Mexican
(Mexican, The)

USA, 123min
R:Gore Verbinski
B:J.H. Wyman
D:Brad Pitt,
Julia Roberts,
James Gandolfini,
J.K. Simmons,
Bob Balaban
L:IMDb
„Guns don't kill people - postal workers do.”
Inhalt
Laufbursche Jerry (Brad Pitt) verspricht seiner Freundin Samantha (Julia Roberts), nie wieder ein krummes Ding zu drehen. Doch wie es nun mal so ist steht noch ein letzter Auftrag aus den Jerry für die Mafia erledigen muß: er soll die sagenumwobene Mexican, eine 150 Jahre alte, überaus wertvolle, aber mit einem Fluch belastete Pistole, über die mexikanische Grenze in die USA schmuggeln. Von diesem Auftrag ist Samantha verständlicherweise gar nicht begeistert, schmeißt Jerry kurzerhand raus und macht sich selber auf den Weg nach Las Vegas, wo sie ihre Zukunft sieht. Leider wird sie auf dem Weg von dem Auftragskiller Leroy (James "Soprano" Gandolfini) gekidnappt und auch Jerrys Mission gestaltet sich schwieriger als erwartet.
Kurzkommentar
Mit einer herrlich skurrilen Story und einem der sympathischsten Charaktere der letzten Filmjahre überzeugt Gore Verbinskis ("Mäusejagd") "The Mexican" trotz einiger Problemchen vor allem als erfrischende Mischung aus Romanze, Road-Movie, Thriller und Actionkomödie - ohne in einer Sekunde den richtigen Schuß Ironie vermissen zu lassen. Solange man trotz Duo Roberts/Pitt keine reine Liebesromanze erwartet, ist "The Mexican" den Kinobesuch auf jeden Fall wert. In diesem Sinne: El Camino!
Kritik
Erinnert sich noch jemand an das grandiose Trickspektakel "Mousehunt", das anno 1997 im Kino lief? Trotz seines kruden Humors und seinem wohl mißglückten Versuch Laurel & Hardy nachzuahmen, konnte mich Gore Verbinskis Mäusejagd mit seiner Liebe zum Detail, der wunderbaren Optik und der tollen Musik Alan Silvestris überzeugen.
Mit derselben Unbeschwertheit ging Regisseur Verbinski nun an "The Mexican" heran, welcher zwar weit davon entfernt ist, vollkommen makellos zu sein, im Nachhinein aber umso erfrischender war. Das liegt vor allem daran, daß Drehbuchautor J.H. Wyman sich dazu entschlossen hat, Brad Pitt und Julia Roberts über 90% des Films an verschiedenen Orten agieren zu lassen und die von der Werbung angekündigte Brad Pitt/Julia Roberts-Romanze gar keine solche ist. Andererseits macht man so Drehbuchautor Wyman zu Unrecht Vorwürfe, denn er hätte sich wohl nie ausgemalt, daß seine fiktiven Figuren einmal mit absoluten Topstars (ich hasse diese ausgelutschte Bezeichnung, aber sie trifft es nun mal) besetzt werden. Ist nun also der Casting-Agent Schuld? Auch nicht, denn irgendwie macht gerade diese unerwartete Star-Konstellation den Reiz des Films aus. Also kann man die Schuld beruhigt an die Marketing-Abteilung weiterleiten - manche Personen gehören da eh ausgewechselt.

Doch zurück zum Film: Autor Wyman gibt sich ziemlich viel Mühe, seine Story mit liebenswerten Kleinigkeiten, etlichen kleineren und größeren Wendungen und witzigen Dialogen zu füllen und größtenteils gelingt ihm das vorzüglich. Das fängt bei den drei äußerst gelungenen Rückblenden an, die nach und nach die Legende um die geheimnisumwitterte Pistole "The Mexican" lüften, setzt sich bei der ironischen Aufbereitung etlicher Mexikaner- und Amerikanerklischees fort und endet bei der tollen, selten so sympathischen Beziehung eines Kidnappers zu seinem "Opfer". Besagter Kidnapper wird von Vorzeige-"Soprano" James Gandolfini (links) gespielt, der mit seiner Minimalmimik und dem markanten Äußeren die Sympathiefigur des Films ist - lang, lang ist's her, daß ich einen Charakter in einem Film so gemocht habe. Jede Szene mit ihm und Julia Roberts ist eine einzige Freude, was nicht zuletzt an dem tollen Skript Wymans liegt.
Apropos Julia Roberts: ihre Leistung in "Erin Brockovich" wurde maßlos überschätzt, hier allerdings ist sie die perfekte Besetzung und Ergänzung zu James Gandolfini und Brad Pitt. Der wiederum hat die meisten Lacher auf seiner Seite, weil er sich herrlich tolpatschig und unbeholfen anstellt. Mein Favorit: er hängt hinter jedes zweite Wort ein "O", weil er meint dadurch für mexikanische Ohren viel verständlicher zu sein.

Bei all den gelungen Dialogen, der gewitzten Story um die mysteriöse Pistole und den tollen Charakteren gibt es auch sehr vieles, was bei "The Mexican" überhaupt nicht gelungen ist. Die Balance zwischen romantischeren Teilen und den Thrillerelementen gerät zum Ende hin immer mehr außer Kontrolle und auch die ein oder andere Wendung ist eindeutig zuviel des Guten. Zum einen, weil sie den Zuschauer gemein hintergehen, zum anderen weil einfach die falschen Personen sterben. Dann gibt's auch noch einen ziemlich plumpen, kitschigen Dialog, den sich Wyman und Verbinski hätten sparen könnten ("When do you get to that point when enough is enough?" ff.) und den sie anschließend für eine unpassende Versöhnungstour mißbrauchen.
Je nachdem, wie stark man sich an diesen Ungereimtheiten stört, dürfte die persönliche Wertung wohl eher mittelmäßig ausfallen: die erste Stunde ist so wunderbar erfrischend und dann wird der Bogen doch reichlich überspannt. Andererseits bietet "The Mexican" einfach zu viele Liebenswürdigkeiten, um nicht nachher doch mit breitem Grinsen das Kino zu verlassen. Treffend und sehr stimmungsvoll untermalt wird der Film noch von der prägnanten Musik Alan Silvestris, der zur Zeit zu echter Hochform aufläuft. Mit ironischem Morricone-Westernsound untermalt er die vergilbten Rückblenden und setzt die Gitarren teilweise so herrlich pointiert ein, daß allein die Musik den Witz in manchen Szene erzeugt. Großes Lob dafür.

Am Schluß noch ein Appell an die Werbeabteilung: wenn ein Film nun mal keine Liebesromanze mit Traumpaar Roberts/Pitt ist, dann kündigt ihn doch auch bitte nicht so an! Das sorgt nur für unzufriedene Kinogänger und das falsche Publikum. An "The Mexican" könnten schon eher Freunde leicht abgedrehter Gangsterkomödien wie "Bube, Dame, König, grAs" und "Snatch'" ihre Freude haben.

Erfrischende, etwas ziellose Komödie mit skurriler Story


Thomas Schlömer