Space Cowboys

USA, 130min
R:Clint Eastwood
B:Ken Kaufman, Howard Klausner
D:Clint Eastwood,
Tommy Lee Jones,
Donald Sutherland,
James Garner
L:IMDb
„Space will never be the same.”
Inhalt
1958 standen die besten Testpiloten der Air Force bereit, um als Team "Daedalus" für Gott und Vaterland ins All zu starten, doch die NASA hatte andere Pläne. Vier Jahrzente später erreicht die NASA ein Notruf der Russen: der russische Satellit Ikon ist ausgefallen und droht, die gesamte Kommunikation des Landes lahm zu legen. Der NASA-Bürokrat Bob Gerson (James Cromwell, "L.A. Confidential") ist gewillt zu helfen, steht aber vor dem Problem, daß das Leitsystem der Ikon nur den frühesten amerikanischen Satelliten ähnelt. Es gibt nur noch einen lebenden Menschen, der sich damit auskennt: Konstrukteur Frank Corvin (Clint Eastwood), inzwischen längst im Ruhestand, muß sein Team "Daedalus" (James Garner, Tommy Lee Jones, Donald Sutherland) erneut zusammenrufen und hat die Möglichkeit, sich den Traum von der Reise ins All doch noch zu verwirklichen.
Kurzkommentar
"Space Cowboys" ist unspektakuläres und gewöhnliches Hollywoodkino, das diesen Rahmen allerdings nahezu perfekt ausreizt. Die Story ist solide, die Weltraummission etwas holprig, aber spannend und glaubwürdig inszeniert und das Zusammenspiel der vier bewährten Haudegen einzigartig und herrlich amüsant. "Armageddon" auf hohem Niveau.
Kritik
Clint Eastwood - nicht erst seit dem dritten Teil von "Zurück in die Zukunft" verbindet man diesen Namen eher mit rauen Western und Marlboro-Ambiente als mit zwinkernden Komödien. Er war in seinen Rollen schon immer entweder der gebrochen-zermürbte oder der ruppig-gewissenlose Held. In seinen 54 Filmen spielte er satte 46 Hauptrollen - jedesmal, wenn er die Leinwand betrat, zog er alle Aufmerksamkeit auf sich. Und wie manche seiner Hollywood- Kollegen (z.B. Sean Connery), scheint er im Alter immer besser zu werden. Zumindest charismatisch, denn sein vierfacher Oskar-Sieger "Erbarmungslos" liegt immerhin schon acht Jahre zurück. In den Filmen danach waren seine Charaktere oftmals der einzige Lichtblick: "Perfect World", "Absolute Power", "True Crime".

Nun versucht er sich also an einer Komödie - oder doch nicht ? Genaugenommen läßt sich "Space Cowboys" nämlich recht komfortabel in zwei Hälften unterteilen: die erste stellt den komödiantischen Teil um seine Seniorentruppe dar, die zweite die eigentliche Weltraummission. Und über beide läßt sich gleichermaßen sagen, daß sie wirklich gelungen sind. Gerade die Rekrutierung der alten Truppe, die darauffolgende Ausbildung und der Kampf mit den kleinen Einschränkungen des Alters (Sehschwäche, Rückenprobleme, Kreislaufschwierigkeiten) sind köstlich inszeniert und ziehen sich wohldosiert durch die erste Stunde. Donald Sutherland hat da sicherlich den sympathischsten Part abbekommen: er ist der dynamische Frauenheld, der vom anderen Geschlecht nie genug bekommen kann, sich seinen Unterhalt mit dem Design von Achterbahnen verdient, dickere Brillengläser als ein Hochsicherheits-Museumsstück braucht und keine Probleme mit seiner Potenz hat. Wie allen anderen hatte er sichtlich Spaß an seiner Rolle und erfüllt sie mit Bravour. Und bei solch einer guten Chemie zwischen den Hauptakteuren stört es auch nicht, daß jeder Charakter leicht einzuordnen ist. Eastwood und Tommy Lee Jones stellen die beiden Streitsüchtigen, aber kompetenten Draufgänger dar, James Cromwell den schmierigen Boss und Marcia Gay Harden die leicht-naive Einsatzleiterin Sara. Lediglich James Garner wirkt etwas abwesend und ist nur bedingt im Rampenlicht.

Richtig große Kritikpunkte weisen die "Space Cowboys" allerdings nicht auf, lediglich eine kleine Macke hier und da. Der Russe ist klischeebehaftet kauzig und etwas dümmlich, die entstehende Liebesbeziehung obligatorisch, die Streitereien vorhersehbar und das Mitschicken zweier zusätzlicher Astronauten allzu stereotypisch. Glücklicherweise versteht es Eastwood, solch bekannten Elementen nie zuviel Gewichtung zu verleihen und entzieht sich auch pathetischer Abschiedsszenen. Mir persönlich ging seine fast rigorose Ablehnung emotionaler Momente sogar etwas zu weit. [Spoiler] Als Tommy Lee Jones sich im All dazu entschließt, sich für die Mission zu opfern, ist mir die Erzählweise doch etwas holprig geraten, da schon nach wenigen Sätzen die direkte Ausführung der hastig geplanten Notlösung erfolgt. [Spoilerende]

Ob nun die vier alten Herren ohne weiteres die körperlichen Tests bestanden hätten, darf bezweifelt werden. Macht aber nichts, denn Eastwood's Intention liegt ganz klar im "Was wäre, wenn"-Spaßszenario. Man nehme die Vorraussetzung, daß vier altgediegene Air Force-Piloten eine wichtige Weltraummission erfüllen müssen, einfach hin und habe seinen Spaß - mehr will "Space Cowboys" nicht erreichen, mehr erwartet man nicht und mehr bekommt man auch nicht.
Erstaunlicherweise bleiben dabei die Weltraumszenen sehr glaubwürdig und nachvollziehbar und stellen keinen Vergleich zu Heldenaktionen Marke "Sehr wahrscheinlich!" aus z.B. "Armageddon" dar. Die eigentlich Auflösung um den Satelliten ist zwar ebenso wie die Musik von Lennie Niehaus etwas dick aufgetragen, bleibt aber allemal im erträglichen Rahmen und stört die dezente Spannung nicht. Und wenn es am Ende droht, etwas kitschig zu werden, beweist Eastwood mit einer schönen Schlußsequenz, daß er sowohl als charismatischer Darsteller, als auch als Regisseur seine Talente hat.

Witzig und spannend - ein Musterbeispiel alter Hollywoodschule


Thomas Schlömer