Doom

USA / Tschechische Republik, 100min
R:Andrzej Bartkowiak
B:Dave Callaham, Wesley Strick
D:Karl Urban,
The Rock,
Rosamund Pike,
Deobia Oparei,
Ben Daniels
L:IMDb
„When they are so clever, then why are they so dead?”
Inhalt
Irgendwann in der Zukunft. Als eine gewaltige Invasion von Dämonen den Militärstützpunkt der Menschen auf dem Mars komplett zerstört, bleibt nur Chaos und blanker Horror: In kürzester Zeit verwandeln sich alle Lebewesen in Zombies! John Grimm, Anführer einer Spezialeinheit, kämpft mit einer kleinen Gruppe von Überlebenden gegen das Böse. Und das lauert überall. Je weiter sie in die Basis vordringen, desto auswegloser scheint jede Rettungsmöglichkeit. Denn ihr Weg weist nur in eine Richtung: direkt in die dunklen Tiefen der Hölle.
Kurzkommentar
Dass Filmadaptionen von Video- und Computerspielen ein äußerst schwieriges Vehikel sein können, dürfte sich in Filmkreisen mittlerweile herumgesprochen haben. Ob es da klug war, gerade einen First Person Shooter wie „Doom“ transmedial zu bearbeiten, muss im Falle der Regiearbeit von Andrzej Bartkowiak negiert werden. Die Hoffnungen ruhen nun auf: Christopher Gans, 2006, „Silent Hill“.
Kritik
Wir nähern uns dem 11. November. Das heißt nichts anderes als: Beginn der närrischen Jahreszeit. Diesem Umstand muss natürlich Rechnung getragen werden; bevor es also losgeht, die üblichen Wortspiele, welche schon seit Jahren zu „Doom“ kursieren (und nun dankbar aufgegriffen werden können): Der DOOMste Filmcharakter erntet die dicksten Knarren, Film als VerDOOMungstaktik? Und zuletzt: DOOMheit schützt vor (Film-)kritik nicht. Genug.

Die texanische Softwareschmiede ID Software stellt zweifellos eine Erfolgsgeschichte dar. Drei der legendärsten First Person Shooter (FPS) – Reihen gehen auf das Konto der Amerikaner. Gemein(t) sind „Castle Wolfenstein“, „Quake“ und natürlich „Doom“.
Der dritte Teil von „Doom“ erntete erneut seitens Spielekritiker und Spieler Lob, doch war auch mannigfach zu lesen und hören, dass es an Abwechslung und Spieltiefe mangle. Schön, mag man da zynisch ergänzen, dass man sich seitens der Produktion wohl gedacht haben muss: Schwächen können auch Stärken sein.
Trotz des erstaunlichen 70 Millionen Dollar Budgets werden vor allem die Spieler der Vorlage darüber enttäuscht sein, dass die dämonisch-reizvollen Aspekte des Spiels, nämlich die durchaus sehr kreativen Monsterkreationen und skurril-bösartigen Levelarchitekturen nicht Eingang in die Adaption fanden: Somit erinnert der in Prag entstandene „Doom“ eher an einer Mischung aus „Resident Evil“ und „Blade 2“.

Der Regisseurs Bartkowiak, welcher für „Romeo must die“ und „Exit Wounds“ verantwortlich zeichnet, macht sich erst gar nicht die Mühe, seine Filmcharaktere, die in knapp 100 Filmminuten regelrecht verheizt werden, vorzustellen. Sie scheint einzig und allein eines zu verbinden: Waffenfetisch und Hang zur Einsilbigkeit. Zwar bemerkt Karl Urban richtig: „We are soldiers, not poets.“, allerdings wendet sich der Zuseher nach dem zehnten „Game Time“, „Get the hell out.“, „Gotcha“ und „What the …?“ ermüdet ab. Die Hölle? Das sind die Sätze der anderen.

Abschließend zu Bartkowiak: Der Abspann des Films ist derart gestaltet, als dass eine fiktive Spielerfigur in einer abstrakten, blaupausigen Art von Doom die Casting-Liste abschießt. Ironischerweise wird damit suggeriert, alle Beteiligten von „Doom – Der Film“ hätten es auf den Spieler und das Spiel abgesehen: Als die Spielfigur schon den Ausgang in Sichtweite hat, sprich alle Gefahren gemeistert zu haben glaubt, stirbt sie den Bildschirmtod und wenige Sekunden später wird sichtbar, welcher Casting-Schriftzug sie auf dem Gewissen hat: „Director Andrzej Bartkowiak“. Sic transit gloria ludi.

Das von der FSK verliehene 18er-Rating ist gerechtfertigt, gerade in der eigenwilligen First Person Shooter – Perspektive – Sequenz gegen Ende des Films, welche die Spielperspektive nachahmen soll, wird mit Blut nicht gespart. Die angesprochene Sequenz erinnert zweifelsohne an eine drittklassige Geisterbahnfahrt, welche allerdings deutlich die Grenzen von Transmedialität aufzeigt. Es ist eben gerade die Schnittstelle Mensch/Computer in Form eines Eingabegeräts, wie etwa Tastatur und Maus, gepaart mit der menschlichen Interaktivität, die das Spielen vom bloßen Sehen unterscheidet. Das dysfunktionale Ungleichgewicht ist evident.
Unangenehm fällt weiterhin die Filmmusik auf: völlig uninspirierte, belanglos-monotone Gitarrenriffs folgen in solch provokanter Unerbitterlichkeit aufeinander, dass der harmlose Bürger sofort die beliebte Verbindung „Rockmusik + Videospiel = Erfurt“ herstellen mag.

„Doom“, innerhalb von knapp vier Monaten abgedreht, verärgert gegen Schluss des Films doppelt. Zum einen kippt die Atmosphäre in eine seltsame Humorlosigkeit, welche dem Grundton dieser B-Actionware nicht gut zu Gesicht steht und zum anderen lässt die Auflösung, was denn nun Rätselhaftes innerhalb der Forschungsstation geschehen ist, gerade zu alttestamentarisch-verzweifelt aufhorchen. So viel Gut gegen so viel Böse ist so viel zu viel des Guten! Apropos „böse“: Dr. Uwe Boll hat noch die Rechte für „Far Cry“ und „Fear Effect“ im Schrank. We are so doomed.

Testosteron-geschwängerte Actionware, welche ihren würdigen Platz im DVD-Regal der Videothek Ihres Vertrauens finden wird


Rudolf Inderst