Maybe Baby

England, 104min
R:Ben Elton
B:Ben Elton
D:Hugh Laurie,
Joely Richardson,
Tom Hollander,
Rowan Atkinson
L:IMDb
„Sie hatten einen Koitus bestellt?”
Inhalt
Sam und Lucy wünschen sich ein Kind - doch trotz zahlreicher Versuche will und will es einfach nicht klappen. Zugleich hat Sam Probleme im Job - er ist, als Drehbuchautor, von ein Schreibblockade gehemmt. Schließlich kommt er auf die Idee, die zahlreichen Varianten der beiden, zu einem Kind zu kommen, als Grundlage für seine Komödie zu nehmen. Seinen Bossen gefällt das Skript, und es wird mit der Verfilmung begonnen...doch Lucy weiss von alledem nichts.
Kurzkommentar
Englische Komödien haben ihren guten Ruf nicht umsonst - "Maybe Baby" lässt wieder einmal deutsche Pendants mit bissigem, treffendem, aber dennoch nicht geschmacklosenm Humor weit hinter sich, auch wenn er an britische Klassiker vielleicht nicht ganz heranreicht. Doch für einen überaus amüsanten Kinoabend reicht es allemal.
Kritik
Kein schlechtes Erfolgsrezept: Man nehme einen Autor, der bereits ein geniales Drehbuch vorgelegt hat ("Popcorn"), lasse ihn die Regie übernehmen, stelle ihm eine erfahrene Crew zur Seite, die Schauspieler nehme man aus dem erprobten BBC-Comedy-Ensemble, und um die nötige Aufmerksamkeit zu erreichen, gebe man dem auch jenseits der Insel bekannten "Star" Rowan Atkinson eine feine Nebenrolle. Da kann ja eigentlich nichts mehr schief gehen. Tut es auch nicht wirklich.

Und noch eine gute Idee: Als Grundlage dient es Roman, der mit einer erfrischenden Grundidee und einer zu Ende durchgedachten Handlung aufwarten kann. Keine aus Fernsehshows entlehnten, mühsam anneinandergereihten und durch eine weniger als halbgare Rahmengeschichte zusammengehaltenen Gags, sonderne eine im wahrsten Sinne des Wortes spritzige Ausgangsidee, die genug Stoff für eineinhalb Stunden bietet. Das Erstaunliche: Obwohl nahezu alle Gags irgendwie mit dem Thema Sex zu tun haben, begibt sich Elton nie auf die niveaulose Ebene, die man mit Sicherheit in einem entsprechenden amerikanischen Film erwarten dürfte. Der eine oder andere Gag ist grenzwertig - aber dann auch immer ziemlich gut. Auf Peinlichkeiten und Unapetittliches verzichtet "Maybe Baby" so gut wie vollständig.

Sicher, wie in fast jeder Komödie gibt es auch Gags, die nicht so richtig zünden. Und insgesamt ist der Film etwas zu lange, die Geschichte wird ein kleines bisschen zu breit ausgetreten. Aufgewogen wird das aber durch das wunderbar harmonierende Ensemble. Kein Wunder, immerhin kennen sich Hauptdarsteller Hugh Laurie, Regisseur und Autor Ben Elton und Rowan Atkinson noch aus "Black Adder"- und "Mr.Bean"-Zeiten - die Chemie stimmt also. Das tröstet dann auch fast darüber hinweg, dass "Maybe Baby" gegen Ende hin immer weniger Komödie und immer mehr ein handfestes Drama ist - auf dem Höhepunkt der Geschichte gibts eigentlich wenig zu lachen. Hier hätte Elton sicher besser daran getan, sich auf ein Genre zu konzentrieren, und die durchaus ernste Vertrauensbruch-Thematik in einem anderen Film zu verhandeln.

Und so sammeln sich dann doch ein paar Kleinigkeiten an, die "Maybe Baby" daran hindern, in noch höhere Wertungsränge aufzusteigen. Die zahlreichen wunderbar geschrieben und herausgespielten Gags, die herrlichen Charaktere (allen voran Tom Hollander als Ewan Proclaimer und Emma Thompson als Druscilla) und die stilsicher geschriebene Geschichte machen einen Kinobesuch aber dennoch lohnenswert.

Stilsichere, liebenswerte britische Beziehungsfarce


Wolfgang Huang