Mission: Impossible 3

USA, 135min
R:J.J. Abrams
B:J.J. Abrams, Alex Kurtzman, Roberto Orci
D:Tom Cruise,
Philip Seymour Hoffman,
Michelle Monaghan,
Laurence Fishburne,
Ving Rhames
L:IMDb
„Das ist eine Sondereinheit, keine Sonderschule.”
Inhalt
Agent Ethan Hunt (Tom Cruise), der beste Mann der geheimen Behörde IMF („Impossible Mission Force“), hat sich mittlerweile aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, ist nur noch als Ausbilder tätig. Seine zukünftige Frau Julia (Michelle Monaghan), die von seiner adrenalinreichen Nebenbeschäftigung nichts weiß, ist ihm wichtiger, als noch weitere Male die Welt zu retten. Als jedoch die viel versprechende Jungagentin Lindsey (Keri Russell) bei einem Auftrag auffliegt und gefoltert wird, tut Hunt sich wieder mit seinem alten Weggefährten Luther (Ving Rhames) zusammen, um seine ehemalige Schülerin aus einem Lagerhaus in der Nähe von Berlin zu befreien. Doch der Einsatz schlägt fehl, Lindsey stirbt durch einen in ihr Gehirn implantierten Sprengkörper. Die Spuren führen Hunt und sein Team, zu dem neben Luther auch der Pilot Declan (Jonathan Rhys Meyers) und die sexy Agentin Zhen (Maggie Q) gehören, zu dem rücksichtslosen Schwarzmarkt-Händler Owen Davian (Philip Seymour Hoffman). Bei einem Empfang im Vatikan gelingt es Hunt sogar, Davian trotz schwerster Bewachung gefangen zu nehmen. Doch es scheint eine undichte Stelle in der IMF zu geben und Davian entkommt durch eine spektakuläre Befreiungsaktion. Doch damit nicht genug, Davian lässt auch noch Julia entführen und droht Hunt damit, sie umzubringen, wenn er nicht innerhalb von 48 Stunden die Hasenpfote aus einem Hochsicherheits-Forschungskomplex in Shanghai entwendet.
Kurzkommentar
J.J. Abrams inszeniert „Mission Impossible 3“ als routinierten Actionfilm, was in erster Linie bedeutet: Tom Cruise räumt für Mutterland und Kernfamilie als Spion Ethan Hunt in aller Herren Länder auf und schlägt Globalisierungstendenzen des Genres. Den geneigten Zuseher wird es freuen – alle anderen warten vergeblich auf Innovation.
Kritik
„Mission Impossible 3“ startet überlaut den Blockbuster-Sommer, in dessen Verlauf auf den Zuseher noch weitere Großproduktionen wie etwa „Da Vinci Code“, „X3“ oder „Pirates of the Carribean 2“ zukommen werden. Der 135minütige „Mission Impossible 3“, der bereits frühzeitig in der Drehphase für Aufregung im Regierungsbezirk Berlin sorgte, da Tom Cruise als Co-Produzent und Hauptdarsteller gerne in der Reichstagskuppel gedreht hätte, jedoch von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse harsch zurück gewiesen wurde, ist der dritte Teil der erfolgreichen „Mission Impossible“-Reihe; die beiden ersten Teile stammen aus den Jahren 1996 (Regie: Brian De Palma) und 2000 (Regie: John Woo).

Auch diesmal entführt Regisseur und Emmy-Preisträger J.J. Abrams, auf dessen Konto die erfolgreichen US-Serien „Lost“ und „Alias“ gehen, das Publikum an verschiedene, optisch bombastisch in Szene gesetzte Orte. Dabei wird kein Stereotyp ausgelassen: Während in Italien aufgeregt, aber liebevoll unter PKW-Fahrern gestenreich diskutiert wird, erwischt es Berlin eiskalt: Altdeutsche Schrift trifft auf Schornstein und Industrieanlage in regnerischem Grau. Die Rache an Thierse? Auch Shanghai wird als das abgefeiert, wie es in den Medien seit geraumer Zeit zitiert und re-zitiert wird: Die schillernde Gewinnerstadt, die Moderne und Tradition vereint. James Bond-Filmen gleich sind natürlich auch in den Mission Impossible-Filmen neben den „exotischen“ Locations die technischen Spielereien der Agenten von enormer Bedeutung. Natürlich spielen diese Gadgets mit der Vorstellung einer technischen Überlegenheit des Westens. Wenn man in „Mission Impossible 3“ über Technik spricht, kommt man allerdings nicht umhin, die eigentliche schauspielerische Hauptattraktion zu benennen – Stichwort „Shaun of the Dead“. Nur konsequent ist es da, dass man sich für die Rolle des bösartigen Antagonisten für Philip Seymour Hoffman entschied, der eben noch den homosexuellen Literaten in „Capote“ gab – da dies der erste Actionfilm für Hoffman war, kann man von einer erfolgreichen und cleveren Besetzung gegen den Strich sprechen.

So geht es denn in „Mission Impossible 3“ weniger um die Rettung der Menschheit, sondern um eine Vendetta. Tom Cruise und sein Team, das konsequent an ein Benetton-Plakat erinnert, stellen in gewisser Weise Historizismus in Reinkultur dar. Die Weltgeschicke werden von großen Männern (und zugegeben: Frauen) gelenkt und geleitet, Tom Cruise schlägt die Globalisierung mit einfachen Mitteln. Und nebenbei stellt er – mittlerweile fast schon unheimlich jugendlich wirkend und austrainiert – die Familie ins Zentrum seiner Motivation. Diese ist vor externen Bedrohung mit allen Mitteln zu schützen, daran scheint sich seit den frühen Angriffen von amerikanischen Ureinwohnern in „Birth of a Nation“ nichts geändert zu haben. „Mission Impossible 3“ erinnert ein wenig an die aktuelle Werbung der Münchner Abendzeitung: Wie Tom Cruise auf dem offiziellen Filmplakat – so ganz Captain Future Körperhaltung – mäßig den brennenden Globus dominiert…da weiß man genau, obgleich die Welt so unendlich kompliziert geworden ist, auf amerikanische Ur-Konstanten ist Verlass. Man wird uns die Welt erklären.

Etwas enttäuschend ist diesmal die musikalische Interpretation des mittlerweile ikonischen „Mission Impossible“- Themas geraten. Kayne West schafft es leider nicht, trotz seiner bahnbrechenden Alben „The College Dropout“ und „Late Registration“, sich an die eingängigen Varianten von Limp Bizkit (2000) und den Mitgliedern von U2 (1996) anzuschließen. Ein Lob an Colleen Atwood – die Kostümdesignerin sorgt für Textile, die den Charakteren zu 100 Prozent auf den Leib geschnitten zu sein scheinen.

Überlautes Tontaubenschießen mit hohen Produktionswerten


Rudolf Inderst