Wicker Man - Ritual des Bösen
(Wicker Man, The)

Deutschland / USA, 101min
R:Neil LaBute
B:Neil LaBute, Anthony Shaffer
D:Nicolas Cage,
Ellen Burstyn,
Kate Beahan,
Frances Conroy,
Molly Parker
L:IMDb
„Killing me won't bring back your fucking honey!”
Inhalt
Police Officer Edward Malus (Nicolas Cage) befindet sich auf einem kalifornischen Highway auf Streife, als er eine Kombi-Limousine anhält. Wenige Augenblicke später rast ein außer Kontrolle geratener Truck in den Wagen. Das Auto fängt Feuer, Edward kann Mutter und Kind nicht mehr rechtzeitig befreien, bevor der Wagen explodiert. Monatelang schluckt Edward Beruhigungsmittel, um die Gesichter der Opfer aus seinem Bewusstsein zu verdrängen. Unerwartet bekommt Edward eine zweite Chance. In einem ungestempelten Briefumschlag erreicht ihn ein verzweifelter Hilferuf seiner Ex-Verlobten Willow (Kate Beahan). So plötzlich Edwards Beziehung zu Willow vor Jahren begonnen hatte, so unerwartet verließ sie ihn auch wieder. Aber jetzt ist ihre Tochter Rowan verschwunden – und Edward ist der Einzige, dem Willow das Auffinden ihrer Tochter zutraut. Sie bittet ihn, auf die Privatinsel Summersisle zu kommen. Ein Ort, an dem die Bewohner eigentümliche Traditionen bewahren, die anderswo längst in Vergessenheit geraten sind. Edward packt die Gelegenheit beim Schopf, um sein Leben wieder in den Griff zu bekommen.
Kurzkommentar
The Wicker Man ist völlig überflüssiges und seelenloses Remakekino, wie es leider immer häufiger der Fall zu sein scheint. Tapfer spielt sich Nicolas Cage durch seine seltsam angelegte Rolle und stolpert auf der karikaturhaften Honiginsel von Szenerie zu Szenerie. Der für „In the Company of Men“ (1997) hoch gelobte Regisseur Neil LaBute hat sich und dem Publikum mit diesem Werk keinen Gefallen getan.
Kritik
Der große Christopher Lee, der im Original “Wicker Man” den exzentrischen Lord Summerisle gibt, äußerst sich gegenüber dem ermittelnden Sergeant Howie folgendermaßen: “I think I could turn and live with animals. They are so placid and self-contained. They do not lie awake in the dark and weep for their sins. They do not make me sick discussing their duty to God. Not one of them kneels to another or to his own kind that lived thousands of years ago. Not one of them is respectable or unhappy, all over the earth.” Wären wir also alle Tiere, so wäre vermutlich auch der Aufschrei nicht derart groß, wenn nun ohne Rücksicht auf Verluste aus dem stimmigen Original ein solches Remake-Produkt mit dem Potential einer Eintagsfliege geschlagen wird.

Der an Schauplätzen in den USA und Kanada gedrehte 40 Million Dollar Film, bei dem seitens der Produktion auf Pressevorführungen verzichtet wurde, erntet in den verschiedenen amerikanischen Besprechungen zu großen Teilen schlechte Kritik. Die New York Times beschreibt den Film als ganz einfach langweilig, während die New York Daily News einen Schritt weiter gehen und ihn als schockierend übel charakterisieren. Zusammenfassend für diese negativen Stimmen steht ReelViews: „LaBute has transformed the eerie, disturbing psychological thriller into an unintentional comedy. At times, The Wicker Man is hilariously bad.”

Der Kniff, den Vorsteher der Gemeinde in der Neuauflage durch eine Vorsteherin zu ersetzen, lässt vermutlich – zumindest oberflächlich – das Blut von Genderdiskussionswütigen in Wallung bringen. In einer Szene betritt Nicolas Cage eine Art Dorfschule und reagiert schnell ziemlich verärgert als weder die Schülerinnen noch die Lehrerin sich sonderlich beeindruckt von seiner (männlichen) Autorität als Vertreter von weltlicher Recht und Ordnungs-Mentalität zeigen. Ein irischer Schriftzug über der Tafel bedeutet übersetzt „Der König hat keinen Stachel.“, was natürlich auf die Bienenzüchterinnenkolonie gemünzt, eindeutig zu verstehen ist. Das männliche Geschlecht hat in dieser Gemeinde zu schweigen, zu arbeiten und im funktionalistischen Sinne zu zeugen. Das Matriachat als Muster einer fortwährenden Unterdrückung?

„The Wicker Man“ hat einen schleppenden Erzählrhythmus: Gepeinigt von unnötigen Rückblenden bewegen sich Protagonist und Handlung im Kreis bis schlussendlich alles in Rauch aufgeht. Da mag das Set Design ab und zu angenehm überraschen und hin und wieder wird ein optisch gelungener Einfall geboten, aber das kann die (vornehme) Blässe der Figuren in dramaturgischer Hinsicht nicht übertünchen. Nur schwer kann man sich in Charaktere hinein versetzen, ihre Motivation nachzeichnen oder Hingabe, Sympathie beziehungsweise Ablehnung entwickeln. Nur in den fast schon komisch übersteigerten Momenten funktioniert „The Wicker Man“ – und das ist eindeutig zu wenig. Nothing wicked this way comes: Wer also glaubt, er könne die Serie von Familienzusammenführungssuspensestreifen, welche durch „Silent Hill“ und „The Dark“ jüngst aufgebaut wurde, durch aktives Sehen fortsetzen, der irrt.

Wiiicked!!! Aus dem Original von 1973: „You'll simply never understand the true nature of sacrifice.” Nach Begutachten des Remakes versteht der Zuseher allerdings sehr wohl. Nur für ganz hart gesottene Thrill-Catcher.


Rudolf Inderst