Lost Killers

Deutschland, 100min
R:Dito Tsintsadze
B:Dito Tsintsadze
D:Nicole Seelig,
Misel Maticevic,
Lasha Brakadze,
Elie James Blezes
„Scheiss Kokodile haben gef'essen mein Mama!”
Inhalt
Auf verschlungenen Wegen kommen in der Tristesse des Mannheimer Bahnhofsviertels zwei unfähige Berufskiller, ein Haitianer, der seine Niere verkaufen will, und eine Nutte mit schlechtem Gebiss zusammen...warum auch immer.
Kurzkommentar
"Lost Killers" ist, und das ist die Haupteigenschaft des Filmes, gigantisch verplant. Wahrscheinlich war der Regisseur und Drehbuchautor Dito Tsintsadze während der Produktion genauso besoffen wie sein filmischer Gegenpart Merab. Allein die Charakterzeichnung kann noch ansatzweise gefallen, der Rest ist traurig schlecht und unbedeutend.
Kritik
Wenn einem die Mittel Hollywoods fehlen und man gezwungen ist, Mannheim zum Schauplatz seines Films zu machen, einem eine gute Story fehlt und man ein sozialkritisches Drama macht, weil da allein der Genrename für ein Mindestniveau sorgt, und einem formal nichts einfällt und man deswegen alles auf pseudo-realistisch (Steady-Cam) trimmt, dann kommt ein Film wie "Lost Killers" dabei heraus. Vielleicht ist es das, was verschiedene andere Kinomagazine dazu veranlasst hat, als Genre Actionkomödie anzugeben, obwohl der Film kaum lustig ist (und wohl auch selten so gedacht war), und Action auch keine darin vorkommt. Vieleicht liegt es aber auch daran, dass die Rezensenten den Film aus Langeweile oder Genervtheit bereits nach einer Viertelstunde wieder verließen.

Grund genug dazu gäbe es - denn "Lost Killers" putzt sich in keiner Weise heraus, sondern zeigt dem Zuschauer nicht nur die schlechten Seiten des Lebens und seiner Protagonisten, sondern auch seine eigenen überdeutlich. Gemächlich, um nicht zu sagen: schmerzlich langsam, führt der Film ein in seine Welt, zeichnet die Hauptfiguren: Zwei Auftragskiller, die ihren Job nicht über die Bühne bringen, weil sie im Grunde zum Mord nicht fähig sind, eine vietnameische Nutte, deren Gebiß so schlecht ist, dass sie Sex nur mittels einer Trennwand praktizieren kann, ein haitianischer Sänger, der seine Niere verkaufen will, um genug Geld für eine Reise nach Australien zusammen zu bekommen, sowie diverse Nebenfiguren, bei denen dem Drehbuchautor merklich die Ideen ausgingen. Teilweise nun werden diese Figuren einfühlsam gezeichnet, teilweise aber fallen sie auch den Launen des Drehbuchs zum Opfer. Denn tatsächlich gibt es ein paar wenige humoristische Momente, die aber angesichts der sonst nicht nur optisch-inszenatorisch, sondern auch geschichtlichen Tristesse ziemlich unangemessen und wenig feinfühlig wirken. Ein wirklich ernsthaftes Bemühen um seine Figuren ist Dito Tsintsadze nicht anzumerken, was besonders deshalb betrüblich ist, da sie nicht nur über einiges Potential verfügen, sondern auch von Darstellerseite überzeugend umgesetzt werden.

Sozialdramen oder solche, die es gerne wären, ergehen sich meist in der überdeutlichen, überzeichneten Darstellung der Realität -so auch hier. Stellenweise ist die übertriebene Belastung der Geschichte und der Figuren mit allen Übeln dieser Welt kaum mehr zu ertragen. Noch ein Charakteristikum solcher Filme: Zumeist wird dem Zuschauer eine mehr oder weniger geschickt verpackte, aber fast immer von Moral triefende Botschaft mit auf den Weg gegeben, so dass man sich fest vornimmt, dem nächsten Bettler auf der Strasse etwas zu spenden. "Lost Killers" bleibt aber seltsam vage, was den Sinngehalt angeht. Dabei ist die Beliebigkeit nicht Programm, selbst die Nicht-Aussage taugt ja bereits als Aussage, nein, es beschleicht einen das Gefühl, als wüsste Dito Tsintsadze selbst nicht so recht, weshalb er diesen Film gedreht hat, was sein Anliegen ist. Weder kann er die teils menschenunwürdigen Umstände im Umkreis von Prostituion und Drogen in markanter Weise umsetzen, noch schlägt der Film geschichtliches Kapital aus der Tatsache, dass die Hauptfiguren, allesamt Ausländer, in Deutschland aufeinander treffen um von einer besseren Welt zu träumen. Dass sich alle Protagonisten auf die eine oder andere Art verkaufen, um ein besseres Leben als Lohn zu bekommen, scheint nur am Rande durch, ebenso, dass alle im Film vorkommenden Deutschen im Wesentlichen als Ausnutzer bzw. Benutzer in Erscheinung treten. Aus all diesen Teilstücken hätte man ein eindringliches Porträt machen können - mit verschiedenen inhaltlichen Facetten. Doch das vollkommen unverbindliche Ende ist nur der Höhepunkt eines Films, der sich vor seinen eigenen Wahrheiten drückt.

Reichlich konfuses, wenig zwingendes Sozialdrama


Wolfgang Huang