Fluch 2 - The Grudge 2, Der
(Grudge 2, The)

USA, 101min
R:Takashi Shimizu
B:Takashi Shimizu, Stephen Susco
D:Amber Tamblyn,
Arielle Kebbel,
Jennifer Beals,
Edison Chen,
Sarah Roemer
L:IMDb
„You gonna go shopping for three hours again today? Leave your cell phone off? You think I don't know what you're doing, you think I'm stupid, huh? And yet... you can't make me a simple... DAMN... breakfast!”
Inhalt
Ein japanisches Sprichwort sagt, wenn jemand in einem Zustand unbändiger Wut zu Tode kommt, lastet fortan ein Fluch auf dem Ort seines Todes. Niemand im Tokioter Krankenhaus glaubt Karen Davis, dass sie ein Haus in Brand gesteckt hat, um ihrem Freund das Leben zu retten. Schlimmer noch: Seit dem Feuer wird sie von einer geisterhaften Frauengestalt in weißem Kimono und mit schwarzen Haaren verfolgt. Aubrey Davis erfährt von ihrer Mutter von der fatalen Lage ihrer Schwester. Um ihr beizustehen reist sie nach Japan, wo sie selbst bald in unerklärliche Situationen gerät und auf mysteriöse Ereignisse stößt. Aubrey ist dem Fluch, der auf Karen lastet näher als sie ahnt. Und nach und nach geraten immer mehr Personen in den Bann der geheimnisvollen Frauengestalt aus dem ausgebrannten Haus. Der Fluch scheint sich auszubreiten und nach scheinbar Unbeteiligten zu greifen, die doch durch ein Schicksal miteinander verbunden sind.
Kurzkommentar
Zweiten Teilen von J-Horror Remakes scheint nicht besonders viel Glück beschert: Ebenso wie „The Ring 2“ stellt „The Grudge 2“ solides Spannungskino dar, welchem es an zündenden Ideen und neuen Ideen mangelt. Die Ausweitung der Kampfzone und die Multiplizierung der Grudge-Figuren schaden dem Gesamteindruck dieses Films, der in seinen stärksten Momenten durchaus das Fürchten lehrt.
Kritik
Am selben Tag, an dem das amerikanische Remake von „The Grudge“ seinen Spuk-Kinostarttag erlebte, wurde seitens Sony beschlossen, ein Sequel in die Wege zu leiten – zu erfolgsversprechend waren die Aussichten, um dies nicht zu tun. Hollywood kauft ein, wenn es nicht die Ideen sind, sind es die Regisseure selbst. Jüngstes Beispiel sind die Pang Brüder, welche sich mit ihrer „The Eye“ – Trilogie einen Namen machten und nun mit „The Messengers“ ihr US-Debüt abliefern. Im Falle von „The Grudge 2“ ging auch diesmal die Rechung auf, da der Titel bereits am Startwochenende in den USA sein Budget von etwa 20 Millionen Dollar wieder einspielte. Wie lange dieser „Erfolgsfluch“ für Remakes von asiatischen Horrorthrillern jedoch noch anhalten wird, mag niemand voraussagen.

Das Presseecho fiel reichlich negativ aus. Von der New York Post als „utter junk“ bezeichnet, schleppte sich „The Grudge 2“ über „muddled, same-old mayhem“ (Empire) in die Washington Post: „A movie so bewildering and impenetrable that I believe it siphoned off a good 40 IQ points”, nur um dann seitens Boston Globe attestiert zu bekommen: “ The most popular facial expression for victims in The Grudge 2 is something I'd like to call "deep befuddlement." This time "deep befuddlement" goes double for paying customers.” Bilanzierend hingegen in a forgiving mood, The Onion (A.V. Club): “While the film deserves some credit for creating and sustaining a creepy atmosphere, it doesn't matter much when the plot doesn't go anywhere, and here, it winds toward the most arbitrary, nonsensical final scene in recent memory. But, hey, they're ghosts. They can do some pretty crazy shit.“

Zweifelsohne hat “The Grudge 2” seinen starken Momente. Angenehm blutarm, ganz auf verstörende Gesichtsausdrücke, unangenehm berührende Körperhaltungen und seltsame Klangfolgen bauend, gelingt Takashi Shimizu eine bedrückende, furchteinflößende Atmosphäre – auch das unbewusste Unbehagen von Mikrozeitsprüngen, die in etwa das Rück- und Vorspulen von Videoaufnahmen charakterisieren begleitet des Japaners Scare Tactics. Dabei konnte er aber leider nicht der Versuchung widerstehen, die zornigen Geister zu multplizieren, an allen möglichen Orten tauchen nun die unlustigen, blauen Apathischen auf und versetzen transkontinental an den Drehorten Tokio und Chicago die Menschen in Angst und Schrecken. Zum Nachteil gereicht dabei die Tatsache, dass die vielen kleinen Schockmomente nicht die Intensität einer langsam aufgebauten Spannungsschraube erreichen (in dieser Hinsicht großartig: „A Tale of Two Sisters“).

Das Schauspiel ist genregerecht – weinen, verzweifeln und schreien, dazwischen: ungläubig starren! Sympathikus Edison Chen (bekannt aus der „Infernal Affairs“-Reihe) gibt den verständnisvollen Investigativ-Journalisten, Sarah Michelle Gellar überzeugt mit einem Kurzauftritt als verstörtes, blondes Reh und Amber Tamblyn weiß nie so recht, was mit ihr so geschieht, und was sie tun soll. Das Ensemble ist höchst international, aber auch die Produzenten wissen: Angst ist ein supranationales Phänomen.

In technischer Hinsicht bietet vor allem die Farbdramaturgie einiges. Alle Blau- und Graustufen werden bedient, die Musikuntermalung begleitet den Film optimal zu jeder Zeit. Leider lässt sich für den Inhalt des Filmes nicht dasselbe behaupten: hier sind riesige Löcher zu verorten, der Zuschauer soll durch einen riesigen Twist am Ende staunend zurück gelassen werden, allerdings ist eher zu vermuten, dass eben jener Zuschauer zu diesem Zeitpunkt es schon aufgegeben hat, nachzuvollziehen, was auf der Leinwand vorgeht. Der Grudge erfuhr einen Klonvorgang – er/sie ist/sind nun überall unterwegs. Unnötig.

Momentan tourt die Veranstaltung „8 Films To Die For“ durch die USA. In diesem Rahmen wird auch Takashi Shimizus neuer Wurf “Reincarnation” gezeigt. Man kann gespannt sein.

Fluch für Takashi Shimizu! Langsam gehen Regisseur und Geist gleichermaßen die erschreckende Puste aus. Zeit für einen Neuanfang


Rudolf Inderst