Fluch der Betsy Bell, Der
(American Haunting, An)

USA, 96min
R:Courtney Solomon
B:Courtney Solomon, Brent Monahan
D:Donald Sutherland,
Sissy Spacek,
Rachel Hurd-Wood,
James D'Arcy,
Thom Fell
L:IMDb
„Kill him!”
Inhalt
Tennessee, im Jahre 1818. Nach einem erbitterten Streit mit einer als Hexe verschrienen Bäuerin liegt plötzlich ein Fluch auf der Familie des Farmers John Bell (Donald Sutherland) und seiner Frau Lucy (Sissy Spacek). Eine unsichtbare und unbarmherzige Macht dringt in das Leben der braven Sippe ein, malträtiert besonders Familienoberhaupt John und die halbwüchsige Tochter Betsy (Rachel Hurd-Wood). Mit der Zeit wird der Geist immer mächtiger und aggressiver, die Qualen der Bells steigern sich ins Unerträgliche. Ein gespenstischer, blutrünstiger Wolf streift um das Haus, ominöse Stimmen ertönen - und schließlich kündigt der paranormale Eindringling an, dass er John Bell töten werde. Während Betsys Verehrer Richard (James D'Arcy) verzweifelt nach einer wissenschaftlichen Erklärung für die Attacken forscht, suchen die Bells ihr Heil in Exorzismen und schließlich in einem dramatischen Fluchtversuch. Doch vor ihrem dämonischen Peiniger scheint es kein Entkommen zu geben. Bis eines Tages das Rätsel des Fluchs gelüftet wird: Die Bells erfahren, welch unfassbare Umstände tatsächlich den Fluch über ihr Haus gebracht haben. Und welch schreckliches Opfer sie bringen müssen, damit er endlich von ihnen genommen wird.
Kurzkommentar
Regisseur Courtney Solomon, der im Jahr 2000 auf einen Schlag die weltweite Dungeons & Dragons-Fanmeile durch seine miese Filmadaption abfackelte (und ein direct-to-video Sequel nachlegte!) versucht sich nun an einer Mischung aus „The Exorcist“ und „The Others“, freilich ohne die Stärke der beiden Titel auch nur annähernd zu erreichen. Ein wenig lustlos stolpern große Namen wie Sutherland oder Spacek durch diese spannungsarme Gruselklamotte – jedoch immer begleitet von den sehr einfallsreichen und kreativen Kamerafahrten eines Adrian Biddle („V for Vendetta“).
Kritik
Ja, Anfang des 19. Jahrhunderts war noch was los im Süden der USA! Nicht nur wurden zwischen 1812 und 1819 drei neue Bundesstaaten aus der Taufe gehoben, sondern der Süden schickte sich bis 1825 an, der größte Baumwolllieferant der Welt zu werden. Und gehörige Angst vor Sklavenaufstände hatte man auch. Für „American Haunting“ ist dies allerdings nicht sonderlich bedeutsam, denn es handelt sich um einen Film über die Ängste einer weißen Kernfamilie. Für andere Themen der Zeit ist da nur bedingt Platz – schade eigentlich.

Ja, richtig gelesen, meine Damen und Herren. Wie so oft ist hier die Geistergeschichte nur Platzhalter für reale Bedrohungen, welche in jeder Familie existieren und die in ihrer Gewalttätigkeit und Unfassbarkeit jene im Handumdrehen zerstören können. Nett kostümiert schleichen also alle Darsteller in der 14 Millionen Dollarproduktion, welche stolze fünf Monate Drehzeit in Anspruch nahm, immer zu im eigenen Anwesen umher, nur um kräftig vom Geistwesen in die Schranken gewiesen zu werden. Relativ selten bewegt sich das Ensemble außerhalb des Spukhauses – in seinen stärksten Momenten will man sich sogar ein wenig an „Sleepy Hollow“ erinnern, jedoch gehen diese Augenblicke schnell vorüber und man erkennt den verquerten, langweiligen Charme einer mittelprächtigen Sci-Fi Channel Produktion. Der an Schauplätzen in Rumänien und Kanada entstandene „American Hauntig“ verlässt sich allzu sehr auf seine zugegeben sehr gute Kameraarbeit, wird jedoch auch nicht müde, sich an Genrekonventionen abzuarbeiten und die Liste der typischen Spukhaus-Motive bis ans Limit auszureizen. Es klatschen die Fenster und Türen heftiger im Takt als die Zuseher einer Volksmusiksendung im Ersten. Dazu ertönen verzerrte Stimmen und ähnliches aus dem Gruselportfolio eines Mittelklasse-Vehikels.

Die FSK-16 Produktion, die für den Golden Trailer Award im Bereich „Horror“ nominiert war, wurde in der Presse nicht minder ruppig angefasst, als es der Geist mit der kleinen Betsy tut. So urteilt Entertainment Weekly: „The unnecessarily famous cast for such a standard, creaking, fake-spooky ghost story (with Bible verses thrown in for good measure).” Der San Francisco Chronicle ergänzt: “This is the type of movie that you should be getting for free on television.” Und schließlich schließt der Boston Globe scharf: “An American Haunting sets the bar at a new low: It makes ''The Blair Witch Project" look like a masterpiece of world cinema.”

Freunde des guten Countryside-Goth sollten sich also noch ein Weilchen gedulden und auf “The Messengers” warten. Hollywoods neuer Asia-Import heißt nämlich Pang Brothers – und die nehmen sich des Themas 2007 auch an: Wer „The Eye“ kennt, weiß, was auf North Dakota zukommt.

Sich in seinen Motiven gebetsmühlenartig wiederholender 90-Minuten Grusler ohne die rechte Portion Spannung.


Rudolf Inderst