Mickey Blue Eyes

England, 102min
R:Kelly Makin
D:Hugh Grant,
James Caan,
Jeanne Tripplehorn,
Joe Viterelli
L:IMDb
„Verreck, kleines Schweinchen, verrecke, verrecke!”
Inhalt
Als der wohlsituierte New Yorker Auktionär Michael Felgate (Hugh Grant) seiner Freundin Gina (Jeanne Triplehorn) einen Heiratsantrag macht, kann er noch nicht absehen, worauf er sich dabei einlässt. Denn Ginas Vater Frank Vitale (James Caan) ist leibhaftiger Mafiapate. Allzu herzlich wird Michael von Frank sofort in die 'Familie' aufgenommen und lässt sich fatalerweise schon bald überreden, kleine 'Gefälligkeiten' zu erledigen. Da wird Geldwäsche noch zum geringsten Problem, wenn Michaels Leben wegen einer Leiche außer Kontrolle gerät und ihm die halbe Unterwelt den Fersen ist.
Kurzkommentar
'Mickey Blue Eyes' möchte sich selbst als 'romantische Komödie' verstehen, verlässt sich in der Umsetzung jedoch nicht auf deren Erfolgsrezeptur. Ist die satirisch angehauchte Grundidee vielversprechend, so mangelt es der antriebsarmen, drehbuchschwachem Film an Entschlossenheit, Witz und einer reivollen Liebesgeschichte. Wenigstens spielt das Ensemble der Nebendarsteller überzeugend auf, kann das harm- und farblose Konglomerat aber nicht über Mittelmaß heben.
Kritik
Die Komödie, mit der man in der Vergangenheit ein weites Feld an Attributen verbinden konnte, scheint gegenwärtig fast untrennbar mit Begriff der Romantik verbunden. Was früher schlicht als humorhafter Liebesfilm begriffen wurden, wird heute auf geradezu inflationäre Weise als 'romantische Komödie' angepriesen. Dieser Trend musste unweigerliche Folgen haben, so dass das Begriffspaar 'Romantische Komödie' nun ein regelrechtes Sub-Genre mit spezifischen Charakteristika konstiuierte.

Diese werden durch drei Komponenten bestimmt, nämlich durch ein Hauptdarstellerpaar mit 'stimmiger Chemie', durch eine leicht ironische, aufgelockerte Art der Darstellung und durch eine besonders phantasiereiche Grundidee, die die Beziehung der Protagonisten erst erzählenswert macht. Als Idealbeispiel hierfür kann nun Erfolgsfilm 'Notting Hill' gelten. Waren die ungewöhnlichen, filmtauglichen Umstände der Beziehung dort die Tatsache, dass ein Durchschnittsmann sich in den größten Filmstar der Welt verliebt, so soll in 'Mickey Blue Eyes' das Mafia-Element das Techtelmechtel auf Trab und den Zuschauer bei Laune halten.

Es ist ja auch eine ganz spezifische Erwartungshaltung, die sich begründet, sobald die beiden verwachsenen Signalwörter 'Hugh Grant' und 'Komödie' fallen. Der routinierte Kinobesucher möchte nun eine Filmkonvention vorgesetzt, in der Grant seine Hemden mit zwei geöffneten Kragenknöpfen trägt, tölpelhaft-charmant durch die Szenerie schlurft und mit Problemen im (formelhaften) Liebesdialog zu kämpfen hat. Und selbstredend wird Grant auch in 'Mickey Blue Eyes' in gewohntem Habitus arrangiert, doch jegliches Plus an Potential, das die Idee des Einheiratens in eine Mafia-Familie birgt, bleibt in den Startlöchern stecken. Offensichtlich scheint Regisseurin Kelly Makin unter dem Studiodruck gestanden zu haben, auf Teufel komm raus eine kassenträchtige 'romantische Komödie' abdrehen zu müssen, wenngleich ihr eine überzogene Gangsterfilmfarce liebe gewesen wäre.

Denn Mafia-Klischees werden zwar auf die Schippe genommen, aber konsequent zu Ende gedacht ist hier nichts. Dies ist gerade deswegen sehr schade, bedenkt man, dass das narrative Grundgerüst unverbraucht und für eine Satire bestens geeignet scheint: Mit welch herrlichen Übertreibungen, Absurdidäten und Klischeebildern hätte gespielt werden können, wenn man sich die Situation eines Fremden vorstellt, der sich plötzlich voll in die familieninterne Problematik eines Mafiaclans involviert sieht. Doch nicht nur die inhaltichen Defizite in der Umsetzung, sondern auch das etwas befremdliche Zusammenspiel von Grant und Jeanne Triplehorn, zu unemotional und distanziert, knistert nicht und kommt nie richtig in Fahrt, was wiederum an Drehbuchrestriktionen liegt.

Allzu oft bleibt Grant - in 'Notting Hill' ungleich überzeugender - bei hilfloser Gebärdensprache und bruchstückhaften Sätzen hängen, was auf Dauer ziemlich gekünstelt wirkt. Jeanne Triplehorns Spiel funktioniert in den eng gesetzten Grenzen des Drehbuchs zufriedenstellend, ist aber ebenso keine Glanzleistung. James Caan (in Coppolas 'Pate' für den Oscar nominiert) möchte man seine Mafiosi-Identität zuerst gar nicht abkaufen, denn nicht nur sein Temperament ist alles andere als italienisch. Doch insgesamt trägt er seinen Charakter tadellos und verleiht im glaubwürdig väterliche Züge. Behäbig, altbekannt und dennoch immer wieder gern gesehen ist Joe Viterelli als wortkarger Stereotypmafiosi, dessen kernige Erscheinung schon für einiges Amüsement ausreicht.

Ja, und wo bleibt, wenn´s schon zwischen den Hauptdarstellern nicht funkt, bitteschön die Komödie, der (zynische) Witz bei der Sache? Selten, sehr selten, sieht man sich durch einige köstlich grotesken Momente daran erinnert, mit welcher Filmgattung man es hier zu tun hat. Ansonsten breitet sich komödiantisches Flachland aus - eine krude, halbgare Mischung aus einfallslosem Beziehungsquatsch und seichter Mafia-Satire. Der Großteil der Schuld für diese unmotivierte Mittelmäßigkeit ist dem Drehbuchautor zuzuschreiben, der ein Resultat voll verschenkter Möglichkeiten und Temperamentlosigkeit fabrizierte. Viel zu harmlos und viel zu belanglos, um nicht sofort vergessen zu werden.

Ausdrucksloser Spagat zwischen Love-Story und Mafiasatire


Flemming Schock