Flashback

Deutschland 2000, 95min
R:Michale Karen
B:Jimmy Sangster
D:Valerie Niehaus,
Xaver Hutter,
Alexandra Neldel,
Simone Hanselmann
Inhalt
In ihrer Kindheit wird Jeanette Zeugin, wie ihre Eltern von einem Sichel-Schlitzer in Frauenkleidern ermordet wird. Jahre später nimmt sie einen Job als Französischlehrerin für die verzogenen Kinder eines reichen Geschäftsmannes an, der sie in die abgelegene Alpenwelt führt. Doch schon bald hat sie erste Flashbacks: Sie glaubt, den Sichelmöder wieder zu sehen, und die mysteriösen Zufälle beginnen sich zu häufen.
Kurzkommentar
"Flashback" mangelt es an allem: An begabten Darstellern, an einer nennenswerten Story, an halbwegs brauchbaren Dialogen und vor allem -auf all das genannte könnte man in einem Horrorstreifen ja notfalls verzichten- an gepflegtem Grusel und Grauen.
Kritik
Mit "Anatomie" hat sich das Unheil bereits angekündigt: Auf dem Weg des deutschen Films nach Hollywood-Reife geht man über Leichen. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn anscheinend ist hierzulande das Horrorgenre wieder im Kommen. Der Grund dafür ist auch schnell gefunden: Horrorfilme sind sehr einfach zu produzieren: Man braucht keine Schauspieler, kein ausgefeiltes Drehbuch, die Requisite ist meist sehr übersichtlich (Handy und Schlitzerwerkzeug) und das Grauen lässt sich einfach als Massenware produzieren - allein ein guter Maskenbildner wäre von Vorteil.
Doch während Anatomie gegen diese wahren Regeln des Horrorfilms teilweise sogar verstösst, ist "Flashback" ein perfekter Vertreter: Billigster Trash, halbwegs interessant nur deshalb, weil fast die ganze Besetzung deutschen Vorabend-Soaps entstammt.

Gekonnt verzichtet der Film auf alles, was ihn hätte gut machen können. Die meisten Zuschauer werden auf diesen Film freiwillig verzichten, weil Horror nicht ihr Ding ist. Das Ganze ist ja von der Sache her schon irgendwie ziemlich krank, aber lassen wir das mal beiseite, gehen wir davon aus, dass uns nichts so mit Glück und cineastischer Befriedigung erfüllt, wie ein guter, blutiger Slasher-Film. Tja, trotzdem Pech gehabt: "Flashback" ist, mit Verlaub, so scheisse, dass Sie den Film nicht mal dann sehen wollten.
An dieser Stelle folgt normalerweise die ganze Aufzählung, wie mies Regie, Drehbuch, Dialoge, Schauspieler, Ausstattung und Photographie sind. Sind sie auch, aber wir kürzen das ab - denken sie sich diese Passagen einfach. Anzumerken wäre allerdings noch, dass das Drehbuch teilweise sogar geschickte Haken versucht, die relativ lange verschleiern, was wirklich vor sich geht. Aber fast schon unnötig zu erzählen, dass diese gesamte Logik natürlich auf völlig unmöglichen, hanebüchenen Vorraussetzungen aufbaut. Nicht nur, dass wieder mal das böse Internet letzlich an allem Schuld ist - kann mir mal jemand erklären, woher der Bösewicht wusste, welche Daten es zu recherchieren galt? Oder weshalb Jörg und Ella einen so unapetittlichen Tod finden mussten? Genau das ist ds Problem: Die zahlreichen Toten ergeben sich nicht mal ansatzweise logisch aus der aufgebauten Geschichte. Das hat den Effekt, dass man völlig sicher sein kann, dass einfach jeder, der eine Sprechrolle hat, ein unrühmliches Ende finden wird. Das einzig spannende ist dann noch, zu erraten, ob die Sichel von rechts oben nach links unten oder umgekehrt geschwungen wird.

Dem Niveau des Filmes angepasst ist auch ein Interview, dass sich auf der Website zum Film findet:

Interviewer: Ist Flashback nun ein Remake von diesen ganzen Teenie Horrofilmen oder hat es eine eigene Nuance?

Xaver Hutter: Es hat ganz sicher eine eigene Nuance. Es hat andere Darsteller, es hat einen anderen Regisseur. Es spielt in Deutschland.


Interviewer: Gab es bei den Dreharbeiten irgendetwas besonders Mühsames?

Xaver Hutter: Nein, mühsam war gar nichts. Aber du musst es halt spielen können.


Nach diesen extrem erhellenden Einsichten ein guter Rat: Schauen Sie sich diesen Film nicht an, tun sie stattdessen lieber was erfreulicheres. Gehen Sie zum Zahnarzt. Machen Sie ihre Steuererklärung. Bohren Sie sich ein Loch ins Knie.
Bei mir hat "Flashback" es immerhin auf den zweiten Platz der Top5 der schlechtesten Filme aller Zeiten gebracht. Und falls Sie sich nun fragen, wieso dieser Film dennoch einen Punkt bekommen hat: Weil Marina Mehlinger mitspielt, wenn auch nur wenige Sekunden.


Sehen Sie sich diesen Film nicht an!


Wolfgang Huang