Final Fantasy

USA/Japan 2001, 90min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Hironobu Sakaguchi
B:Al Reinert
L:IMDb
„Yeah, really, astonishing”
Inhalt
Die Erde im Jahr 2065. Der einst blaue Planet ist verwüstet - nur noch wenige Lebensformen können hier existieren. Eine Invasion feindlicher Aliens droht auch den letzten Rest der Menschheit und jegliches weitere Leben auf der Erde auszulöschen. Es gibt nur eine Hoffnung, die Erdenbewohner zu retten und die außerirdischen Eroberer zu eliminieren: die Wissenschaftlerin Aki Ross. Aki sucht mit Hilfe ihres Mentors Dr. Sid und der Kampftruppe „Deep Eyes“ nach den letzten Überresten der Schlüsselkomponenten, mit denen sie die Erde retten kann. Dabei führt sie nicht nur ein Rennen gegen die Zeit, sondern auch gegen General Hein, einen militanten Oppositionellen, der die einzig rettende Chance darin sieht, eine riesige, alles vernichtende Space-Kanone auf die Feinde abzufeuern. Die Zeit läuft ab - und die Erde schein den Kampf gegen die Aliens zu verlieren.
Kurzkommentar
Es wird Zuschauer geben, die "Final Fantasy" lieben, es wird Zuschauer geben, die "Final Fantasy" hassen. Erstere werden von der schöpferischen, visuellen Kraft des Films einfach hin und weg sein, letztere werden dem allzu verführerischen (aber nur bedingt berechtigten) Kritikpunkt verfallen, "Final Fantasy" würde inhaltlich nun mal absolut hohl sein. Dem Fan berauschenden Kinos soll das egal sein: die Story ist solide (genug). Unbedingt auf großer Leinwand mit kräftigem Soundsystem zu genießen.
Kritik
Es ist mittlerweile fast zwei Wochen her, daß ich "Final Fantasy" gesehen habe und nicht ohne Grund habe ich meinen Kommentar etwas hinausgezögert. Mittlerweile ist der Film in den USA angelaufen und vor allem stehen jetzt die amerikanischen Kritiken. Denn nach meinem -wie aus der Wertung sofort ersichtlich- äußerst positiven Empfinden des Films, der ebenfalls sehr guten Wertung von Flemming und einem noch überschwenglicheren Kommentar der Kollegen von Filmszene.de wollte ich zunächst die Reaktionen der US-Presse abwarten. Und ich bin doch etwas überrascht. Wirft man einen Blick auf den Kritikenspiegel bei Rottentomatoes.com so offenbart sich ein stark negatives Urteil. Der Tenor läßt sich dabei leicht erkennen: so ziemlich jeder lobt die visuelle und verpönt die inhaltliche Kraft des Films.

Zugegeben: nach diversen Inhaltsangaben ("2065: die Erde ist verwüstet und die Menschheit steht vor dem Aus." - Gähn...) und selbst nach den Trailern ("Dies ist kein Märchen, es ist die Wahrheit!" - uah) war ich doch äußerst skeptisch ob des gesamten Filmgefühls, das allein in den Händen eines (wenn auch professionellen) Video-Regisseurs für Computerspiel-Zwischensequenzen lag. Selbst optisch war ich wenig beeindruckt, denn hier pochten die Macher auf künstlichen Realismus und -bahnbrechende Qualität hin oder her- den vermochten die Trailer nicht zu bestätigen. Das Artifizielle war nun mal unverkennbar.

Und jetzt rückt der Kerl doch so eine hohe Wertung raus? Jawohl, denn entgegen meiner Erwartung punktet "Final Fantasy" auf einer eher unerwarteten Ebene: Atmosphäre. Ich hatte es ja nicht für möglich gehalten, aber Regisseur Sakaguchi gelingt es von der ersten Minute an, dem Film eine kühle, aber fesselnde und dichte Stimmung zu verleihen, die den Zuschauer sofort in seinen Bann zieht. Der visuelle Detailreichtum, die großorchestrale Musik Goldenthals, die exzellenten Soundeffekte. "Final Fantasy" ist technisch nahezu perfekt ausgelotet und beeindruckt optisch dann doch zu sehr. Zumal man den Eindruck gewinnen konnte, daß es Sakaguchi gar nicht so sehr um den höchsten Grad an Realismus geht. Bei den Personen vielleicht, aber ansonsten genießt er die künstlerische Freiheit und nutzt die Computertechnik genau richtig. Denn im Gegensatz zu, sagen wir, "Star Wars - Episode I" macht "Final Fantasy" nämlich deutlich, was der gute George Lucas mit all seinem Streben nach digitaler Kameratechnik schon immer vorgebetet hat: die einzige Grenze beim zukünftigen Filmemachen wird das eigene Vorstellungsvermögen sein. Die Künstler bei Square Pictures haben in die Welt von "Final Fantasy" soviel Liebe zum Detail reingesteckt, um sie real wirken zu lassen, und es gleichzeitig geschafft, dem Film ihren höchst eindrucksvollen, künstlerischen Stempel aufzudrücken. (Aki's Traumsequenzen beispielsweise sind absolut atemberaubend.) "Final Fantasy" sieht nicht immer echt aus, aber die Welt fühlt sich echt an und das ist schon einen großes Lob wert.

Doch zum Punkt, den so ziemlich jeder Kritiker in seinem Review erwähnt hat: die Story. Und auch hier bin ich etwas überrascht. Natürlich fällt es allzu leicht, einen Film, der so sehr auf Technik setzt, inhaltlich auseinanderzunehmen und in der Tat haben sich Drehbuchautor Reinert und Regisseur Sakaguchi etwas ungeschickt angestellt. Die Dialoge sind, wie die Amerikaner so gerne sagen, "very cheesy" und strotzen vor Formelhaftigkeit. Man hat den Eindruck, jeden Satz schon x-mal in einem anderen Film vernommen zu haben, was die Last, die auf der eigentlichen Story liegt, nicht gerade erleichtert. Aber trotz der ziemlich zusammengegepflückten Geschichte, bin ich der Meinung, daß "Final Fantasy" hier etwas Unrecht getan wird. Die Auflösung, was es mit Aki's Träumen auf sich hat, wie die Aliens auf die Erde gelangt sind und was sie überhaupt sind, hat mir eigentlich recht gut gefallen. Zumindest so gut, daß man von solide sprechen kann, auch wenn es am Ende zugegebenermaßen etwas holprig wird.

Vielen dürfte vielleicht auch die aufgesetzte Love-Story aufstoßen, aber die gehört zum "Final Fantasy"-Universum einfach dazu - genauso wie diverse spirituelle Elemente. In den Papierkorb verschoben gehört allerdings der Verantwortliche für das Aussehen der Charaktere. Wer kam nur auf die Idee mit solch amerikanischen Männlichkeitsidealen das ansonsten eher fernöstliche Feeling des Films Films zu stören? Glücklicherweise zerstören sie nicht das Gesamtbild des Films, denn dafür ist er zu fesselnd, zu atmosphärisch, zu schön anzusehen. "Final Fantasy" ist ein Blendwerk, keine Frage, aber beim ersten Film seiner Art lasse ich die inhaltlichen Mängel noch gerne durchgehen.


Inhaltlich solide, künstlerisch und atmosphärisch berauschend


Thomas Schlömer