6th Day, The

USA, 126min
R:Roger Spottiswoode
B:Cormac Wibberley
D:Arnold Schwarzenegger,
Tony Goldwyn,
Robert Duvall,
Michael Rapaport
L:IMDb
„Try to stay dead this time”
Inhalt
Als Familienvater Adam Gibson (Arnold Schwarzenegger) eines Tages von der Arbeit nach Hause kommt, muss er schockiert feststellen, dass ein Klon seinen Platz eingenommen hat. Noch ehe er herausfinden kann, wer ihn geklont hat und warum, ist ihm auch schon die Killertruppe eines mächtigen Wirtschaftskartells auf den Fersen. Doch so leicht lässt sich Gibson nicht abservieren und setzt alles daran, sein altes Leben wieder zurück zu bekommen. Bald wird auch seinen Widersachern klar, dass sie mit ihm den falschen Mann geklont haben!
Kurzkommentar
Im Ein-Jahres-Intervall macht Hollywood Anstalten zur Wiedereinsetzung des bedenklich gealterten Schwarzeneggers. Unter der Regie von Roger Spottiswoode ("Tomorrow never dies") entsteht ein wenig aufregender Klonthriller mit ansprechendem Drehbuch und einfallsloser Action, die das große Klassenziel nach "End of Days" wieder unerreicht bleiben lässt.
Kritik
Am Anfang des letzten Jahrzehnts waren die drei Megalomanen des Actionkinos einfach zu benennen: Sylvester Stallone, dessen Stern allmählich zu sinken begann, Bruce Willis als langsam sterbender Weltenretter, vor allen aber Muskelmonolith Arnold Schwarzengger. In "Total Recall" und "Terminator 2" hatte er das Glück, mit Paul Verhoeven und Jim Cameron drehen zu dürfen und gerade letzterer schuf mit dem zweiten Teil des Cyborgthrillers einen gewaltigen Klassiker des modernen Effektkinos. Der beseelte Maschinenmensch blieb Schwarzeneggers Paraderolle. Seitdem konnte er nie wieder derart von seiner minimalistischen Brillianz profitieren und musste sogar, abgesehen von Camerons Agentenfarce "True Lies", relative Flops an der Kasse einstecken. Das mit den Kömodien hätte er sein lassen und sich eingestehen sollen, dass seine physische Präsenz ihn allein zur Herrschaft im Actiongenre bestimmte. Was in der Chronologie folgte, waren Jahre, in denen Schwarzengger nicht nur durch Abwesenheit auf der Leinwand glänzte, sondern auch eine Zeit des nötigen Generationenwechsels.
Eine Epoche in Hollywood ging zu Ende, das Urgestein des pompösen Gewaltkinos neigte zusehends zur Altersvorsorge: Sylvester Stallone wurde in "Copland" (1997) dick, krawalllos und überzeugend träge, in seinem Versuch des Imagewechsels von der Kritik, aber nicht vom Publikum akzeptiert. Bruce Willis hingegen schaffte den Absprung, konnte sich als "ernster" Mime glaubwürdig machen und lässt seitdem keine Chance ungenutzt, sich von seinen vorigen Ballerrollen moralisch zu distanzieren. Es gäbe schließlich genügend Andere, die die Welt ähnlich souverän retten könnten wie er. Theoretisch ja, aber die Realität sieht ratlos düster aus: Hollywood fehlen schlicht und einfach die neuen Actionhelden. Nicolas Cage, lange Zeit sicher als neue Kapazität des Genres erhofft, sträubt sich und vergleichbarer Ersatz fehlt völlig.

In solchen Tagen lastet die Erwartung schwer auf Schwarzenegger, der mit "Terminator 3" bald den letzten Versuch unternehmen will, an den Erfolg der frühen Neunziger anzuknüpfen und die existenzielle Krise des großen Actionkinos zu beenden. Mit "End of Days", der Rückmeldung auf der Leinwand im letzten Jahr, gelang es jedenfalls nicht, was aber auch an der übergroßen Erwartungshaltung gegenüber einem originalen "Schwarzenegger" gelegen haben mag. Jetzt, ein Jahr später, folgt unter der Regie von Roger Spottiswoode ("Tomorrow never dies") in "The 6th Day" ein neuer Anlauf, nur ist der Bibelbezug diesmal ein gänzlich anderer: die Kreation Adams am sechsten Schöpfungstag. Angedeutet ist damit das große Thema der Gentechnik, mithin der heißumstrittene, uralte Traum des Menschen, selbst zum Herr über Leben und Tod aufzusteigen. Bevor die Medizin der Zukunft eine grundlegend andere werden wird, nimmt die - hier wörtlich zu verstehende - science fiction Hollywoods das Grauen (und den Nutzen) mal wieder vorweg. Interessant dabei ist, dass die Köpfe hinter "The 6th Days" während der mehrjährigen Entwicklungsphase vom tatsächlichen Gang der Ereignisse, vor allem von der frühen Entschlüsselung des Genoms im vergangenen Jahr überrumpelt wurden. Die Medien überschlugen sich, euphorisierte Wissenschaftler verkündeten den Beginn eines neuen Medizinzeitalters, manche sahen schon den Tod besiegt und viele den finalen Beweis für die Perversion der Naturwissenschaft. Die ethische Debatte über die Legitimität des Klonens ist seitdem omnipräsent und die wohl größte Herausforderung der Philosophie - hierzulande gerade auch durch die unheimliche Sloterdijk-Debatte.

