Blood Work

USA 2002, 109min
R:Clint Eastwood
B:Brian Helgeland
D:Clint Eastwood,
Jeff Daniels,
Wanda De Jesus,
Tina Lifford
L:IMDb
„We´re shit on the bottom of somebody´s shoes”
Inhalt
Bei der Verfolgung eines Serienkillers erleidet FBI- Agent Terry McCaleb (Clint Eastwood) einen schweren Herzanfall. Zwei Jahre später erhält der todkranke Mann mit der seltenen Blutgruppe AB negativ ein Spenderherz. Das lebensrettende Organ stammt von einem weiblichen Mordopfer. Aus Dankbarkeit für die Spende, verspricht McCaleb der Schwester, den Mörder zu finden. Bei seinen Recherchen entdeckt er erstaunliche Parallelen zu dem ungeklärten Fall des Serienkillers von vor zwei Jahren. Anscheinend hatte es der gesuchte Täter nur darauf angelegt, McCalebs Leben zu retten.
Kurzkommentar
In größer werdenden Intervallen meldet sich einer der Leinwandsaurier zurück. Clint Eastwood ist mittlerweile zu alt, um für Neues zu sein. Für „Blood Work“ übernahm er in der bekannten Weise Regie und Hauptrolle und delegierte das Drehbuch an Brian Helgeland („L.A. Confidential“). Herausgekommen ist ein Entsprechen der Erwartungen, denn der Thriller ist weder reißerisch noch bedeutend, sondern kultiviert selbstironische Verbrecherjagd als gelungene Selbstinszenierung des Regisseurs.
Kritik
Die Ikone erklärt sich selbst. Zu Clint Eastwood, Urgestein raubeinigen Heldentums, muss also nichts mehr gesagt werden. Vielleicht nur, dass sich der 72 Jährige abseits seiner uferlosen Filmographie bereits seit 1971 auch als Regisseur versucht. Kritikererfolge gab es dabei viele („Die Erbarmungslosen“), aber das Publikum honorierte das nicht immer. Die nicht ernst gemeinten Rentnerraumfahrer von „Space Cowboys“, seiner letzten Regiearbeit von vor zwei Jahren, wurden zu Eastwoods bisher größtem Erfolg auf dem Regiestuhl. Dass er dabei nicht an Ruhestand denkt, aber seinem fortschreitenden Alter doch in sanfter Ironie Rechnung trägt, machten die letzten Filme sympathisch deutlich.

Gepflegtes Kukident statt Action, das mag die Devise sein. Schießwütige Präsenz wie in frühen Tagen hat Eastwood schon des längeren an den Nagel gehängt und verlässt sich voll und ganz auf die Wirkung allein seiner Leinwandpräsenz. Damit das nicht im selbstgefälligen Stillstand endet, musste schon für seinen vorletzten Film „Ein wahres Verbrechen“ eine Romanvorlage als Drehbuchfundus herhalten. Gleiches gilt nun für „Blood Work“. Er basiert auf einem Bestseller von Michael Conelly und wurde für Eastwoods neue Selbstbeweihräucherung natürlich von keinem Nobody adaptiert: Brian Helgeland stieg durch sein Script für „L.A. Condifential“ in den Drehbucholymp auf.

„Blood Work“ ist wie „L.A. Confidential“ ein Thriller, aber doch von anderem, konventionellerem Kaliber. Denn auch wenn Helgeland das Buch funktional umgeschrieben hat, fällt „Blood Work“ im Grunde aus keinem Schema. Dem dramaturgischen Gerüst von Serienkiller-Streifen bleibt er treu wie Eastwood seinen selbstironischen Beimengungen. Diese Rechnung geht auf, denn wenn Eastwood den offensichtlichen FBI-Opa mimt, zu Beginn bei der obligatorischen Verfolgungsjagd seine körperliche Fitness unter Beweis stellt und dann aber mit Herzinfarkt zusammenbricht, ist eine augenzwinkernde Wirkung klar beabsichtigt. Das war es vorerst allerdings auch mit der Aufregung.

Denn dann gibt sich „Blood Work“, das ist das Wort, gediegen. Jazz-Klänge entwickeln kultivierte Zwanglosigkeit und Eastwood, hier in altbekannter Routine erneut Regisseur und Hauptdarsteller zugleich, nimmt sich alle Ruhe. Die braucht seine Figur auch, weil sie nach dem Infarkt ein neues Herz erwartet. Die ironische Konnotation setzt sich deutlich fort. Und damit der halbfossile Superbulle als Neubesitzer gleich in die ultimativ moralische Pflicht genommen wird, wird schnell klar, dass mit dem Herzen irgendwas faul ist. Das wirkt artifiziell und arg an den Haaren herbeigebracht, aber mit Originalität punktet „Blood Work“ ohnehin nicht.

Klischeehaft und verzichtbar ist die Einbringung der scheinbar notwendigen Frauenrolle an der Seite des Helden mit Herz, nur dazu dienend, an die 72-jährige, aber wohl nie endende Wirkung seiner Libido zu erinnern. Aber auch das wird wohl nicht ernst gemeint sein. Die Probleme von „Blood Work“ sind damit schon benannt: seine Figuren sind stark typisiert und Entwicklungen dadurch absehbar. Daran ändert auch das Drehbuch Helgelands nichts. Passend dazu zeigt auch das dramaturgische Gerüst Schlappen insofern, als die behäbige Killerjagd zwar auf billige Effekte verzichtet, aber auch bei der Spannung zeigt sich „Blood Work“ bedeckt, bis zum Ende das obligate Action-Zugeständnis samt trivialer Auflösung erfolgt.

Damit ist „Blood Work“ ein typischer Eastwood, aber das auch im positiven Sinne. Selbst wenn Figuren und der Spannungsbogen nicht viel hergeben, spielt Eastwood sein Charisma aus und steht übermächtig im Vordergrund. Seine Figur wirkt spitzzüngig, lebendig und plausibel zugleich. Auch stimmt die Chemie mit Jeff Daniels, der sich für das Buddy-Element zuständig zeigt und letztlich doch einige Überraschungen bereithält. Aufregend ist der Streifen weder inhaltlich noch dramaturgisch, aber „Blood Work“, ein behäbig solider Thriller, hat mit Eastwood vor und hinter der Kamera ein unschlagbares Argument. Wo sonst kann man Hollywood-Legenden beim Genuss des Alterns zusehen.

Ironisch gemütlicher Killerthriller mit Eastwood-Bonus


Flemming Schock