Good Night, and Good Luck

USA, 93min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:George Clooney
B:George Clooney, Grant Heslov
D:David Strathairn,
Robert Downey Jr.,
Patricia Clarkson,
George Clooney,
Jeff Daniels
L:IMDb
„We're gonna go with the story, 'cause the terror is right in this room.”
Inhalt
1953 in den USA. Der einflussreiche Senator Joseph McCarthy inszeniert eine landesweite Hexenjagd gegen vermeintliche Kommunisten und Andersdenkende, klagt Unschuldige in Schauprozessen an und zerstört ganze Existenzen. Auch im Newsroom von CBS ist die Angst angekommen. Doch schließlich erhebt der respektierte Fernsehmoderator Edward R. Murrow (David Strathairn) seine Stimme. Unter dem Motto "Fakten statt Mutmaßungen" berichtet er in seiner Sendung "See it Now" über einen Piloten, der ohne triftigen Grund aus der Luftwaffe ausgeschlossen wurde. Schnell bringt Murrow die Armee, aber auch Werbekunden und seine Chefs gegen sich auf. Doch er und seine Mitstreiter, angeführt von dem Produzenten Fred Friendly (George Clooney) und dem Reporter Joe Wershba (Robert Downey Jr.), bleiben standhaft. In der nächsten Sendung nehmen sie McCarthy selbst ins Visier. Der holt schnell zum Gegenschlag aus.
Kurzkommentar
Die Versuchung liegt nahe, George Clooney künftig „das politische Gewissen Hollywoods“ oder ähnlich zu nennen, würde es sich nicht so abgedroschen anhören. Klar ist jedenfalls, dass Clooney derzeit die Grundsteine seines persönlichen Vermächtnisses legt: Mit „Good Night, and Good Luck“ zeichnet er ein wunderbar authentisches Stimmungsbild der 50er Jahre, belebt ein Stück Zeitgeschichte mit den Mitteln des Doku-Dramas und verschafft diesem Rückblick aktuelle Relevanz. Kurzum: Er schafft beseeltes Kino. Zwar beansprucht Clooney mit komplexer Dialoglastigkeit die ganze Aufmerksamkeit des Zusehers. Dafür wird man umso großzügiger belohnt.
Kritik
“Hollywood loves mimicry, the conversion of a film actor into the spittin' image of a once-living celeb.” Man kann Annie Proulx nicht ohne Weiteres vom Vorwurf der Parteilichkeit freisprechen; immerhin zeichnet die Autorin für die Kurzgeschichte verantwortlich, auf deren Grundlage „Brokeback Mountain“ entstand. So klingt in ihrem Kommentar zur diesjährigen Oscarverleihung vor allem Enttäuschung über das Abschneiden „ihres“ Projekts durch, dennoch sind ihre Vorbehalte gegenüber dem deutlichen Übergewicht der filmischen Biographien nicht völlig aus der Luft gegriffen. Mit „Good Night, and Good Luck“ startet hierzulande nun der letzte der drei oscarnominierten Biopics – der Einzige, der ohne Oscar auskommen musste. Auch und nicht zuletzt wegen seiner vergleichsweise bürgerlichen Hauptfigur der unauffälligste der drei Filme, wenngleich mit George Clooney ein Name mit werbewirksamer Zugkraft involviert ist. Gerade aufgrund seiner vermeintlichen Zurückhaltung verdient er die meiste Aufmerksamkeit.

Im Zentrum des Geschehens steht Edward R. Murrow (David Strathairn), der als Ikone des unabhängigen amerikanischen Fernsehjournalismus gilt. Bis heute hallt ihm der Ruf des unbeirrbar der Wahrheit verpflichteten Berichterstatters nach. Ohne Umschweife tauchen wir ein in Murrows Arbeitsalltag, der in den 1950er Jahren bei CBS von der Arbeit an zwei Formaten geprägt war. "Person to Person" ist eine Interviewreihe, mit der er den Zusehern Einblicke in das Leben zeitgenössischer Berümtheiten verschafft. Eine reine Unterhaltungssendung, aber: "It pays the bills." Dass er diese Show wohl als ebenso zeitraubendes wie notwendiges Übel betrachtet, erahnt man, wenn Murrow mit finsterer Miene in seinem Sessel sitzen bleibt, sobald das Scheinwerferlicht erloschen ist. "See It Now", eine engagierte Nachrichtensendung, mit der er Entwicklungen des politischen Tagesgeschäfts kritisch beleuchtet, ist seine wahre Leidenschaft und Visitenkarte.

Ähnlich wie Murrow scheint sich auch Clooney in seinem Beruf zwischen Anspruch und Unterhaltung zu bewegen, zwischen Kunst und Kommerz: Einen Teil seiner Arbeit verrichtet er, um sich den anderen leisten zu können. Filme wie „Ocean’s Eleven“ ermöglichen Projekte wie dieses. Es ist naheliegend, dass er in Murrow sein alter ego gefunden hat. Eine weitere persönliche Verbindung zur Thematik findet sich, wenn man berücksichtigt, dass Clooneys Vater selbst ein bekannter Nachrichtensprecher war. Allerdings wird auch ohne diese Details deutlich, dass es sich bei „Good Night, and Good Luck“ um das handeln dürfte, was der Amerikaner „labor of love“ nennt: Der Idealismus quillt aus jeder Sekunde der Inszenierung.

