Born to Fight
(Kerd ma lui)

Thailand, 96min
R:Panna Rittikrai
B:Panna Rittikrai, Morakat Kaewthanek, Thanapat Taweesuk
D:Dan Chupong,
Noppol Gomarachun,
Sunthisook Promsiri,
Kessarin Ektawatkul,
Peeyapong Piew-Orn
L:IMDb
„Hurensohn! Schwein! Massenmörder!”
Inhalt
Spezialpolizist Deaw gelingt es bei einem groß angelegten Drogeneinsatz, den Drogenbaron General Yang gefangen zu nehmen, muss aber auch mitansehen, wie sein großes Vorbild bei dem Einsatz getötet wird. Desillusioniert zieht Deaw sich zurück und schließt sich seiner Schwester und einer Gruppe von Elitesportlern an, die zu einem großen Wohltätigkeitsfest an der Grenze zu Burma reisen. Die ländliche Idylle lässt Deaw wieder aufblühen – bis die Guerillatruppe des ruchlosen Lor Fai im Dorf einfällt und droht, alle Einwohner zu töten, wenn General Yang nicht wieder freigelassen wird. Deaw und den Sportlern ist klar: Sie müssen handeln, wenn nicht tausende von Unschuldigen sterben sollen. Ein heroischer Kampf beginnt.
Kurzkommentar
Im Zuge der erfolgreichen Starts der thailändischen Actionproduktionen „Ong-bak“ und „Tom yum goong“ kommt nun schließlich ein älterer Vertreter des Thaifilms zu deutschen Kinostart-Ehren: Regieroutinier Panna Rittikrai erzählt eine hanebüchene Geschichte, welche lediglich als Vorwand für eine wilde Aneinanderreihung von optisch spektakulären Stunts dient.
Kritik
„Kerd mal lui“, wie „Born to fight“ im Original heißt, hält vermutlich den Rekord in Sachen Showdown. Von seinen 96 Filmminuten werden etwa 40 der äußerst brachialen Auseinandersetzung von Mensch gegen Mensch und Menschen gegen Maschine gewidmet. Dabei scheint Rittikrai, welcher bereits zahlreiche, außerhalb Thailands unbekannte, Actiontitel fabrizierte, geradezu verschwenderisch mit seinen Humanressourcen umzugehen: Im Abspann kann der Zuseher „wunderbar“ mitverfolgen, dass am Set die Sanitäter im Dauereinsatz waren. Und anders als im mittlerweile klassischen Pannen-Chackie-Chan-Abspann, stehen die Thai-Stuntleute nicht immer sofort wieder auf. Wie Flipperkugeln fallen diese von LKWs oder Dächern und bleiben dabei stets mit diversen Körpergliedern an irgendeinem Objekt hängen. Das wirkt auf den Zuseher, schmerzhaft zieht dieser sich beim Hinsehen immer wieder zusammen.

„Born to fight“ ist ein Remake eines Filmes aus den 1980er-Jahren und irgendwie hat man es – nicht folgenfrei – geschafft, den Streifen wieder auf 1980er zu trimmen. Vermutlich entsteht dieser Eindruck, weil er so sehr an die zahlreichen amerikanischen Videothekenreleases aus dieser Zeit erinnert. Als Beispiele seien hier nur die Keyboard-Score, das naive Spiel oder die sinnfreie Dialogregie genannt.

Fast könnte man über all der famosen Akrobatik und Schmerzresistenz jedoch vergessen, was eigentlich sonst noch auf der Leinwand passiert, denn dies ist für den Kulturwissenschaftler gar nicht ohne. Das ist zum einen der angedeutete Konflikt zwischen Land und Stadt, der auch später wieder in „Ong-bak“ (Drehbuch: Panna Rittikrai) aufgegriffen wird. Die jungen urbanen Reisenden sind zunächst verwirrt, als sie in das dörfliche, traditionelle Leben eingeführt werden. Doch unter der gemeinsamen Bedrohung verstehen sie, dass nur in der Kombination Tradition plus Moderne etwas auszurichten ist. Es ist jedoch nicht nur die Gefahr, die Stadt und Land eint, und die diese zusammen in den Kampf ziehen lässt; es ist viel mehr eine Rückbesinnung auf nationale Werte. Thailänder, so will man dem Zuseher klar machen, sind „born to fight“, entsprechend oft und ausgiebig werden die Insignien der thailändischen Zivilreligion wie Flagge und Abbildung von Staatsgründern gezeigt Über die externe Gefahr ist auch noch zu sprechen, es ist nämlich nicht völlig klar, mit welcher Sorte Gangstern es wir hier zu tun haben – portraitiert wird eine Art Mischung aus Drogen- bzw. Waffenhändlern und Terroristen. Religionslose kommunistische Guerilla, die die thailändische Hauptstadt, welche als Hort der friedlichen Koexistenz von Weltreligionen bildlich abgefeiert wird, mittels Atomschlag vernichten wollen (übrigens der einzige Einsatz von CGI-Bildern), ist da nur eine Lesart von vielen, welche von der Tatsache gestützt würde, dass es in der 1980er-Jahren tatsächlich im Süden Thailands zahlreiche kommunistische Aufstände gab, man sich aber gleichzeitig aus dem Osten einer Gefahr durch die vietnamesischen Streitkräfte ausgesetzt sah.

In der Erinnerung des Zusehers wird allerdings all dies nur eine untergeordnete Rolle spielen: Der mit der Einstufung FSK-18 bedachte „Born to fight“ ist ein weiterer Vertreter des jüngsten Thai-Action-Booms. Keinesfalls kann aber, wie es unverständlicherweise in einigen Besprechungen zu lesen ist, diese Generation von Filmen das legendäre Hongkong-Erbe übernehmen.

Elektrisierend kinetisches Budenzauberkino mit tumben nationalistischen Tönen


Rudolf Inderst