Severance

Großbritannien, 92min
R:Christopher Smith
B:Christopher Smith, James Moran
D:Danny Dyer,
Laura Harris,
Tim McInernney,
Toby Stephens,
Andy Nyman
L:IMDb
„It's a public company. Members of both our governments are on the board. They're not going to do anything immoral!”
Inhalt
Für den Betriebsausflug ihrer europäischen Verkaufsabteilung hat sich der internationale Rüstungskonzern Palisade Defence einen besonderen Leckerbissen ausgedacht: ein Wochenende im Ostblock! Mitten im Wald, fernab der Büroroutine soll der dreitägige Aufenthalt in einer neu akquirierten, gemütlich-luxuriösen Firmenimmobilie für frischen Teamgeist sorgen. Während die männlichen Kollegen im Vorfeld schon mal per Internet die lokalen Callgirl-Inserate durchforsten und illegale Substanzen im Koffer bunkern, stellen sich die zwei Frauen im Team, Blondine Maggie und Jungfer Jill, auf 72 Stunden gepflegter Langeweile und lästiger Anmache ein. Doch es kommt weitaus schlimmer.
Kurzkommentar
Da werden sich einige die Augen reiben: Der stilsichere Darmkompott aus Horror und Comedy gelingt Regisseur Christopher Smith („Creep“) wunderbar. Hier trifft „Office“ auf „Wilderness“ oder doch eher „Chaos City“ auf „Hostel“? Der etwas derbe und rohe Inselhorror-Output scheint jedenfalls für die nächsten Jahre gesichert zu sein.
Kritik
„Vorhang auf für das abgründigste, bluttriefendste, in schönster Eintracht Magen- und Lachmuskeln attackierende Splatterfest des Jahres. Hier treffen Schreibtischhelden, die Waffen erfinden, auf echte Kerle, die Waffen mit Leib und ohne Seele benutzen. Hier wird ein Panik erfülltes Trüppchen Middleclass-Engländer mit diebischem Spaß erbarmungslos durch das bis in die letzte Wurzel verminte Unterholz getrieben.“

Diese Zeilen entstammen dem offiziellen Fantasy Filmfest 2006 Programmheft: „Severance“ war in diesem Jahr der Eröffnungsfilm und stellte, wenn man den inoffiziellen Foren Glauben schenken kann, die Gorehounds einigermaßen zufrieden, obgleich man sich wohl manchen Ortes noch mehr Blutvergießen gewünscht hätte - diese Jugend!

Die englische Presse war dem 96 Minüter größtenteils auch wohl gesonnen. So titelte in etwa der Observer: „Comedy and the horror are nicely balanced.” Viel mehr kann man eigentlich von einem Titel, der ganz offensichtlich “Shaun of the Dead” als Vorbild hatte, nicht erwarten. Variety ergänzt: “Christopher Smith more than comes up with the goods in slasher pic "Severance," his sophomore trip to the genre well. Escalating blend of black humor and grisly goings-on in the wilds of Hungary fully delivers in its latter half, and drew whoops and gasps.”

“Severance” ist ein perfekt gewählter Name für einen Horrorfilm dieser Klasse, denn “getrennt” und “gebrochen” wird tatsächlich eine Menge. Da können die dünnen Witzchen noch so reichlich fließen, manche Szenen werden aufgrund ihrer Deutlichkeit dem Zuseher schwer zusetzen. Allerdings, und dies ist kein unbekanntes Phänomen, „Severance“ erzeugt den „Von Fans, für Fans“ - Effekt. Deshalb verzeiht man auch dem in Ungarn und England entstandenen Film den antiklimatischen und repetitiven Charakter.

Dabei geht Christopher Smith relativ sorgsam mit seinen Figuren um, sie alle erhalten reichlich Einführungszeit und sind zudem skurril oder eigenbrötlerisch genug, um vom Zuseher als eigenständige Figur wahrgenommen zu werden. So ist es eine wahre Freude, Tim McInnery als idealtypischen britischen Arbeitgeber spielen zu sehen; im krassen Gegensatz erlebt man Danny Dyer als übergechillten Kiffer Steve, der nur an Frauen und Bewusstseins erweiternde Substanzen denken kann.

Der Schauplatz Osteuropa ist für den westlichen Horrorfilm eine Goldgrube. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion stellt diese riesige Gebiet in der Rezeption der Filmemacher wohl einen total rechtsfreien Raum dar – hier kann alles passieren: terra incognita! Zwischen Konzentrationslagern und vermummten Söldnern mit Flammenwerfern und Tretminen darf man sich nicht wundern, wenn ganze Jumbojets vom Himmel fallen. Dass natürlich eine gehörige Portion Sexismus im Spiel ist, kann getrost als genrekonstituierend angesehen werden – gefallen muss das noch lange nicht.

Ungern in Ungarn. Regisseur Christopher Smith sollte sich mit Kollegen Neil Marshall zusammen tun und ein britisches TCM ins Auge fassen. Absolute Genrekost.


Rudolf Inderst