Wer früher stirbt, ist länger tot

Deutschland, 104min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Marcus H. Rosenmüller
B:Marcus H. Rosenmüller, Christian Lerch, Julia Schwarz
D:Markus Krojer,
Fritz Karl,
Jule Ronstedt,
Jürgen Tonkel,
Saskia Vester
L:IMDb
„Ich darf auf gar keinen Fall sterben!”
Inhalt
Als der 11-jährige Sebastian zufällig erfährt, dass seine Mutter bei seiner Geburt gestorben ist, beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen. Sebastian, der ein für sein Alter beeindruckendes Sündenregister vorzuweisen hat, fühlt sich fortan auch schuldig am Tod seiner Mutter. Da er, wie er meint, nach seinem Tode auf jeden Fall im Fegefeuer landen wird, setzt er alles daran, entweder unsterblich zu werden, oder sich von seinen Sünden reinzuwaschen. Sebastians Übereifer führt jedoch nicht zum gewünschten Erfolg: ein gesprengter Hase, ein unsittlicher Antrag an seine Lehrerin Veronika, eine beinahe zu Tode gebrachte Greisin aus der Nachbarschaft – das alles verbessert die Situation nicht gerade. Erst der Radiomoderator Alfred bringt Sebastian auf die zündende Idee: unsterblich machen kann ihn die Musik! Und auch von seiner Mutter meint Sebastian ein Zeichen erhalten zu haben: um seine Sünden abzuarbeiten, muss er für seinen Vater eine neue Frau finden.
Kurzkommentar
Ein hübsches, harmloses Filmchen legt Marcus Rosenmüller hier vor: liebenswerte Charaktere, Mundart, sauberes Drehbuchhandwerk. Was fasziniert, aber vor allem amüsiert, ist wie er Begriffe wie Erzkatholizismus und Fatalismus aufweicht und als häufig deckungsgleich entlarvt. Hier ist Rosenmüllers Film pure Satire: mit leichter Überzeichnung gelingt ihm ein treffender Kommentar zum Wesen deutschen Dorfkatholizismus´. Dennoch ist sein Film natürlich nie respektlos oder richtig böse: selbst der bettlägerigen Oma tut der gefährliche Ausflug ins Grüne letztendlich richtig gut. Und erst so gewinnt ihr Tod an Ernsthaftigkeit und Schwere.
Dennoch schwebt über dem ganzen Geschehen immer ein Hauch von Fernsehprovinzialität, ist das Drehbuch einen Tick zu ausgefeilt und populistisch. Vielleicht braucht es das aber auch, gewissermaßen um dem „deutschen Inhalt“ die „deutsche Form“ zu geben. „Wer früher stirbt, ist länger tot“ wirkt manchmal wie ein verfilmtes Wittgenstein-Zitat: „Der Glaube an den Kausalnexus ist der Aberglaube!“
(Thomas Schlömer)