Message in a Bottle

USA, 126min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Luis Mandoki
B:Nicholas Sparks,Gerlad Di Pego
D:Kevin Costner,
Robin Wright-Penn,
Paul Newman,
Robbie Coltrane
L:IMDb
„Sie wird ihr Leben lang nach Schellfisch riechen!”
Inhalt
Theresa Osborne (Robin Wright Penn), Lokaljournalistin bei der "Chicago Tribune", lebt geschieden mit ihrem kleinen Sohn Jason (Jesse James) in den Grauzonen der Großstadt. Zum Auspannen fährt sie für einige Tage allein an die Küste, wo sie während des Strandjoggings eine Flaschenpost auffindet. Der Inhalt entpuppt sich nicht als trivialer Gruß an alle Welt, sondern als poetische Ode eines Mannes, als reumütige Zueignung an seine verlorene Liebe "Catherine". Theresa ist von der "Wahrhaftigkeit" der geschilderten Gefühle, und durch die romantische Tatsache, daß diese dem Meer anvertraut wurden, zutiefst ergriffen. Mitteilungsbedürftig verkürzt sie ihren Urlaub für einen Tag und trägt den Brief ihren dahinschmelzenden Kolleginnen in der Redaktion vor. Ohne ihre Zustimmung läßt Charlie Toschi (Robbie Coltrane), ihr Boss, den Brief abdrucken. Es folgt eine Flut an Leserbriefen, bei deren Lektüre sich herausstellt, daß zwei weitere, anscheinend vom gleichen Verfasser stammende Briefe gefunden wurden. Theresa wittert nicht nur eine große Story, sondern zeigt persönliches Verlangen, den gefühlvollen Autor aufzuspüren, was denn auch durch wissenschaftlich akribische Nachforschungen gelingt. Zusammen mit seinem Vater Dodge (Paul Newman) lebt Garret Blake (Kevin Costner) in einem idyllischen abgeschiedenen Fischernest und trauert einer nicht erfüllten Existenz als Bootsbauer nach.
Kritik
Herrje, und wieder mal wird dem geneigten Kinobesucher exemplarisch demonstriert, mit welchen Risiken die filmische Bearbeitung einer Romanvorlage verbunden ist. In diesem Fall ist es der gleichnamige Bestseller von Nicolas Sparks, der Opfer einer schmerzvollen Banalisierung wird. Auch ohne Kenntnis der literarischen Vorlage wird die reduzierende Entstellung derselben deprimierend veranschaulicht. Denn was Regisseur Luis Mandoki dem interessanten Stoff abringt, ist zwar nicht himmelschreiend trivial, aber tonnenschwer und gähnend langweilig. Im Fischerort scheint nicht nur die Zeit, vielmehr die Handlung stehenzubleiben, was besonders deswegen bedauerlich ist, da alles doch verheißungsvoll beginnt. Mit dem Auffinden der Flaschenpost versteht der Zuschauer recht leicht, sich mit der vom Gefühl überwältigten Journalistin zu identifizieren. So sind denn die vorgelesenen Zeilen auch vorbildlich schwülstig pathetisch und laden zum mitfühlenden Heulen ein. Im Pathos des Briefes begründet sich die gerechtfertigte Erwartung auf ein klassisch tragisches Zelluloiddrama, das einen Verstoßenen zuletzt wieder mit Liebe segnet. Soweit die Theorie. Durch das Ergebnis der Umsetzung bekommt man nun zwar feuchte Augen, das aber eher in Trauer über die vergeudeten zwei Stunden Kinobesuch.

Läßt Robin Wright Penn die sensible, nach den Gefühlen eines verwundeten Mannes tastende Journalistin noch einleuchtend genug rüberkommen, so deplaziert wirkt Kevin Costner als introvertierter Fischerssohn. Zumindest ist er souverän wort- und ausdruckskarg - vetritt also jene Eigenschaften, die er schon in seinen apokalyptisch miesen Endzeitversuchen, dem abgesoffenen "Waterworld" und beleidigend patriotischen "Postman" in dekadenter Höchstform zelebrierte. Hier ist er zwar nicht abgehalfteter Neopatriot oder sprechender Fisch, aber noch immer vorzugsweise schlecht, und trägt letztendlich die Verantwortung für die müde Inszenierung und fehlende Romantik. Er "glänzt" durch Mimiken, die in ihrer Variabilität zwischen krampfhaften Lächeln und ausdruckslosem Fischblick schwanken. Je länger Costners planloses Sein ausgebreitet wird, desto unglaubwürdiger wird er als Autor der gefühlsbetonten Briefe. In besonders dämlich theatralischer Manier bekommt er auch in diesem Streifen die Chance, sich gegen Ende als Held zu stilisieren - dramaturgisch abwesend ist er immer. Wenn ihm das notwendige Feingefühl zur Darstellung eines gebrochenen Charakters unmöglich ist, kann auch Paul Newman nicht mehr viel retten. Immerhin ist sein Spiel des sentenziösen alten Fischers neben den sehenswerten Naturaufnahmen und Robbie Coltrane als selbstverliebt knuddeliger Zeitungsboß der einzig wirkliche Lichtblick in diesem quälend schleppenden Langweiler - armer Nicolas Sparks.

Manche Flaschenpost gehört auf den Meeresgrund


Flemming Schock
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Sicher, die momentane Zielgruppe von Filmspiegel.de ist wahrscheinlich -das sei gleich vorweg gesagt- nicht die von "Message in a Bottle". Höchstens jene, die bereits die (vermeintlich?) grosse Liebe hinter sich haben, besonders, wenn sie schmerzvoll war, werden mit diesem Film etwas anfangen können, allen anderen wird er zu schmalzig, überfrachtet...