater (Dennis Quaid), dem Feuerwehrmann Frank, zu etablieren. Dank der Ratschläge Johns kann Frank seinem Tod diesmal entkommen. Unwissentlich lösen sie damit aber eine Kette von Ereignissen aus, die eine Mordserie neu aufflammen lassen. Nächstes Opfer: Johns Mutter (Elizabeth Mitchell, "Molly").
Kurzkommentar
Trotzdem "Frequency" am üblichen Hollywood-Kitsch krankt, hat Gregory Hoblit ein kurzweiliges und teils faszinierend-interessantes Abenteuer auf die Beine gestellt. Sowohl Mordserie als auch Grundidee wirken konstruiert, aber wer ist nicht fasziniert von der Idee, die Vergangenheit ändern zu können ?
Kritik
Regisseur Gregory Hoblit inszenierte bereits mit "Zwielicht" und "Damön" zwei ansehnliche und spannende Dramen. Bei Letzterem war seine Freude an spannungsfördernder Mystik bereits erkennbar und auch "Frequency" präsentiert sich als dezent mysteriöser Thriller, der seinen leicht unheimlichen Einschlag vor allem aus der Idee der Zeitmanipulierung bezieht. Ausreichend wird zu Beginn die Theorie der Multiuniversen angerissen, eine Theorie, die tatsächlich existiert, bisher mangels Beleg/Gegenbeweis nur nicht anerkannt bzw. für nichtig erklärt wurde. Eine Massanansammlung von Sonnenflecken und spezielle Konstellation von Protuberanzen, die genau am 11.Oktober 1969 und exakt 30 Jahre später vorhanden waren, dient als filmdienliche Pseudoerklärung für die physikalisch äußerst fragwürdige Filmidee: Chatten im 60er Jahre Stil, nämlich per Funkgerät durch Raum und Zeit.

An diesem Punkt setzt nun das persönliche Empfinden des Films ein: entweder akzeptiert man dieses sehr konstruierte, aber durchaus potentialbehaftete Grundkonstrukt und kann sich über eine gelunge Ausarbeitung der Idee freuen, oder man schätzt die Story als denkbar unglaubwürdig ein und kann dem Film folglich in keiner Weise etwas abgewinnen. Eines kann man Drehbuchautor (ehemals reiner Musikproduzent) Toby Emmerich jedenfalls nicht vorwerfen: daß er sich nicht um Logik und Zusammenhalt der Story bemüht hat. Naturgemäß landet man bei tiefergehender Betrachtung eines Films, der sich die Änderung vergangener Geschehnisse zum Thema macht, früher oder später bei einem Paradoxon (es sei denn man unterstützt oben erwähnte Theorie), aber daß die Thematik weiterhin faszinierend ist, bleibt wohl unbestritten. Mit Freuden erinnert man sich an die spritzigen Abenteuer von Marty McFly und Doc Brown zurück und wünscht sich in "Frequency" oftmals eine noch intensivere Nutzung der Zeitmanipulation.

Im Zentrum der Handlung steht nämlich "leider nur" das Schicksal einer der wohl typischsten aller amerikanischen Familien. Der Vater in seiner All-American-Hero Rolle als Feuerwehrmann, die Mutter als liebevolle Krankenschwester, dazu Barbecue und jede Menge Baseball - bevor die Heile-amerikanische-Welt-Selbstbeweihräucherung gänzlich unerträglich wird, setzt aber glücklicherweise das Talent von Regisseur Gregory Hoblit ein, der in schönen Bildkompositionen den kitschigen Momenten (schmalzigster Höhepunkt: das Fahrradfahren) wenigstens etwas an Pathos nimmt. Der etwas deplatziert wirkende, aber filmisch bemerkenswerte Traum John's ist beispielsweise mit seinem schnellen Schnitt und der immer wiederkehrenden Großaufnahme des Auges eine der gelungensten Traumsequenzen überhaupt. Zwar übertreibt Hoblit den Einsatz von Zeitlupe desöfteren (vor allen bei herunterfallenden Gegenständen), die Stimmung kommt trotzdem exzellent rüber.

Auch wenn die Story zwischendurch etwas dünn wird (die x-te Mordserie haut wohl keinen mehr vom Hocker), so bleibt sie zumindest durch die neuartige Konstellation interessant. Das abwechselnde Geschehen aus dem Jahre '69 und '99 sorgt zumindest für die wohl ungewöhnlichste Mordaufklärung der Filmgeschichte. Unverbraucht und relativ frisch wirken auch die Darsteller: Jim Caviezel meistert die Rolle des orientierungslosen Sohnes spielend und auch NYPD Cop André Braugher spielt den entschlossenen, aber etwas transusigen Detective überzeugend. Dennis Quaid spielt mir persönlich etwas zu pathetisch, aber für einen heldenhaften Feuerwehrmann und liebenswerten Ehemann stellt er schon die richtige Besetzung dar. Daß die kleinen Söhne überwiegend süß und knuddelig sein müssen, dürfte auch keinen mehr überraschen und stört deshalb nur bedingt.

Und wenn der Film sich schließlich am Ende noch als einigermaßen spannend herausstellt und die Ausnutzung der Informationsübertragung über Raum und Zeit ihren Höhepunkt findet, ist auch der sehnsüchtig auf magische Momente eines "Zurück in die Zukunft"-Abenteuers hoffende Zuschauer noch gut unterhalten worden und erkennt, daß es gerade zwei Stunden waren, die recht kurzweilig vergangen sind: Zeitreise unnötig.

Interessante und leicht spannende Zeitreise mit übermäßigem Lobgesang auf amerikanischen Heldentum


Thomas Schlömer