Sentinel, The - Wem kannst du trauen?
(Sentinel, The)

USA, 108min
R:Clark Johnson
B:George Nolfi, Gerald Petievich
D:Michael Douglas,
Kiefer Sutherland,
Kim Basinger,
Eva Longoria,
David Rasche
L:IMDb
„They think you are a traitor. They're going to kill you.”
Inhalt
Pete Garrison (Michael Douglas) ist eine Legende im Secret Service. Vor über 20 Jahren warf er sich in die Kugeln eines Attentäters und rettete so dem Präsidenten das Leben. In seinem Job ist Instinkt oft alles. Als jedoch ein Mordkomplott gegen den Präsidenten auffliegt, bekommt Garrisons ehemaliger Schützling David Breckinridge (Kiefer Sutherland) den Fall zugewiesen. Breckinridge und seine junge Partnerin Jill Marin (Eva Longoria) verlassen sich ganz auf die Fakten – und die führen erstaunlicherweise direkt zu Garrison! Der ist empört, scheint aber tatsächlich ein großes Geheimnis zu hüten. Als er nach seiner Vernehmung untertaucht, eröffnet Breckinridge die Jagd auf seinen alten Lehrmeister.
Kurzkommentar
Clark Johnson liefert mit „The Sentinel“ nach „SWAT“ einen weiteren Patzer ab. Die Handlung ist diffus, die Charaktere wenig ausgearbeitet und „style over substance“ kann man dem Film, der für den „Golden Trailer Award 2006“ nominiert war, auch nicht zu Gute halten. Alle, die sich „24“ auf großer Leinwand erträumten, werden im Kino ein bitteres Erwachen erleben.
Kritik
„Der gute Michael Douglas, auch der Produzent des Films, hat bei der Auswahl des Stoffes keine glückliche Hand bewiesen. Bei der Auswahl des Regisseurs allerdings hat er in die Scheiße gefasst.“ Diesen harschen Worten des Filmbesprechenden Hasko Baumann (www.dasmanifest.com) möchte man sich zwar ungern so polemisch anschließen, aber leugnen kann man einen gewissen Erfassungsvorgang an dieser Stelle nicht.

Es gibt da eine Stelle im Film, an der Michael Douglas Sutherland auf die Schulter klopft und diesen durch die Tür einen Gang entlang begleitet. Beide lächeln wissend, wie es erfahrene Ermittler, die schon vieles in ihrem Leben gesehen haben, eben so tun (im Film). Es ist genau an dieser Stelle, an der ich mir als Zuseher wünschte, dass, wie im Comic, Denkblasen über der eingefrorenen Stelle erscheinen: Dort würde gut lesbar stehen: „Ist schon gut. Verzweifle nicht. Wir haben doch schon Schlimmeres erlebt.“ Und: „Ja, eigentlich hast Du recht. Lass uns mal hier diesen Käse noch eben fertig machen, und dann gehen wir ein Bierchen zischen. Okay?“ Ja, so könnte das gewesen sein.

„The Sentinel“ funktioniert schlichtweg nicht. Vieles möchte er implementieren, vieles möchte er zitieren, so in etwa „In the Line of Fire“, „Nick of Time“ oder „The Fugitive“, aber Johnsons Film, der zu gleichen Teilen in Washington und Ontario entstand, fehlt es an dramatischen Momenten, um so etwas wie Spannung zu erzeugen. Auch die Führung des großen Schauspieler-Staraufgebotes ist reichlich misslungen. Wenigstens ist klar, dass Männer in diesem Film die Entscheidungen treffen, und seien sie auch noch so albern (Der US-Präsident muss sterben, weil, nun ja, weil er eben der verdammte US-Präsident ist. Deswegen. Period.) oder unplausibel (Der US-Präsident setzt sich vehement für die Unterzeichung des Kyoto-Protokolls ein und fordert als Zugabe, dass Afrika endlich eine einheitliche Wirtschaftspolitik zusammen bringt, auf dass das ewige Leid aufhöre. Reality check, anyone, please!)

Der Präsident spricht sowie nur von Außenpolitik, er atmet gerade zu Weltklima. Frauen spielen entweder wenig erfahrene Rookies (Eva Longorias establishing shot verweist auf ihren Hintern) oder leiden still und stumm in größter Passivität vor sich hin (siehe First Lady Basinger). Die bösen Finger sind als solche sofort zu erkennen und stammen aus Phantastistan, irgendwo im Osten. Früher waren sie alle KGB, nun sind sie post-KGB, neo-gefährlich. So zumindest erklärt einer der Drahtzieher – Regisseur Clark Johnson war sich übrigens ganz un-egomanisch nicht zu schade, diesen Part selbst zu spielen – dem amerikanischen Maulwurf Geopolitik. Das Attentat selbst nimmt dann irgendwann in Kanada seinen Lauf – ein verfluchter liberaler Alptraum. Die G8-Demonstranten merken einfach nicht, wie sie vor den Karren der amerikanischen Staatsfeinde gespannt werden.

„The Sentinel“, der am Startwochenende in den USA 14 Millionen Dollar einspielte, ist durchzogen von militaristischen und elitären Denktraditionen, und macht sich nicht die Mühe, das portraitierte Pathos der amerikanischen Sicherheitsarchitektur zu dekonstruieren. Nicht einmal eine kritische Hinterfragung findet statt, da selbst der Maulwurf sich zu rechten Zeit besinnt und den Präsidenten schützen möchte. Dennoch muss er für seine Schuld im Kugelhagel büssen - recht so! Da ist es nur konsequent, dass Michael Douglas, den Arm des Maulwurf-Kollegen, als dieser am Boden blutend nach Douglas´ Bein greift, um Hilfe zu bekommen, zornig wegtritt. Traitor und Treason. Tod und Teufel.

Schauerhaftes Schauspieler-Schaulaufen und ein schaumschlagender Regisseur ergeben 108 Minuten herbe Enttäuschung. Zurück zur „24“-er DVD-Box


Rudolf Inderst