Snakes on a Plane

USA, 105min
R:David R. Ellis
B:John Heffernan, Sebastian Gutierrez, David Dalessandro
D:Samuel L. Jackson,
Nathan Phillips,
Byron Lawson,
Benjamin McKenzie,
Julianna Margulies
L:IMDb
„Oh, that’s great. Snakes on crack.”
Inhalt
FBI-Agent Neville Flynn (Samuel L. Jackson) muss nach einem Mord an einem prominenten Staatsanwalt aus Los Angeles dem einzigen Augenzeugen, Sean Jones (Nathan Phillips), auf dem Flug von Hawaii nach Los Angeles Geleitschutz geben. Jones soll vor dem Schwurgericht in Los Angeles aussagen, doch der flüchtige Mörder, Eddie Kim, will das um jeden Preis verhindern. Hunderte von giftigen Schlangen jeder Art und Größe werden von ihm und seinen Schergen in den Frachtraum des Flugzeugs geschmuggelt. Durch das Inhalieren von Pheromonen reagieren die Reptilien aggressiver als gewöhnlich, zerstören Betriebsanlagen, terrorisieren und töten Passagiere und Crewmitglieder.
Kurzkommentar
Der Hype um „Snakes on a plane“ beugt auch DICH! Du wirst (vornehmlich in der Gruppe) Spaß haben in dieser wirren Klamotte um Reptilien und verängstigten Fluggästen. Erstaunlich, wie souverän Regisseur David Ellis aus so wenig Stoff so viel Film zaubert. Absurditäten und Klischees werden gleichermaßen zu einem höchst unterhaltsamen Schlangenragout zusammen gekocht.
Kritik
Es war wohl das letzte Mal 1999, dass um einen Film ein solcher Internethype losgetreten wurde: „The Blair Witch Project“ von Daniel Myrick und Eduardo Sanchez bewies die Macht des damaligen Web 1.0. Natürlich ist „Snakes on a plane“ eine andere Sorte Film (35.000 Dollar stehen alleine schon 35 Millionen Dollar gegenüber), aber der enorme Hype um den Schlangenstreifen ist ein ähnliches Phänomen. „Snakes on a plane“, der zur endgültigen Verwirrung kurzerhand mit dem Fake-Titel „Anaconda 3“ versehen wurde, verdankt seine frühzeitige Popularität sicherlich der Tatsache, dass der Titel eine größtmögliche Naivität im Sinne eines nomen est omen besitzt. Emmerichs „Independence Day“ müsste in etwa nach dieser Methode „Ufo schießt“ heißen.

Ein Teil der PR-Legende will es, dass Samuel Jackson nur seine Einwilligung zur Darbietung gab, weil ihn der Titel dermaßen überzeugte. Der in Kanada entstandene Film schafft es tatsächlich, und das ist der größte Verdienst von Regisseur Ellis, aus der Prämisse „Schlange + Flugzeug + Menschen in Panik“ einen astreinen Spielfilm zu produzieren, ohne dabei in die Satire abzurutschen. Es gibt zwar völlig absurde und übersteigerte Momente, aber lesbar ist „Snakes on a plane“, der ursprünglich von Ronny Yu inszeniert werden sollte, auch durchaus als temporeicher Actionfilm; den Zuschauer erwartet sicherlich keine „Reise im verrückten Flugzeug“, ganz gewagt lässt sich eher sagen: der Film beginnt wie „United 93“. Ganz gewagt, hsssssss….

Der Film weiß ordentlich zu polarisieren: Von „most exuberantly trashy delight of this summer“(LA Weekly) bis „It's more like an improv sketch at 30,000 feet.” (LA Times) war in den Besprechungen eigentlich alles zu lesen. „Snakes on a plane“ bietet neben einer sehr aktiven Fanbewegung (in etwa www.snakesonablog.com ) auch auf der formalen Ebene solide Genrekost. Kameraroutinier Adam Green fängt die Enge der Sitzreihen gekonnt ein, wenn Menschen in Panik übereinander stolpern, um den Reptilien zu entgehen. Dabei belustigt die Mischung aus echten Schlangen, von denen etwa 400 am Set waren und CGI-Pendants. Um alles noch einen Tick bedrohlicher zu gestalten, hat man sich seitens der Produktion natürlich gerne die Freiheit genommen, Schlangen ein wenig zu tunen: so ist zum Beispiel die Grüne Baumpython keine Giftschlange, aber da ihr Aussehen so gut gefiel, verpasste man ihr kurzerhand ein paar Giftzähne. Es kommt zu kuriosen Biss- und Würgeattacken, die dem Zuseher nicht nur einmal unangenehm berühren werden. Ob sich bald schon ein Pro 7 – Film mit „Goldfischen im Boot“ beschäftigen wird?

Die gute Schnittarbeit von Howard Smith setzt jede Schlangenattacke Furcht erregend in Szene und das Produktionsdesign lässt schnell Erinnerungen an 1970er-Jahre Katastrophenfilme aufkommen. An Bord des Fluges gibt es nur Platz für einen Star. Samuel Jackson spielt erneut erschreckend übercool und hat sich auch diesmal ein paar kräftige Zeilen ins Skript schreiben lassen: „I've had it with these mother fucking snakes on this mother fucking plane!“ Der Cast-Rest weiß, was er zu tun hat: schreien, sterben, schwitzen. Ein kleine liebevolle Website zum Film und der unverschämt angenehme Ohrwurm „Snakes on a plane (Bring it)“ von Cobra Starship tun ihr übrigens, um diese Trashperle zum Rohdiamanten des Sommers zu (v)erklären.

Das richtige Programm für den gediegenen Langstreckenflug: Enthemmter B-Film Spaß mit Biss


Rudolf Inderst