O Brother, where art thou?

USA, 106min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Joel Coen
B:Homer,Ethan Coen
D:George Clooney,
John Turturro,
Tim Blake Nelson,
Charles Durning,
John Goodman
L:IMDb
„Und wir dachten, du warst eine Kröte”
Inhalt
Tief im Süden der USA, in der tiefsten Depressionszeit, fliehen drei Kettensträflinge durch ein Maisfeld in Mississippi: Everett Ulysses McGill (George Clooney), der selbstbewusste Anführer, Delmar, der freundliche Einfallspinsel sowie der hitzköpfige Pete (John Turturro). Auf ihrer Flucht in die Freiheit erlebt die Dreierbande das größte Abenteuer ihres Lebens.
Kurzkommentar
Tja, da wollen es die Coen-Brüder mir ausnahmsweise mal recht machen und liefern anstelle einer gewöhnungsbedürftigen Groteske eine locker-leichte Musikkomödie ab. Letztendlich können sie ihre Vorlieben aber nicht verbergen, was "O brother where art thou ?" in Kombination mit dem etwas schleppenden Fortlauf der Handlung etwas unausgegoren, aber trotzdem sehenswert macht.
Kritik
Bisher hab ich mich nicht zur eingefleischten Coen-Fangruppe gezählt, die sich vor allem mit "Hudsucker's großer Sprung", "Fargo" und "Big Lebowski" gebildet hat. Gerade bei "Fargo" und "Big Lebowski" sind die Qualitäten der Coen-Filme jedoch problemlos auszumachen, weshalb die Streifen der beiden Brüder wohl mehr als bei jedem anderen Regisseur unter die Kategorie "Geschmackssache" fallen. So herrlich schräg die Einfälle und originellen Plots auch sein mögen, der Hang zum extrem Grotesken war in "Fargo" und "Big Lebowski" einfach nicht mein Ding. Trotzdem konnte man ganz klar von ideenreichen und innovativen Filmen reden, die die Coens bisher abgeliefert haben - zur vollkommenen Unterhaltung man muß ihren Stil einfach nur mögen.

Von diesem Standpunkt aus dürften Nicht-Coen-Fans eigentlich am neuen Coen mehr Gefallen finden, als an den alten. "O brother, where art thou ?" ist mit seiner lockeren Art kaum noch mit Grotesken wie "Fargo" usw. zu vergleichen, denn nur selten blitzen typische Coen-Einfälle auf (die Kuh, die brutale Attacke John Goodman's). In gewissen Sinne ist "O brother" also Mainstream-lastiger, was den Film aber weiß Gott nicht schlechter macht. Flemming hat die feel-good-Stimmung, die tollen Songs, die liebenswerten Nebencharaktere und die poetische Ader des Films ja schon ausreichend gelobt, weshalb ich hier nur den Buhmann spielen will.
Gerade dadurch, daß "O brother" nur sporadisch mit Coen-typischen Abgedrehtheiten aufwartet, sonst aber zahm und komödiantisch bleibt, hängt das Gesamtbild etwas schief. Auch die drei Hauptcharaktere wirken bekannt und schematisch - Dumpfbacken wie Delmar und Pete hat die Filmwelt schon zu Genüge gesehen. Aber auch den sonst so ideenreichen Coen-Brüdern muß man angesichts der Fülle an Charakteren, die das Komödiengenre bislang hervorgebracht hat, diesen kleinen Mangel zugestehen. Heutzutage trottelige Charaktere zu entwerfen, die man nicht schon mal hier und da gesehen hat, ist wohl so gut wie unmöglich. Was dem Film allerdings um einiges mehr schadet ist die Tatsache, daß sowohl Handlung als auch Unterhaltungswert desöfteren auf der Stelle treten. Zwar kriegen die Coens immer wieder die Kurve und retten den Film vor ausufernder Langeweile mit wirklich spaßigen zehn-Minuten Paketen, richtig rund und wohldosiert wirkt das Geschehen aber eben nicht. Zudem zündet längst nicht jeder Gag und manches wirkt etwas unausgegoren (der Ku-Klux-Klan), was zum Glück aber nicht allzu sehr ins Gewicht fällt, da der Film dank Musik und Stimmung eben nur dieses Wohl-Gefühl versprühen will.

Entschädigend für die nicht immer gelungen Sprüche und Hamepeleien ist überraschenderweise George Clooney. Nicht nur, daß sein Charakter der frischeste von allen ist, auch sein Schauspiel reicht von hochamüsant bis äußerst gekonnt (richtig cool: sein finaler Bühnenauftritt). Da wünscht man sich glatt, auch andere Hollywood-Schmalzgesichter würden sich mal solch einem Tapetenwechsel unterziehen (Harrison Ford z.B.). Von daher und aufgrund einiger wirklich brillianter Ideen und Kameraeinstellungen (nach der Verführung durch die Sirenen) ist "O brother, where art thou ?" also jedem Kinogänger zu empfehlen, der nur etwas für sympathische Komödien mit leichtem Musical-Touch übrig hat.

Charmantes und wohltuendes, aber nicht wirklich rundes Abenteuer


Thomas Schlömer