Superman Returns

USA, 154min
R:Bryan Singer
B:Michael Dougherty, Dan Harris
D:Kevin Spacey,
Brandon Routh,
Kate Bosworth,
James Marsden,
Frank Langella
L:IMDb
„The world doesn't need a savior. And neither do I.”
Inhalt
Mehrere Jahre lang war der Mann aus Stahl verschollen, jetzt kehrt er in dem monumentalen Action-Abenteuer Superman Returns auf die Erde zurück und erlebt ein mitreißendes neues Kapitel in der Saga eines der beliebtesten Superhelden der Welt. Während ihm ein alter Feind ein für alle Mal seine Kräfte rauben will, muss Superman betrübt einsehen, dass seine geliebte Lois Lane ein neues Leben begonnen hat. Oder doch nicht? Superman wird nicht gerade mit offenen Armen empfangen: Wie soll er die Distanz zwischen sich und Lois überwinden? Und wie findet er einen Platz in der Gesellschaft, die inzwischen ohne ihn auskommt? Superman liebt diese Welt, und er muss sie vor einer vernichtenden Katastrophe bewahren. Bei der Lösung dieser existenziellen Aufgabe muss er sich in den Tiefen des Ozeans ebenso bewähren wie in den endlosen Weiten des Weltalls.
Kurzkommentar
Auf 350 Millionen US-Dollar wird das Gesamtunternehmen „Wiedergeburt Superman“ geschätzt – nach unzähligen Besetzungsänderungen und Drehbuchverwerfungen transportiert nun Bryan Singer, der „X-Men“-Regisseur, den DC-Heldenklassiker nach 19 Jahren Kinoabstinenz auf die Leinwand. Dort wirkt der ultimative US-Moral-Boyscout jedoch bis zur Lächerlichkeit verstaubt und überflüssig.
Kritik
Schon der erste Trailer gibt zu denken: “Live as one of them, Kal-El, to discover where your strength and your power are needed. Always hold in your heart the pride of your special heritage. They can be a great people, Kal-El, they wish to be. They only lack the light to show the way. For this reason above all, their capacity for good, I have sent them you... my only son.” Der Vater also, der seinen einzigen Sohn gibt. Bekannte (sendungsbewusst-religiöse) Muster.

Was Christopher Nolan und seinem Hauptdarsteller Christian Bale vor geraumer Zeit mit „Batman Begins“ so furios gelang, nämlich eine tatsächliche Wiederbelebung, konnte im Falle des rot-blauen Latexklassenprimus nicht gelingen, da man es sich nicht traute. Wenn man, wie so oft dieser Tage seitens der Produktion, auf die Tradition von Superman (way back to 1938) hinweist, vergisst man leichthin, dass auch globale Kontexte eine gehörige Rolle spielen. Superman besiegte Hitler, er besiegte Stalin und noch ganz andere Kaliber – aber in Singers Film ist Superman einfach überfordert – kurzum: die Globalisierung überrollt den Helden. Worst Case für Superman: Das Ende des Kalten Krieges.

Und es scheint nicht mehr zufrieden stellend, dort einen Banküberfall zu verhindern und hier einen Verkehrsunfall zu verhindern, wenn ganz andere, strukturelle Probleme existieren, die nicht durch einen Fausthieb zu beheben sind. Supermans Anspruch und die Realität, ja, auch die filmische, kollidieren in einem unlösbaren Über-GAU. Man kommt eigentlich nicht umhin, den Film als zynisch einzustufen, wenn man sich überlegt, in welcher Reihenfolge Superman Probleme löst, und vor allem, WO, sprich in welchen Erdteilen, nämlich Amerika und Europa, er sie löst. Singer führt routiniert die Darsteller durch Höhen und Tiefen der Spezialeffekte und gigantischen Setbauten.

Debütant Brandon Routh kann als Superman nur überzeugen, denn die Rolle spielt den Schauspieler, nicht umgekehrt, die Frage ist also immer: kann er Herrn Kent spielen? Ja, das kann er. Er spielt ihn schlichtweg als melancholischen Tollpatsch. Kate Bosworth versprüht soviel Charme wie eine Mischung aus Bäckereiaushilfskraft kurz vor Ladenschluss und einer übermüdeten Politesse. Grauenhaft. Ergänzt wird sie durch ein Kind, welches es schafft, die 150 Minuten wie ein Lobotomie-Patient dahin zu blicken. Herzlich allein gelassen wirkt also Kevin Spacey in seinem recht amüsanten Spiel als Nemesis. Auf diese Produktion hätte man beileibe nicht fast 20 Jahre warten müssen.

Höhepunktsarmer Edeltrash um überforderten Superhelden mit unangenehm evangelikalem Einschlag


Rudolf Inderst