Du lebst noch 7 Tage
(7 Days to Live)

Deutschland/ USA, 96min
R:Sebastian Niemann
B:Dirk Ahner
D:Amanda Plummer,
Sean Pertwee,
Nick Brimble,
Gina Bellman
„Was ist los, habe ich Einen fahren lassen?”
Inhalt
Nach dem tragischen Tod ihres Sohnes ziehen Ellen (Amanda Plummer) und Martin Shaw (Sean Pertwee) aufs Land, um die Schatten der Vergangenheit hinter sich zu lassen. Doch bereits kurz nach ihrem Einzug in ein altes Landhaus, beginnt eine Kette unheimlicher Ereignisse: Ellen erhält geheimnisvolle Vorankündigungen des eigenen Todes, glaubt aber zunächst an einen Streich ihrer überstrapazierten Psyche. Martin nimmt die Geschehnisse nicht war, reagiert aber merkwürdig aggressiv und alles erweckt den Anschein, als ob jeder etwas vor Ellen verbergen will. Sie hat nur noch wenige Tage Zeit, die unheimlichen Botschaften zu deuten.
Kurzkommentar
Ohne auch nur den Hauch eines eigenen Akzents beugt sich "7 Days to Live" schmerzlich ausgeleierten Horrorkonventionen und wirkt dabei dilettantisch-unmotiviert bis unfreiwillig komisch aufgrund dümmlichster Dialogarbeit. Es bleibt nicht mehr als eine mäßig spannende, mit einfallslosester Kopistenmentalität heruntergekurbelte Schnellschussproduktion zwischen Thriller und plattem Mystery, die vergeblich amerikanischen Kassenhits nachzueifern versucht.
Kritik
Der anhaltende Horror-Boom bringt die merkwürdigsten Früchte hervor und gibt einer erfolgreichen Persiflage wie "Scary Movie" erst Daseinsberechtigung, die nicht zuletzt die fast schon unverschämte Phantasielosigkeit und die ewig gleichen Muster der "Scream"-Ableger und Mysterystreifen in der Folge von "6th Sense" parodiert. Die Albernheiten können und wollen nicht verdecken, dass das Genre völlig übersättigt ist, die Prinzipien immer die gleichen sind und oft nur das Settung variiert. Aber die Produktionswut wird sicht nicht mindern, so lange der Erfolg an der Kasse stimmt.
Mit "Anatomie" fügte sich natürlich auch der deutsche Film dem Unvermeidbaren, konnte überraschenderweise mit den leicht zu plagiierenden Vorlagen mithalten und prompt rückte der Studenten-Slasher in die Riege der besucherstärksten heimischen Filme vor. Da scheint der Erfolgskuchen groß und einfach zu erreichen, so dass auch Filmverleih Senator der Versuchung des schnellen Absahnens erlag und sich für die Finanzierung des "vielversprechenden" Titels "7 Days to Live" entschied. Natürlich ist es typisch, dass das Risiko einer eigenen Identität insofern umschifft wird, als "7 Days to Live" von einem deutschen Regisseur nicht nur mit amerikanischen Darstellern, sondern in völlig amerikanisierter Machart gedreht wird.

Die Zutaten werden dabei unverhohlen aus Elementen vom "Poltergeist", "Shining" und dem "Geisterschloss" zusammengeklaubt, die Darsteller sind weitgehend unbekannt und der Plot in etwa so klischeefrei wie das vermoderte Spukhaus - fertig ist die Gruselhütte. Denkbar, dass Sebastian Niemann eine intelligent-spannende Synthese aus Horror-Zitaten vorschwebte, die traurige Realität von "7 Days to Live" ist aber die einer stümperhaften Schusterarbeit. Das Wirken des Bösen ist unmotiviert, die Dramaturgie der reinste Überfluss und statt wirkender Paranoia gibt es nur unsägliche Plattheiten mit einem Schauspielerdialog, der besser gruselndem Schweigen anheim fallen sollte. Wer den konsequenten Trash einer schnell heruntergekurbelten Billigproduktion erwartet, wird durch unfreiwillige Komik, peinliche Szenenarbeit und demonstrative Drohmusik streckenweise noch bei Laune gehalten. Hier ist allein die Kameraarbeit solide.

Vornehmlich darf man sich von der Unplausibilität psychologischer Wendungen und Entwicklungen nerven lassen und "7 Days to Live" verspielt ein leicht zu erfüllendes Soll selbst bei den Schock-Momenten: wo Plummer auf den ewig gleichen, aber auch ewig funktionierenden "Buh"-Mechanismus hätte bauen können, gibt es weder das, noch Suspense oder eine über Plakativität hinausreichende Schummeratmosphäre, vielmehr allein unglaubwürdiges Psychogehampel. Zugegeben, wenn man die üblen Stereotype ihrer Rollen ignoriert, schlagen sich Amanda Plummer und Sean Pertwee wacker und angestrengt, können aber nicht verhindern, dass dieser dreiste Kopistengrusel in den tiefsten Keller verbannt gehört. Filme wie "7 Days to live" - im wahrsten Sinne des Wortes nervenaufreibend - sind das traurigste Beispiel dafür, dass Europa unreflektiert jeden Unsinn aus Amerika imitiert und dabei jede Chance auf Individualität auch noch liebend gern abtritt.

Enervierend billige Horror-Mystery-Schusterei


Flemming Schock