Hotel

Österreich / Deutschland, 83min
R:Jessica Hausner
B:Jessica Hausner
D:Franziska Weisz,
Birgit Minichmayr,
Marlene Streeruwitz,
Rosa Waissnix,
Christopher Schärf
L:IMDb
„Vergessen Sie nicht den Keller!”
Inhalt
Abseits von der Großstadt liegt das Hotel in einer Oase der Einsamkeit, tief verborgen im finsteren Wald. Bewahrt vor jeglicher Zivilisation findet man hier die magische Atmosphäre einer so fantastischen wie rätselhaften Ruhe. Als Irene im Waldhotel ihre neue Stelle als Rezeptionistin antritt, ist auch sie fasziniert von der Abgeschiedenheit. Doch bald stellt sie fest, daß ihre Vorgängerin auf mysteriöse Weise verschwunden ist, und Irene beginnt, der großen Stille zu misstrauen. Die labyrinthischen Hotelflure und verwaisten Passagen führen ins Nichts, die verschwiegene Belegschaft scheint ebenso feindselig wie desinteressiert. Schleichend verwebt sich ihr eigenes Schicksal mit dem ihrer Vorgängerin, und Irene folgt den Fährten, die sie immer tiefer in den Wald führen. Bald sieht sie sich von einer geheimnisvollen Gefahr bedroht, der sie verzweifelt zu entrinnen versucht.
Kurzkommentar
Die österreichische Regisseurin Jessica Hausner liefert mit „Hotel“ einen optisch interessanten Beitrag, welcher allerdings inhaltlich seltsam unausgefüllt bleibt und somit als visuelle Stagnation zu betiteln wäre.
Kritik
Erfüllt „Hotel“ das Klischee vom Festivalfilm? Egal, ob als Beitrag in Cannes, Stockholm oder bei der Grazer Diagonale, der Film von Jessica Hausner wurde mit zahlreichen Preisen bedacht, ist allerdings dem schwerwiegenden Verdacht ausgesetzt, sich zu klassischem Kassengift zu entwickeln. In zahlreichen Besprechungen ist von verschenktem Potential zu lesen, und es fällt alles andere als leicht, sich diesem Fazit nicht anzuschließen: Ein isoliertes Hotel, umgeben von einem finsteren Wald, eine Belegschaft, die entweder hostil oder indifferent gegenüber der „Neuen“ bleibt und das rätselhafte Verschwinden der Vorgängerin hätten in Kombination eine ideale Ausgangsposition ergeben, um die Spannungsschraube unerbittlich anzuziehen.

Doch anscheinend wollte das Jessica Hausner nicht. Darauf angesprochen, erwähnt sie die Märchen der Gebrüder Grimm als Inspiration: Tatsächlich wurde „Hotel“ noch einmal nach der Vorführung in Cannes umgeschnitten, um noch weniger auf (Film-)geheimnisse und bohrende Fragen der Zuseher einzugehen. Optisch ist „Hotel“ über jeden Zweifel erhaben. Kameramann Martin Gschlacht und Designerin Katharina Woppermann geben dem 74 Minüter einen extrem fesselnden Look – besonders das Verschwinden der Hauptfigur, welche von der jungen Franziska Weisz außergewöhnlich gut verkörpert wird, im Dunkeln des Waldes oder der Hotelflure ist grandios umgesetzt.

In Kombination mit überlangen Einstellungen und Nahaufnahmen ergibt sich eine interessante Wirkung. Die Visionen und Träume, welche die Protagonistin erleidet, sind zudem durchaus als Referenzen an David Lynch zu interpretieren. Somit bleibt es sehr ärgerlich, dass man sich zu keiner konsequenten Geschichte aufraffen oder durchringen konnte, welche diesen zweifellos optisch hochkarätigen Film zu einem ernsthaften Genrefilm – jenseits der beantragten FSK 12-Zertifizierung - funktionalisieren hätte können.

Kühler Heimatfilm, der zwischen Sozialmilieustudie und Thriller stecken bleibt.


Rudolf Inderst