South Park

USA, 81min
R:Trey Parker
B:Trey Parker, Matt Stone
L:IMDb
„Sir, haben Sie schon mal etwas von der Sklavenbefreiung gehört? - Ich höre keinen Hip Hop.”
Inhalt
Die vier Grundschüler Kyle, Cartman, Kenny und Stan wollen sich unbedingt den ab 18 freigegebenen Film der kanadischen Komiker Terrance ∓mp; Phillip ansehen. Mit Tricks schleichen sie sich ins Kino und werden Zeuge einer einzigen Beleidigungstirade, die die beiden Komiker gegeneinander loslassen. Die Eltern der Kinder sind geschockt und gründen eine Gruppierung, die den Krieg gegen Kanada fordert. Den bekommen sie auch bald und die beiden Komiker sollen hingerichtet werden. Dies würde allerdings Satan ermöglichen wieder frei auf der Erde umherzuspazieren, die 4 Grundschüler müssen das also unbedingt verhindern.
Kurzkommentar
Ich hatte schlimmeres erwartet! Tatsächlich ist der Film gnadenlos vollgepackt mit derbsten Schimpfwörtern, auf den ersten Blick politisch völlig unkorrekt; die Story ist jenseits von gut und böse, ebenso wie die Animation. Aber er hat einen grossen Vorteil: Er ist witzig, zumindest stellenweise.
Kritik
Wie David schon erwähnte: Wir (die Deutschen) sind als Zielgruppe nicht so richtig geeignet. Während in Amerika Gewalt niemanden schockiert, nackte Haut aber die Zensur auf den Plan ruft, ist es bei uns eher andersrum. Was die Schimpfwörter angeht, die oft sexuell-fäkalisch angelegt sind: Schön sind sie nicht, schocken kann man damit hierzulande allerdings niemanden. Auch scheint der Trend zur völlig humorfreien Political Correctness in Deutschland längst nicht so stark ausgeprägt zu sein wie in Amerika, als Folge sind die Kompensationsleistungen nicht so heftig, sprich die Gegenreaktion nicht so krass.

Kult hin, Kult her, die Animation ist einfach scheisse, obwohl man sich mit der Zeit dran gewöhnt, und die Macher sowohl Selbstironie als auch -in kleineren Einsprengseln- ihre Möglichkeiten an den Tag legen. So bleibt einem nichts anderes, als sich mit der üblen Grafik anzufreunden, und sie unter 'besonderer Charme' abzulegen. Die Handlung dient eigentlich nur als Vorwand für die Aneinanderreihung von Gags, aber das ist bei den meisten Komödien so, also was solls. Was all diese und so manche weiteren Mängel zumindest zum Teil wettmacht: Der Film ist witzig, zumindest stellenweise. Sofern man durch Schmidt, Simpsons und MontyPhyton halbwegs vorkonditioniert ist, kann man oftmals wirklich über die Gags lachen, nach einer gewissen Zeit nerven allerdings die Versuche, noch unflätigere Schimpfworte zu finden, und auch der V-Chip ist irgendwann nicht mehr lustig.
Doch der Film hat auch seine ernsten Seiten: Zu tiefschürfend sollte man das ganze vielleicht nicht betrachten, aber dennoch spricht 'SouthPark' Themen an, die durchaus interessant sind: Rassissmus (Operation Menschlicher Schild), konservativ-reaktionäre Erziehung, zweifelhafte ochlokratische Selbstorganisation (MAC), ideologisch-fanatische Randgruppen (Juden), Klassen- und Bildungsunterschiede (Notendurchschnitt 1.0), Agression statt Nachdenken (Kanada-Krieg), Lobotomisierung (V-Chip), Vorurteile (Kanada), und noch manches mehr. Tatsächlich werden, bei genauerer Betrachtung, diese Eigenschaften/Probleme eher negativ dargestellt -und das ist eigentlich politisch ziemlich korrekt. Zumindest im Film beziehen sich die üblen Scherze und Diskriminierungen viel eher auf die scheinheilige Gesellschaftsfassade, die durch das Geschehen entlarvt wird. 'SouthPark' ist die klare Gegenbewegung zur politischen Korrektheit, beruft sich dabei aber teils selber auf eben diese.

Um den Film nun aber nicht zu über-idealisieren sei noch angemerkt, dass die Macher, sofern sie das (oder überhaupt irgendwas) ernst meinen, ein seltsames Bild von Meinungsfreiheit haben. Diskriminierungen und Beleidigungen sind keineswegs Bestandteil der persönlichen Meinungsfreiheit, die nach politisch korrektem Verständnis spätestens da endet, wo die Freiheit des anderen beginnt. Den Eindruck zu erwecken, durch die Befreiung der üblen Scherzemacher -sinnigerweise 'La Resistance' genannt- werde ein Dienst an der Menschheit (nämlich die Sicherung und Achtung der freien Meinungsäusserung) getan, ist doch eher zweifelhaft.

Die Zielgruppe ist somit klar: Erwachsene, die vor derbem, jedoch nicht dämlichem Humor nicht zurückschrecken. Für Kinder ist der Film natürlich völlig ungeeignet, vorallem, weil sie ihn nicht verstehen würden. Die wenig kindgerechten Äusserungen spielen da fast die Nebenrolle.

Zweifelhaft, nicht jugendfrei, stellenweise aber wirklich witzig


Wolfgang Huang