Mein Hund Skip
(My Dog Skip)

USA, 95min
R:Jay Russell
B:Gail Gilchriest, Willie Morris
D:Franky Muniz,
Diane Lane,
Kevin Bacon,
Mark Beech
L:IMDb
„Und zuweilen schien es, als sei er ein Geschöpf so alt wie die Zeit selbst”
Inhalt
Yazoo/Mississippi 1942. Selbst in diesem verschlafenen Nest hinterlässt der Zweite Weltkrieg seine Spuren. Als Nachbar Dink Jenkins (Luke Wilson) Uncle Sams Uniform anziehen muss, hat der schüchterne, achtjährige Willie (Frankie Muniz) niemanden mehr, dem er sich anvertrauen mag. Sein kriegsversehrter und gestrenger Vater Jack (Kevin Bacon) versucht, ihn von allem Übel abzuschirmen. Erst Mutter Ellen (Diane Lane) begreift, dass Willie seine Freiheit braucht - und einen Freund. An seinem neunten Geburtstag geht daher für Willie ein Herzenswunsch in Erfüllung: Er bekommt einen kleinen Terrier geschenkt, den er Skip nennt. Und Skip stellt sein Leben auf den Kopf.
Kurzkommentar
Regisseur Jay Russell legt in "Mein Hund Skip" mit der Verfilmung des gleichnamigen Buches eine angenehm altmodische Tierparabel vor, die frei von Überraschungen und voll von schön formulierter Jugendnostalgie, konservativer Moral und Hundeverklärung ist. Dank eines guten Ensembles und handwerklicher Sicherheit ein gehobener Kinderfilm mit einem Hauch kitschiger, aber rührender Poesie.
Kritik
Die gewachsene Phrase vom Hund als "besten Freund des Menschen" bringt den Mythos der Mensch-Hund-Kommunikation auf den Punkt; ein Phänomen, über das in Ländern, in denen Hunde und Katzenfleisch als Delikatesse gilt, nur ungläubiges Kopfschütteln möglich ist. So mag es über Jahrhunderte hinweg allein eine europäische Entwicklung gewesen sein, am Hund noch viel mehr als an der Katze (diese galten allerdings schon im alten Ägypten als heilig) nicht nur Sozialfähigkeit zu entdecken und schätzen zu lernen, sondern den Wegbegleiter regelrecht zu anthropomorphisieren, also menschliche Eigenschaften auf ihn zu übertragen. Und während sich die Wissenschaft über Intelligenz und kommunikative Interaktionsfähigkeit der (domestizierten) Vierbeiner uneins war, machte der Mythos vom klugen Hund sich selbstständig, um unser Denken zu formen und in "Lassie" in die Welt zu setzen.
Von diesem terrorhaften Stereotyp aus war es bis zur Überzeugung, die Hund-Mensch-Kommunikation funktioniere auf irgendeiner intuitiven Metaebene nicht mehr weit. In der Erfahrung eignen sich Hunde, am liebsten mit dem Prädikat "Treue" versehen, dann bestens als Freunde, weil sie eben kein Widerwort geben - und was beschwört man lieber als die erbauenden Grundpfeiler Liebe, Familie und eben Freundschaft?. Letztere ist gerade zwischen jungen Kindern und Tieren besonders eng und erinnerungsbildend.

So auch beim Bestsellerautor Willie Morris, der im titelgebenden Buch die Erinnerungen an seinen Hund Skip zu denen "des Herzens" stilisiert. Da der Freundschafts- und Treuekult um "Lassie" nun Pokémons und anderen Monstern das Feld des Einflusses überließ, wird es Zeit für eine biedere Leinwandreaktivierung. Für Regisseur Jay Russell ist die Traditionskost erst sein zweiter Streifen, für den gar nicht tief genug ins Klischeerepertorie gelangt werden kann. Das erstaunt insofern, als die Geschichte in Grundzügen eine autobiographische und damit "wahre" zu sein scheint. Die typisierenden, leicht märchenhaften Hauptbestandteile sind also schnell skizziert: Ein aufgrund seiner Sensibilität von Gleichaltrigen gemiedener Junge findet dank des Hundes den Weg zu sich selbst, durch seine Kindheit und schließlich zu den Anderen. Nebenher wird noch dem Abbau von Rassendiskriminierung und Militarismus Genüge getan, so dass der moralisch-didaktische Antrieb ziemlich deftig serviert wird.

Doch eine Pädagogik woltuend alter Machart muss nicht zwangsläufig auf den Hund gekommen sein, denn "Mein Hund Skip" erfüllt sein Soll altmodischer Wertevermittlung für Kinder sehr solide und sogar mit Niveau. Da ist es nebensächlich, dass der Plot frei von Wendungen und auch alles andere, so auch die Figuren, holzschnittartig daherkommt. Dass Russells Jungend- und Hundeverklärung funktioniert, liegt an der bis ins Kleinste stimmigen und liebevollen handwerklichen Umsetzung. Angefangen bei der Musik über die das Zeitkolorit einfangende Kamera bis hin zu den durchweg sehr guten Darstellern. Zwar sind Diane Lane und Kevin Bacon als besorgtes Ehepaar marginalisiert und unterfordert, aber schon ihr Mitwirken verschafft "Mein Hund Skip" eine deutliche Aufwertung. Auch Frankie Muniz in der Hauptrolle schlägt sich im Rahmen des Geforderten wacker.

Vor allem jedoch sticht positiv hervor, dass die aus der rückblickenden Erzählerperspektive eingestreuten Sentenzen den propagierten Wertekanon ausdruckskräftig einrahmen, worin sich die Literaturvorlage bemerkbar macht. Somit ist Jay Russells Tierparabel für die anvisierte Zielgruppe als durchaus wertvoll zu betrachten, jedoch zu vermeiden, wenn im jungen Nachwuchs noch kein Wunsch auf einen intelligiblen Vierbeinerfreund reifen soll.

Biedere, aber wirkungsvoll arrangierte Fabel um den Hundemythos


Flemming Schock