Sommernachtstraum, Ein
(Midsummer Night's Dream, A)

Italien / UK, 116min
R:Michael Hoffman
B:William Shakespeare,Michael Hoffman
D:Kevin Kline,
Michelle Pfeiffer,
Rupert Everett,
Stanley Tucci
L:IMDb
„Mich dünkt Ihr habt den Falschen betäubt!”
Inhalt
Frei nach William Shakespeare wird dem Zuschauer folgender Beziehungskonflikt offenbart : Beide, sowohl Demetrius (Christian Bale) als auch Lysander (Dominic West), lieben die schöne Hermia (Anna Friel). Während diese aber nur Augen für Lysander hat, wünscht sich Hermia's Vater eher den edlen Demetrius als Schwiegersohn. Außenstehend diesem Konflikt wünscht sich die unbeliebte, hysterische Helena (Calista Flockhart) nichts sehnlicher als mit eben diesem Demetrius zusammenzuleben. Hermia und Lysander, ungeachtet ihrem Vater, wollen nun im Schutze der Dunkelheit durch den nahegelegenen Wald fliehen, um ihrer Liebe ungestört freien Lauf lassen zu können. Beide werden jedoch verfolgt vom kämpferischen Demetrius, dem sich erwähnte Helena an die Fersen geheftet hat. Im Wald nun, dem Königreich von Elfenkönig Oberon (Rupert Everett) und Feenkönigin Titania (Michelle Pfeiffer), kommt es zum unumgänglichen Liebeschaos, als Oberon's Diener Puck (Stanley Tucci) mit einer Liebesblume die gefestigten Gefühle aufweicht und umgekehrt. Kraft dieser Blumen verlieben sich die Beteiligten nämlich in die erste andersgeschlechtliche Person, die sie nach ihrem Schlaf zu Gesicht bekommen. Um die Komplexität zu perfektionieren, gibt es noch den liebenswürdigen Händler Nick Bottom (Kevin Kline), der im Wald für ein Theaterstück zur Aufführung an Theseus' (David Strathairn) und Hippolyta's (Sophie Marceau) Hochzeitstag probt und zufällig in diese Liebesmiseren mit hineinrutscht ...
Kritik
Hört man den Namen Shakespeare und betrachtet man die verstrickte Geschichte, die "Ein Sommernachtstraum" offenbart, muß dem gebildeten Schüler/Studenten schon fast zwangsläufig diese Komplexität als "Genial!" vorkommen, um nicht als Kunst- bzw. Literaturbanause abgestempelt zu werden. Ist sie aber nicht ... Shakespeare war/ist mit seinen konfliktträchtigen Beziehungskisten in diesem Fall eher als Begründer der moderneren Soap Serien von "Dallas" über "Falcon Crest" bis hin zur "Lindenstraße" und "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" zu sehen. Man verzeihe mir diese Banaliserung von Shakespeares richtungsweisenden und liebenswürdigen Dramen, aber trotz gewählter (originaler) Dialoge und Yoda'schen Grammatikverrenkungen kommt bei der neuesten Adaption "Ein Sommernachtstraum" von Michael Hoffman einfach kein Unterhaltungsspaß auf. Mag das alleinstehende (aber damit auch total zusammenhanglose) Theaterstück von Nick Bottoms liebenswürdiger Männertruppe am Ende des Films noch zu einigen Lachern hinreißen, so wirkt die erste Stunde des Films (oder waren es vier ?) so derart langatmig und wenig fesselnd, daß der halbe Kinosaal schon die Geduld verloren hatte. 'Banausen' mag jetzt mancher selbstlobend denken und sich sagen, daß man SELBER diese anspruchsvolle und künstlerische Art der klassischen Unterhaltung zu schätzen weiß.

Und doch behaupte ich, daß sich zwar längst nicht alle, aber doch einige in diesem Fall etwas einreden und sich vom Dargebrachten doch eher angeödet denn prächtig unterhaltet fühlten. Dabei gibt es schaupspielerisch am "Sommernachtstraum" mit Stars wie Pfeiffer, Everett, Kline, Marceau usw. wirklich nichts auszusetzen. An allem anderem hingegen schon ...

So liebevoll z.B. die Waldkulisse auch sein mag. Sie wirkt gekünselt und plump - das Ergebnis schlechter Requisitenarbeit. Klar, bei diesem Film soll Theateratmosphöre aufkommen, aber warum dann bitte ein Kinofilm. Mal im Ernst : als Theaterstück mit 'Mittendrin, statt nur dabei'-Gefühl, mit live agierenden Schauspielern vor ein und derselben prächtigen (Wald-)Kulisse wäre der Abend doch um einiges unterhaltsamer und intensiver gewesen als auf der platten Kinoleinwand. Wenn schon das Medium Kino bzw. Film, dann bitte auch mit all ihren Vorzügen wie z.B. Ortswechsel, weiten Kameraschwenks, geschickter Schnitt und mit dem Bild abgestimmte Musik - so bleibt nur ein Abend voller Enttäuschung und Langeweile.

Klassische Komödie in falschem Medium - zäh und öde


Thomas Schlömer