Sky Fighters
(Chevaliers du Ciel, Les)

Frankreich, 100min
R:Gérard Pirès
B:Albert Uderzo, Gilles Malençon, Jean-Michel Charlier
D:Benoît Magimel,
Clovis Cornillac,
Philippe Torreton,
Géraldine Pailhas,
Alice Taglioni
L:IMDb
„Alle in den Toyota!”
Inhalt
Während einer Flugshow in Farnborough verschwindet eine Mirage 2000 beim Demonstrationsflug. Das französische Militär schickt die Luftwaffen-Kapitäne Antoine Marchelli und Sébastien Vallois zum Aufklärungsflug über das Nordmeer, zu der Zone, in der die Mirage von den Radarschirmen verschwand. Die beiden Piloten entdecken die Mirage, unmittelbar unter einem Airbus A340 fliegend. Die 2000 wird in Kampfbereitschaft versetzt. Im gleichen Augenblick erhalten Marchelli und Vallois den Befehl, die Verfolgung unverzüglich einzustellen. Aber es ist zu spät, die 2000 befindet sich bereits in Angriffsposition auf Vallois. Marchelli schießt die Maschine ab, um seinen Flugpartner zu schützen. Dieser Zwischenfall markiert jedoch nur den Anfang eines großangelegten Plans, der nur ein Ziel hat: die Entführung eines französischen Jagdflugzeugs für terroristische Zwecke. Ausgerechnet am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, kommt es zum Showdown am Himmel über Paris, direkt über der Champs-Elysées. Und mitten im Schussfeld des Höllenspektakels: die beiden Piloten Marchelli und Vallois.
Kurzkommentar
Regisseur Gérard Pirès adaptiert mithilfe der französischen Luftwaffe ein französisches Fliegercomic aus den 1960ern-Jahren um über-heterosexuelle Militärpiloten und ist sich dabei nicht zu schade, für ein paar spektakuläre Bilder Themen wie Massenarbeitslosigkeit und Terrorismus zu missbrauchen, um eine hanebüchene Geschichte voran zu peitschen.
Kritik
Nach 102 Filmminuten bleibt ein schaler Geschmack übrig. „Sky Fighters“, entstanden an Schauplätzen in Frankreich, England und Djibouti, orientiert sich durch seine Verweigerung bezüglich digitaler Effektarbeit eher an „Top Gun“ als „Stealth“, der erst kürzlich die Kritik zu schocken wusste. Tatsächlich wurde aufwändig gearbeitet: die an diversen französischen Jets angebrachten 35mm-Filmkameras liefern überwältigende Bilder der Natur, welche jedoch gleichzeitig daran erinnern sollten, und hier gebe ich mahnend den Ökologen, dass eben jene Jets und deren Kerosinausstoß nicht das geeignete Mittel sind, um die natürliche Idylle zu bewahren. Zwanzig Millionen Dollar schwer ist „Sky Fighters“ beziehungsweise „Les Chevaliers du ciel“ wie er im Original heißt.

Diese „Ritter des Himmels“ wissen um ihren Wert. Anscheinend setzt Gérard Pirès voll auf den Mythos, den Piloten umgibt: Da oben gibt es nichts. Nur Du und die Maschine, frei, wie ein Vogel! Da kann es schon einmal zu Sauerstoffmangel kommen, oder zu Drehbüchern wie diesen – ein Wettrennen zwischen Franzosen und Amerikanern beziehungsweise deren Kampffliegern über 6000 Kilometer (eo ipso feindliches Territorium), um Arbeitsplatzverlust in der französischen Rüstungsindustrie zu verhindern. Aha. Die Luftabwehr nicht-europäischer Länder wird dabei als völlig inkompetent und überfordert portraitiert, irgendwann werden noch nicht einmal die Länder genannt, über welche unrechtmäßig geflogen wird: man einigt sich auf Produzentenseite auf den Sammelbegriff „Ost-Afrika“. Zumindest „Deutsch-Ostafrika“ (1885 – 1918) kann damit glücklicherweise nicht gemeint sein.

Wenn also die französischen Draufgänger nicht in der Luft sind, halten sie sich auf Stützpunkten oder in edlen Militärakademien auf. Das Zivilleben wird als unangenehme Pflicht dargestellt: der nicht-militärische Alltag ist ein einziges Mühsaal; die Politik kommt auch nicht gut weg. Sie ist im besten Fall kraft- und saftlos, jedoch eigentlich lieber von Spionen und Schläfern unterwandert: Der Gegner ist schon unter uns, suggeriert „Sky Fighters“. Unterwandert ist im Übrigen ein gutes Stichwort: Die Präsenz von Firmen wie „Sagem“ oder „Apple“ und deren Produkte ist die eigentlich subversive Kraft. Unverhohlener Sexismus ist stets omnipotenter Begleiter einer ungezügelten Flieger-Semantik. Alles reckt sich lustvoll nach oben – da beugt sich sogar die Karrierefrau, die sowieso am Boden als wartendes Grinsepüppchen besser aufgehoben ist. Da es im großen Finale schließlich nicht gelingt, der Terrorhydra den Kopf abzuschlagen, kann man sich auf eine Fortsetzung dieses FSK-16-Jagdbombers gefasst machen.

Eurozentrisches Machokino, das durch und durch unangenehm platten militaristischen und militarisierten Geist atmet.


Rudolf Inderst