Mädchen, Mädchen

Deutschland, 90min
R:Dennis Gansel
B:Maggie Peren, Christian Zübert
D:Diana Amft,
Karoline Herfurth,
Felicitas Woll,
Andreas Christ
L:IMDb
„Schluss mit all den Bengeln die stets mit ihren Schwengeln drängeln.”
Inhalt
Inken (Diana Amft), Lena (Karoline Herfurth) und Victoria (Felicitas Woll) haben ein Problem: Trotz all ihrer Bemühungen hatten sie bis zu ihrem 18. Lebensjahr noch keinen Orgasmus. Da muss Abhilfe geschaffen werden, beschliessen sie, und tun fortan an alles, um dem Glücksgefühl näher zu kommen....was jedoch so einige Schwierigkeiten mit sich bringt.
Kurzkommentar
Die Inhaltsbeschreibung ist nicht ohne Grund kurz ausgefallen: Viel mehr gibt's nicht zu sagen. Die gebotenen Gags sind leider von stark schwankender Qualität: Von allzu gezwungen über ziemlich witzig bis zu unendlich niveaulos und schlecht. Mit etwas mehr Feinarbeit hätte man mehr rausholen können.
Kritik
Was sind wir doch emanzipiert und aufgeklärt: Während sich entsprechende Teenager-Komödien in den USA um den ersten Sex drehen, dazu meist noch in Form von Wetten oder Abschlussballzwang unter Jungen, sind wir hier schon einen Schritt weiter: Deutsche Mädchen (!) wollen nicht nur Sex, soweit sind sie längst, sondern sie wollen auch noch von ihren Partnern sexuell befriedigt werden - da können die Amis noch richtig was dazulernen. Naja, fast zumindest, denn mit dem Orgasmus klappt das dann doch noch nicht so gut, was leider wesentlich an den Jungs liegt - die haben's nämlich nicht drauf.

Auf der Suche nach dem verlorenen Orgasmus - das wäre der ehrlichere Titel gewesen. So heisst der Film dann ganz harmlos "Mädchen, Mädchen!", was auch eine Komödie von vor 40 Jahren mit Uschi Glas sein könnte. In den USA wäre dieser Film sicher R-Rated, wegen der kaum verhohlenen Gespräche über Sex etc., und, huch, vergleichsweise derben Darstellungen - man bedenke, der Film ist in Deutschland freigegeben ab 12. Wie auch immer, es geht, soviel an die Mütter der 12-Jährigen Mädchen, denen ich den Film dann doch eher vorenthalten würde, im wesentlichen um eines, mit Verlaub: Ums Ficken. Oder war es doch das weibliche Recht auf sexuelle Erfülltheit? Würde man den Film ernstnehmen, könnte man dieses Thema ja mal thematisieren - dazu die Frage, inwieweit der Film Frauen diskriminiert, welche Rolle Sex in Beziehungen spielen darf, ob die Darstellung in dem Film nicht allzu freizügig ist, und überhaupt die ganze Moral-Geschichte. Schaut man sich allerdings den bemerkenswert jungen Regisseur Gansel (28) an, oder, gewagter noch, hört man, was er zu sagen hat, dann beschleicht einen das Gefühl, dass der Film mit solchen Fragen wohl etwas überinterpretiert wäre. Vielmehr scheint er zwei Ursprünge zu haben: Die Geldgier der Produzenten (denn diese Filme laufen erfahrungsgemäß finanziell sehr gut) und die reichlich pubertären Fantasien von Drehhbuchautoren und Regisseur.

Es ist zweifellos, die inhaltliche Debatte führt ins Nichts, und die moralische zur Verdammung des Films. So weit, so gut. Und wie stehts nun mit den Gags? Leider nicht ganz so eindeutig. Ein paar sind, es muss gesagt werden, ziemlich gut. Unter der Gürtellinie sind sowieso alle, einige siedeln jedoch in ihrem Niveau noch tiefer...irgendwo unterhalb der Fusssohle. Also, kurz und prägnant: Die Gags sind von sehr zweifelhafter Qualität. Die meisten sind eher mau, viele ziemlich grenzwertig, einige deutlich jenseits des guten Geschmacks, auch wenn man den sehr weiträumig definiert.

Irgendwie haben die Drehbuchautoren wohl selber gemerkt, dass diese Brachial-Fixierung auf Sex und Orgamsmus den Zuschauer aber letzlich unbefriedigt zurück lässt....irgendwie fehlt da noch was. Ach ja, die Liebe wars, fast hätten wir sie vergessen, die Liebe, das antiquierte Ding. Nun, der Film besinnt sich in einer reichlich zweifelhaften Kehrtwende dann darauf, und verkuppelt die vergnügungssüchtigen Mädels schliesslich - wenn auch auf ziemlich ungewöhnliche Weise.

Empfehlenswert ist der Film für all jene, die noch in der Pubertät sind, sowie alle Männer, die ihre Freundin noch nicht zum Orgasmus gebracht haben - oder so. Allen anderen jedenfalls rate ich eher zu Abstand.

Selten lustig, vornehmlich peinlich


Wolfgang Huang