Männerzirkus
(Someone like You)

USA, 97min
R:Tony Goldwin
B:Laura Zigman, Elizabeth Chandler
D:Ashley Judd,
Greg Kinnear,
Hugh Jackman,
Marisa Tomei,
Ellen Barkin
L:IMDb
„Nun, das ist es: die Neue-Kuh-Theorie und der Satz 'Ich habe es satt, immer nur die gleiche Frau zu vögeln' sind absolut das Gleiche”
Inhalt
Die junge New Yorkerin Jane Goodale (Ashley Judd, "Doppelmord") ist wild entschlossen, auch ihrem Privatleben den gewissen romantischen Kick verleihen. Als der neue Produzent Ray Brown (Greg Kinnear, "Besser gehts nicht") in der Show anfängt, in der sie arbeitet, funkt es gewaltig zwischen den beiden. Es dauert nicht lang und Ray flüstert ihr die berühmten drei kleinen Worte ins Ohr, woraufhin die beiden planen, zusammen zu ziehen. Doch plötzlich zeigt er sich weitaus unterkühlter. Schlimmer: Er setzt unter die große Liebe einen schmerzhaften Schlussstrich, noch dazu ohne Angabe von Gründen. Für Jane bricht eine Welt zusammen. Auf ihrer Suche nach einer Erklärung für dieses seltsame männliche Verhalten wird sie ausgerechnet in der Tierwelt fündig.
Kurzkommentar
Mit ziemlich viel Charme entwirft Regisseur Tony Goldwyn seinen unspektakulären "Männerzirkus" und setzt dabei voll auf seine herzlichen Darsteller und die durch sie realitätsnah verkörperten Charaktere. Das ist wenig berauschend, aber sehr niedlich verpackt.
Kritik
Romantische Komödien gibt es wie Sand am Meer und auch "Männerzirkus" sticht nicht wirklich aus dem Einheitsbrei heraus, auch wenn man attestieren muß, daß er sehr sympathisch geworden ist. Wirft man nur mal einen Blick auf die neuesten Kinofilme der letzten Wochen, so sieht man, wie viele Filme sich an der beliebten Verschmelzung von Romanze und Komödie versuchen: "Was Frauen wollen", "Hals über Kopf", "Wedding Planner", "Heartbreakers", "Ohne Worte" und "Love & Sex" sind nur die jüngsten Beispiele. Gibt es also außer dem finanziellen noch einen Grund, der eine weitere Verfilmung der ewig gleichen Probleme rechtfertigt?

Nun, bahnbrechend ist "Männerzirkus" bei weitem nicht, aber das stört wenig, denn Regisseur Tony Goldwyn (normalerweise als Schauspieler aktiv - wie zuletzt in "The Sixth Day") hat mit "Someone like you" eine locker-leichte Romanze entworfen, die hauptsächlich aufgrund ihrer netten Neue-Kuh-Theorie und der nahezu optimalen Besetzung etwas mehr Beachtung verdienen dürfte. Inhaltlich hat "Männerzirkus" nämlich nicht mehr zu bieten als die 347 anderen Liebeskomödien, die es schon gibt: Frau verliebt sich in ihren Traummann, wird bitter enttäuscht und findet Trost bei demjenigen, bei dem sie es am allerwenigsten erwartet hätte. Gewürzt wird das Ganze dann mit ein paar harmlosen Gags und ein bißchen Situationskomik. Alles wenig berauschend, aber es gibt ein entscheidendes Detail, durch das sich Goldwyns Komödie von anderen abhebt: die Realitätsnähe.

Trotz der Formelhaftigkeit des Plots wirkt nämlich jeder Charakter echt und vermeidet den Abstieg in zu starke Klischees. Ok, die Personen lassen sich recht leicht einordnen und natürlich ist jeder Darsteller unheimlich gutaussehend, aber das interessiert nicht, denn hier hat jeder Charakter ein paar Stärken und Schwächen und wird nicht lieblos und eindimensional auf die Leinwand gepinselt. Zudem sind die Darsteller durch die Bank treffend ausgewählt: Ashley Judd spielt nach den üblen Rollen in "Doppelmord" und "Das Auge" endlich mal eine herzliche Rolle, Hugh Jackman war klug genug, nach seinem Actiondebüt in "X-Men" sofort den Genrewechsel zu suchen und Ellen Barkin darf die Karrierefrau mit doch gutem Herz mimen. Nur Greg Kinnear und Marisa Tomei spielen die Rollen, die sie so oft gespielt haben und sollten ihr Talent mal in anderen Genres ausspielen. Trotzdem machen sie ihre Sache tadellos.

Letztendlich bleibt dem Zuschauer etwas verborgen, warum Jane und Eddie zusammenfinden und das Happy-End einleiten, denn außer einer Cheerleader-Einlage spielte sich wenig zwischen den beiden ab. Nichtsdestotrotz hat "Männerzirkus" ein paar wirklich gute Szenen (die "sexlose" Nacht zwischen Eddie und Jane; die Krankenhausszene mit Janes Schwester und ihrem Mann; Janes Wahn, daß in den Nachrichten über ihre Probleme gesprochen wird) und eben den gewissen, niedlichen Charme, den andere Filme vermissen lassen. Für einen netten Abend reicht "Männerzirkus" also allemal.

Nicht immer gelungene, aber sehr bemühte und niedliche Liebeskomödie


Thomas Schlömer