So gewinnt das Szenario des Films eine in Aspekten beängstigende Aktualität und prognostischen Charakter. Weil "The 6th Day" nun aber nur ein Schwarzenegger-Film und kein Philosophieexkurs ist, bleibt die Verhandlung des Themas in entsprechenden Niederungen stecken. Die Grenzen zwischen Gut und Böse sind klar definiert: Inhuman sind jene, die sich hybrid selbst Schöpfer- und Göttertum anmaßen und menschlich allein jene, die kategorisch gegen die Konsequenzen des Klonens, gegen die Gentechnik schlechthin Position beziehen. Das mag nun biedere Moral oder völlig korrekt sein, interessante Aspekte wirft das Drehbuch en gros nicht auf.

Aber unwichtig, ob nun Cyborg, Android, Nexus 6 oder jetzt der Klon - "The 6th Day" spielt in der (wenn auch nahen) Zukunft, erinnert deutlich an "Total Recall" und bringt dadurch die besten Voraussetzungen für einen ebenbürtigen Streifen mit. Spottiswoode, der im vorletzten Bond-Abenteuer seine Qualitäten herausstellte, versucht dabei wieder eine Mischung aus Action, Spannung und Humor. Obwohl sein Konzept aufgeht und "The 6th Day" die Menge befriedigen dürfte, ist mehr, ist die große Wiedereinsetzung Schwarzeneggers erneut fehlgeschlagen. Die melodramatische Verteidigung konservativer Werte nervt streckenweise genauso wie die formelhaften Dialoge, was verschmerzbar ist, so lange die Portionierung der Action stimmt. Und allein die entscheidet über das Schicksal "Schwarzeneggers". Aber leider beschränkt sich die Verschwörungsszenerie auf konventionelle Verfolgungsjagden und völlig ausstauschbar wirkende Ballereien. Statt also in effekt- und choreographiemäßiger Hinsicht wenigstens den Versuch des Spektakulären zu starten, reduziert Spottiswoode leider alles auf das Level völliger Beliebigkeit. Da hilft auch der beherzte Einsatz des Hauptakteurs im gleich doppelten Vorhandensein nicht mehr viel. Tony Goldwyn als Klonmeister stiehlt dem deutlich gealterten Schwarzenegger sogar fast die Show, während Robert Duvall sich mit einer fast peinlichen Rolle moralischer Symbolik begnügen muss.

"The 6th Day" bleibt zwar kurzweilig, aber bemerkenswert unspannend auch deswegen, weil funktionierend gesetzte Humorelemente gegen Intensität der Stimmung arbeiten. Auch wenn gegen Ende interessante Wendungen bei Laune halten, darf man sich von der Erwartung, dass ein Schwarzenegger-Film auch im neuen Jahrtausend neue Dimensionen im gebeutelten Actionfilm aufschlagen kann, getrost verabschieden. Das primäre Kassenziel, ein höheres Einspielergebnis als "End of Days" sollte erreicht werden, Blockbuster-Qualitäten sind immerhin zu konstatieren. Ein klassischer "Schwarzenegger" jedoch, der an die Monstranz von "Terminator 2" anknüpfen könnte, ist "The 6th Day" sicher nicht. Er setzt keine Impulse, ja, wirkt phasenweise sogar leicht trashig. Dass er aufgrund dessen schnell vergessen sein sollte, ist egal, denn Schwarzenegger scheint in Zukunft immer mehr mit Quantität auffallen zu wollen. Momentan hat er "Collateral Damage" fast abgedreht und auch die Zeit danach mit Produktionen verplant, die aber eines wohl nicht mehr haben werden: den Nimbus früherer Tage.

Temporeicher, aber spannungsschwacher Klonthriller mit akzentloser Action


Flemming Schock