Black Christmas

Kanada / USA, 85min
R:Glen Morgan
B:Glen Morgan, Roy Moore
D:Katie Cassidy,
Mary Elizabeth Winstead,
Lacey Chabert,
Michelle Trachtenberg,
Oliver Hudson
L:IMDb
„Now, do you want a Christmas cookie? You're my cookie, and I could gobble you up!”
Inhalt
Billys Kindheit ist trist, die Mutter vernachlässigt ihn. Die Liebe, nach der er sich sehnt, verweigert sie ihm. Statt in einem freundlichen Kinderzimmer aufzuwachsen muss er in einer staubigen Dachkammer hausen. Sein schwacher Vater wird derweilen von der Ehefrau betrogen. Und dann ist er plötzlich verschwunden. Tot, ermordet? Niemand weiß es. Dafür taucht ein neuer Mann auf. Eine kleine Schwester kommt hinzu. Der Sonnenschein der Familie. Was den vernachlässigten Billy die Nerven verlieren lässt. Seine Rache ist furchtbar. Schnitt. Die traurigen Ereignisse liegen Jahre zurück. Nun ziehen sechs Studentinnen der gleichen Verbindung in das Haus ein: Kelli, Dana, Lauren, Megan, Heather und Melissa. Gemeinsam mit ihrer Hausmutter freuen sie sich auf Weihnachten, das Fest der Liebe.
Kurzkommentar
„Black Christmas“ ist ein inhaltlich recht konfuses Remake vom „Final Destination“-Team, welches im wahrsten Sinn des Wortes „Augenblicke“ blutig zelebriert. Es ist überraschend, dass es dieser Film überhaupt in die Kinos schaffte. Genrefreunde werden zufrieden den Kinosaal verlassen, während andere Zuschauer lieber zuhause bleiben und Plätzchen essen sollten.
Kritik
„Silent Night, Evil Night“ (Regie Bob Clark) von 1974 schnitt in der Zuschauergunst recht ordentlich ab, und so muss Glen Morgan gedacht haben, dass für ein Remake die (verschneite) Stunde geschlagen hat. Der deutsche Zuschauer freilich kann sich nun am Schneegestöber des Films freuen.

Der „ultimate sly ride“, so die Tagline von „Black Christmas“ bietet vielerlei, was der Slasher-Fan sich wünscht: ein gelbäugiger Soziopath, ein wunderschönes Haus basierend auf Baustoff Knarz-Holz (das aufgrund der Kameraarbeit tatsächlich riesig wirkt) und jede Menge junge, bildhübsche Frauen, die das Aufschreien und Panikgrimassenschneiden perfektioniert haben. Doch wie kann man nun ganz unauffällig diese vielen Teile zusammenkleistern? Andererseits – wozu sich mit solchen Kleinigkeiten aufhalten, wenn man triumphierend ein Paar schöne Augäpfel baumeln lassen kann! Im Gegensatz zum Original wurde dem morbiden Weihnachtsmärchen noch eine Hintergrundgeschichte verpasst – man erfährt nun mehr über den familiären Hintergrund des Serienkillers, und hätte man diesen Weg konsequent fortgesetzt, wäre sicherlich auch eine recht amüsante Horrorkomödie entstanden (Stichwort „Fleischplätzchen“).

Da konnte es der PR-Abteilung nur recht sein, dass es von religiösen Interessensgruppen und Verbänden Proteste ob des wenig respektvollen Umgangs des Films mit dem Thema Weihnacht hagelte. Umso besser, denn so konnten die Macher anhand weniger Drehbuchzeilen („Fuck Christmas.“) und dezenten Hinweisen auf den Ursprung der Weihnacht als Teil von heidnischen Traditionen und schließlich Pseudo-Anprangerung von Geschenke-Konsumterrorismus den Eindruck von Liberalismus light inszenieren. Not bad, Santa.

Die Presse urteilte allerdings wenig erfreut mit Häme und Schelte. So titeln Guardian und Observer „One for real horror-buffs only“ und weiter: „A remake of a better acted and better-scripted 1974 film of the same title”. Dread Central.com ergänzt knackig kurz: “Buy the original!“ Das vorliegende Produkt ist genau das – ein Produkt, ein überhasteter Schnellschuss, um noch den ein oder anderen Euro mitzunehmen; es ist tatsächlich sehr erstaunlich, dass es dieser Film in die Kinos geschafft hat und nicht durch den Schornstein in die rote Socke am Kamin des DVD-Automaten landete.

Auge um Auge, Wahn um Wahn – kruder Weihnachtsslasher, der sich nicht sonderlich um solides Erzähl-Handwerk schert. Frohes Fest.


Rudolf Inderst