Sonnenallee

Deutschland, 101min
R:Leander Haußman
B:Thomas Brussig,Detlev Buck, Leander Haußman
D:Alexander Scheer,
Alexander Beyer,
Robert Stadlober,
Teresa Weißbach
L:IMDb
„Ich wollte immer Rockstar werden.”
Inhalt
Die Sonnenallee ist eine Straße, die durch den Mauerbau in der Mitte geteilt wurde. Micha, Marco und Myriam leben dort, in der DDR-Hälfte, und sie machen dort die üblichen Erfahrungen, die man so in seiner Jugend macht: Liebe, Sex, Drogen, Musik, Rebellion. Der Film erzählt ihre Geschichte, und die einiger anderer skurriler Personen, natürlich aus DDR-Perspektive.
Kritik
Obwohl 'der deutsche Film' anscheinend gerade ein paar wahre Perlen (Absolute Giganten, Nichts als die Wahrheit) hervorbringt, "Sonnenallee" gehört beileibe nicht dazu. Er hat alle Eigenschaften, die man leider inzwischen erwarten muss: Bodenlose Naivität, null Glaubwürdigkeit, Klischeehumor und Randgruppencharme.
Inzwischen habe ich mehrfach gelesen, dass der Film ehemalige DDR-Bürger ('Ossis') zu nostalgischen Gefühlsausbrüchen und verklärten Ausrufen wie "Ja, genau so war es damals!" hinreisst. Leider kann ich nur die Westperspektive bieten:

Nischenfilme sind toll, unverbrauchte Gesichter auch, ebenso wie unkonventionelle Storys und ein leicht skurriler oder absurder Tatsch. Aber dennoch, etwas mehr Rücksicht auf filmischen Gehalt hätte man nehmen können: Die Story ist leider nicht nur unverkrampft, sondern auch unbedeutend. Auf eine weitere bierernste Dokumentation können wir tatsächlich verzichten, aber "Sonnenallee" baut leider auch nicht auf fein beobachteten Details, lockeren Charakterstudien oder einem süffisanten Blick auf die damaligen Verhältnisse auf, sondern vielmehr auf Brachialhumor auf Kosten der Figuren und Szenerie. Zu Beginn zeigt der Film noch, mit leicht erhobenem Zeigefinger, West-Berliner, die sich, über die Mauer lugend, am Kuriosum 'Ossi' erfreuen. Doch im weiteren Verlauf nimmt der Film leider genau deren Perspektive ein, und führt uns die Bewohner der Sonnenallee wie Zirkustiere vor, mit all ihren kleinen Kunststückchen. Dieser seltsame Voyeurismus weckt dabei Unbehagen, denn immerhin lacht man ja nicht über sowas. Oder? Will uns der Film vielleicht sagen, wir sollen die Vergangenheit endlich locker sehen? Das wäre tatsächlich ein nennenswerter Verdienst, aber ich zweifle irgendwie daran.
Die Darsteller sind ganz nett, sehenswert ist aber nur Robert Stadlober. Vielleicht sollte man es dabei dem Regisseur als Bonus anrechnen, dass er nicht auf schöne Gesichter und stromlinienförmige Gestalten vertraut, obwohl der stolze Hinweis der Sonnenalle-Website, dass die Darsteller auch im normalen Leben zusammen in einer Rockband spielen, irgendwie sehr als Realsatire erscheint. Die Skurrilität und Unglaubwürdigkeit zu thematisieren ist nicht ganz ungefährlich, immerhin war es ja 'damals genauso', das ist man schnell auf dünnem Eis. Dennoch, dem durchschnittlichen Zuschauer ist das Geschilderte einfach zu platt. Vor allem das Ende, anscheinend die Vision des alternativen Mauerfalls, ist einfach unerträglich.

So bleibt ein Film, dem garantiert kein grosser Erfolg beschieden sein wird. Irgendwie fehlt einfach jenes Moment, das ihn sehenswert machen würde.

Unbedeutende, allzu skurrile Rückschau


Wolfgang Huang