Gnadenlos Schön
(Drop Dead Gorgeous)

USA 1999, 98min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Michael Patrick Jann
B:Lona Williams
D:Kirsten Dunst,
Denise Richards,
Kirstie Alley,
Ellen Barkin
L:IMDb
„Seine Möbel sind Fälschungen, genau wie meine Orgasmen!”
Inhalt
Jedes Jahr findet der "Sarah Rose Cosmetics Amerikanische Teenager Prinzessin Wettbewerb" statt, und ihn zu gewinnen, ist Ziel jeder Teenagerin. In dem kleinen Dorf Mount Rose in Minnesota werden die Vorausscheidungskämpfe zum Kleinkrieg, an deren Spitze die Kommiteevorsitzende Gladys mit allen Mitteln dafür kämpft, dass ihre Tochter Becky gewinnt. Aber dann gibts da leider noch die hübsche, talentierte und sympathische Amber....
Kurzkommentar
Es ist kein Wunder, das viele Ami-Reviews den Film als 'einfach nicht lustig' bezeichnen. Dabei ist er zum Brüllen komisch, denn er wirft einen bitterbitterbösen Blick in das Leben einer amerikanischen Kleinstadt und zeichnet dort gnadenlos die verschiedenen Gestalten nach. Und für nicht allzu Amerikophile ist das sehr erheiternd...
Kritik
"Gnadenlos Schön" lässt wirklich kein gutes Haar an seinen Protagonisten. Das Time Magazine schreibt zwar, der Film wäre ein Schlag ins Gesicht Minnesotas (das als besonders rückständig gilt), aber man kann sich als 'zivilisierter' Europäer des Eindrucks nicht erwehren, dass es nicht unbedingt um Minnesota geht. So ist es auch kaum verwunderlich, dass die amerikanischen Kritiken nicht übermässig gut ausfallen. Viele dürften den Film nicht verstanden haben, oder zumindest nicht in der Lage gewesen sein, einen Bezug zu sich selbst herzustellen. Uns Europäern dagegen, deren wirkliches Wissen über Amerika sich zwar in Grenzen hält, die aber in jedem Teenager-Film Cheerleader und Jugendwahn vorgeführt bekommen, erscheint das Gezeigte um so verständlicher. Gewissermassen lachen wir über die angenommene amerikanische Rückständigkeit.
Der grosse Vorteil des Filmes ist, dass er seine Scherze nicht auf Kosten von Einzelpersonen oder moralischen Werten macht, sondern prototypische Figuren behandelt, die, wenn auch nicht in dieser Häufung, in jedem Dorf auftreten können. Diese Überzeichnung macht den Film ungefährlich, und für uns schamlos geniessbar. Der formale Charakter als (Pseudo-)Dokumentation trägt sein übriges dazu bei, dass man den Film auf mindestens zwei Ebenen betrachten kann. Als Erzähltechnik ist er jedoch nicht besonders geglückt. Ein Nutzen ist nicht vorhanden, und die gelegentlichen Interventionen in Bezug auf das angenommene Kamerateam stören eher.
Über die Story ist nicht viel zu sagen, da sie zum einen recht dürftig ausfällt, zum anderen die vielen klasse Pointen nicht verraten werden sollen. Der Film bezieht seinen Reiz auch nicht aus einer durchdachten Story, sondern aus dem gekonnten Aufeinandertreffen der verschiedenen Charaktere. Daraus ergibt sich kein besonders feinsinniger Humor (wie am Zitat zweifelsfrei zu erkennen), vielmehr ein böser, treffender, spitzer Witz.
Für Amerikaner und deren Freunde ist dieser Film vielleicht weniger zu empfehlen, wer aber stets an der Überlegenheit der neuen Welt, an Cheerleadern und Jugendwahn zweifelte, der wird einen Heidenspass haben.

Ach ja, eins noch: Nach der ersten Entscheidung hat der Film einen tiefen Hänger, und statt zu einem kurzen Ende zu kommen, gehts noch weiter, was viele Leute veranlasst hat, während der Vorstellung zu gehen. Keine Sorge, der Film ist dann dennoch kurz vor dem Ende, und es kommen noch ein paar wirklich gemeine Szenen....

Bitterböser Einblick in das amerikanische Leben


Wolfgang Huang