Austin Powers 3 - Goldständer
(Austin Powers 3 - Goldmember)

USA 2002, 94min
R:Jay Roach
B:Mike Myers, Michael McCullers
D:Mike Myers,
Beyoncé Knowles,
Michael Caine,
Seth Green
L:IMDb
„This causes me serious psychological pain”
Inhalt
Der denkwürdigste Tag im Leben von Austin Powers (Mike Myers): Die Queen schlägt ihn zum Ritter! Austin ist stolz und überglücklich darüber, dass sein Vater Nigel Powers (Michael Caine), den Austin seit seiner Kindheit vergöttert, an der Zeremonie teilnimmt. Doch ach: Als Austin sich umdreht, um den ursprünglichen Spion in geheimer Missionarsstellung und berühmtesten britischen Geheimagenten der Queen und den Ehrengästen vorzustellen, ist Nigel gar nicht anwesend. Austin ist am Boden zerstört. Wieder einmal hat ihn sein großes Vorbild im Stich gelassen. Doch dann berichtet Austins Chef Basil Exposition (Michael York), dass Nigel von einem genialen Verbrecher gekidnappt worden ist… na ja, genial kann man ihn kaum nennen, aber ein abgefeimter Superschurke ist er trotzdem: Goldständer (Mike Myers).
Kurzkommentar
Der bonbonfarbene Hornbrillenswinger erprobt Geschmacktabus zum dritten Mal. Abseits brilliant schlechter Konstümeinfälle geht "Austin Powers" aber zunehmend die Luft aus. Durchgeknallte Klotschenträger sind eben nur bedingt witzig und der Konservenslapstick zeigt sich meist einfallslos und gegen Ende nervig. Mühselig rettet sich der noch immer sympathische Agentenschwachsinn durch ehrlichen Trash und schrilles Ambiente.
Kritik
Die Parodie überholt das Original, zumindest an der Kasse. So dürfte es dem nächsten, im November startenden Bond-Streifen vielleicht schwer fallen, den Libido-Agenten Powers am Boxoffice zu schlagen. Mit sicher kalkulierter Gesetzmäßigkeit schaufelte auch der dritte Teil enorme Kassensummen. Und Mike Myers reibt sich derweil die Hände, weil ihn allein diese Rolle mit zweistelligen Millionengagen in den absoluten Verdienerolymp hob. Wer die Geschmackstortur Powers und was eigentlich Mojo ist, kann im dritten Versuch unkommentiert bleiben. Fast jeder dürfte wenigstens ausschnittsweise einen der beiden ersten Teile gesehen haben. Wenn nicht, reicht dann getrost auch ein einziger Powers, im Grunde gleich welcher. Von idiotischen Klamotten einen übergreifende Sinnverknüpfung zu erwarten, wäre auch vermessen.

War es 1997 noch halbwegs originell, eine Art Ikone des schlechten Geschmacks auf das Publikum loszulassen, so gerät die dritte Tour de Farce doch zusehends in den Leerlauf. Weder Strickmuster noch Gagniveau sind variiert, dezenter Fäkal- und Vulgärhumor also noch immer tonangebend. Auf welche Regionen der Witz zielt, macht auch gerade die deutsche Version des Untertitels deutlich, wo nach dem "Spion in geheimer Missionarsstellung" nun "Goldständer" einem reiferen Publikum bei der Entscheidung für den richtigen Film hilft. Wer den Untertitel nicht als anzüglich, sondern als einladend interpretiert, sollte neben anderen Erwartungen natürlich auch die einer Handlung vorher begraben. Mehr als andere lebt die Agenten-Posse von situativen Gags aus der Konserve und derben Slapstick.

Dass Dr. Evil wieder die Weltherrschaft anstrebt und Zwergenwuchs für unzähliche Schenkelklopfer herhalten darf, ist so elementar wie Einsicht, dass der schwachsinnige Plot um goldene Holländer reines Beiwerk ist. Und da mehr vom Selben die Devise der Fortsetzungen ist, verkörpert Myers den perversen Klotschenträger als vierte Figur (neben Dr. Evil und Fat Bastard) natürlich gleich selbst. Hätten wir es nun mit einem großartigen Komiker zu tun, gäbe dieses Rollenspiel auch Anlass für ein großartiges Ausdrucksspektrum. Bis auf die zuweilen herrlich hässliche Maskenarbeit wirkt Myers in seinen vier Gesichtern aber eher einfallslos. Lieber zelebriert er die mittlerweile massige Popularität seiner Figur, wenn in der überstrapazierten Eingangssequenz die oberste Hollywoodprominenz und selbst Britney Spears mit ballernden Brüsten Referenz erweist.

Da eine weibliche Rolle im Powers-Ambiente kaum fordernd ist, darf Sängerin Beyonce Knowles als Foxi Cleopatra dilettierend Debüt geben. Der Name ist dabei aber auch das Gelungendste, denn bis auf Afro-Frisur, sexy Outfit und einige angestrengt coole Sprüche bleibt ihre Figur im Vergleich zu der Heather Grahams aus Teil zwei ziemlich verzichtbar. Ähnliches gilt auch für die Playboyvaterrolle von Michael Caine und mehr und mehr auch für Powers selbst. Debile Genieleistungen von der Qualität einer "Nackten Kanone" waren auch die ersten beiden Filme nicht, dafür war die Gagdichte pro Minute zu gering und der Brüllfaktor zu niedrig. Schon die erste Fortsetzung, obgleich kaum schlechter als das Original, signalisierte Sättigung. Gewagter Geschmack muss gut dosiert sein.

Und auch wenn der farbige Blödsinn von Austin Powers noch im dritten Teil sympatisch anders bleibt, sind etliche Gags des schlechten Geschmacks flach, zündungsschwach und im Schnitt auf dem nervigen Niveau jeder beliebigen deutschen TV-Comedy. Gegen Ende ist man Powers bald müde und wünscht, dass es bei einer Trilogie bliebe. Dass Myers nun allerdings auf Lebzeiten den brustbehaarten Swingerhelden mimt, ist angesichts des anhaltenden Erfolges zu befürchten. Teil vier ist mit der Endszene dann auch vorbereitet und dürfte bald mit vergleichbarer Routine erledigt sein. Trotz allem bleibt "Goldständer" nicht nur für Anhänger der Modeverbrechen vergangener Jahrzehnte noch immer ein solides Stück entspannten Blödsinns.


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Flemming Schock