Auch Clooneys zweite Regiearbeit (nach „Confessions of a Dangerous Mind“) widmet sich also der Welt des Fernsehens. War der Wahrheitsgehalt der Geschichte seines ersten Filmes noch höchst fraglich, so handelt es sich bei „Good Night, and Good Luck“ um ein gut erhaltenes, sprich: dokumentiertes Stück Zeitgeschichte, das Clooney im Stile eines Dokudramas nacherzählt. Die bis zur Willkür geführte Kommunistenhatz des Senators Joseph McCarthy gehört zu den prägenden Ereignissen amerikanischer Nachkriegsgeschichte. Der Ehrgeiz und die Herausforderung bestanden darin, das zugehörige Drehbuch ebenso gut zu recherchieren.

Dass dies vor allem durch die Fülle an verfügbarem Material schwierig gewesen sein dürfte, zeigt der Umstand, dass sich beispielsweise Murrows Rede bei der RTNDA Convention (die die Filmhandlung einleitend und abschließend umrahmt) ohne weiteres im Netz finden lässt. Schnell wird klar, was für ein meisterhafter Rhetoriker dieser Mann war. Bei der Dichte an großartigen Formulierungen dürfte die Auswahl schwer gefallen sein. Mit der gleichen Wortgewalt und -gewandtheit geht Murrow auch mit McCarthy ins Gericht. Dieser kommt höchstselbst in Einspielungen von Originalaufnahmen zu Wort, die stellenweise etwas zu lang geraten sind.

Bei aller Ehrfurcht vor seiner Hauptfigur geht es Clooney mehr um die Leistung Murrows, um seine Arbeit, denn um die Person. Letztlich ist dies nur oberflächlich eine filmische Biographie. Über die Privatperson Murrow verliert Clooney kein Bild, zwischen Redaktionsräumen, TV-Studio und Bar nebenan verfolgen wir beinahe ausschließlich den hektischen Arbeitsalltag der Journalisten. Nur das heimliche Ehepaar Joe und Shirley Wershba (Robert Downey Jr. und Patricia Clarkson) sowie Nachrichtensprecher Don Hollenbeck (Ray Wise) sorgen für einen Hauch von Subplot, anhand ihrer Schicksale wird das Ausmaß der von McCarthy gestifteten Paranoia deutlich.

„Good Night, and Good Luck“ ist zuallererst ein unnachgiebiges Pamphlet für die freie Rede und im Sinne dieser Botschaft sind alle handelnden Figuren Mittel zum Zweck. Auch wenn Clooney in gewisser Weise Heldenverklärung betreibt – dies bleibt dank des extrem wohldosierten Spiels aller Darsteller Nebensache und ist leicht zu verschmerzen, denn er nutzt dieses idealisierte Bild der Pressevertreter sehr geschickt. Das Medienecho auf den Film konzentriert sich auf seinen nachhaltigen Bezug zum gegenwärtigen Amerika, in dem die Kritikfähigkeit unter dem Deckmantel des Patriotismus zu ersticken scheint. Natürlich beschwört Clooney mit seiner Aufarbeitung eines historischen journalistischen Triumphes die Gefahren politischen Machtmissbrauchs, der Manipulation und Willkür. Doch die wirkliche Stärke des Films liegt nicht im Aufzeigen vermeintlicher Parallelen des politischen Klimas von damals und heute.

Sie liegt in dem Punkt, an dem er seine Kritik ansetzt, in den Rückschlüssen auf den gegenwärtigen Zustand der Medien, die er anregt. Es ist die Presse, deren Integrität als Institution, als „vierter Stand“ gewahrt bleiben muss. Und diese Verantwortung legt Clooney in die Hände der Macher, die über alle nötigen, wirkungsvollen Instrumente verfügen – sie müssen sie nur richtig einsetzen. Sämtliche Ausschnitte zeigen Murrow im Clinch mit McCarthy; nicht weniger relevant aber sind seine mahnenden Worte zum verantwortungsvollen Umgang mit dem Medium TV, die sich als prophetisch erweisen sollten. Man kommt nicht umhin, sich selbst in die Verantwortung genommen zu fühlen.

„We don’t make the news, we report them“, muss sich Murrow vom Senderchef erinnern lassen. Im Laufe der Auseinandersetzung mit McCarthy wird er sich gezwungenermaßen immer weiter von diesem Ideal entfernen, über die Frage „richtig oder falsch?“ wird er vom Berichterstatter zum Nachrichtenmacher. Die Tragweite dieser Wandlung ist ihm nur zu bewusst und es ist auf tragische Weise ironisch, dass er mit seinem Idealismus am Anfang einer Entwicklung stand, vor der er so nachdrücklich gewarnt hat.

Ambitionierte, anspruchsvolle Medienkritik, die die Idealisierung ihrer Hauptfiguren durch die Eindringlichkeit ihrer Botschaft aufwiegt.


Reinhard Prosch