Fog, The - Nebel des Grauens
(Fog, The)

USA, 100min
R:Rupert Wainwright
B:John Carpenter, Debra Hill, Cooper Layne
D:Tom Welling,
Maggie Grace,
Selma Blair,
DeRay Davis,
Rade Serbedzija
L:IMDb
„What kind of fog goes against the wind?”
Inhalt
Im idyllischen Inselstädtchen Antonio Bay sollen die Gründer der Stadt mit einem Denkmal und zugehörigen Feierlichkeiten geehrt werden. Allerdings passieren in dieser Nacht einige merkwürdige Dinge. Boote vor der Küste gehen verloren, der Strom fällt aus und ein dichter Nebel zieht auf. In den nächsten Tagen scheint sich der Nebel immer weiter zu verschlimmern und eine Reihe von mysteriösen Morden hält die Stadt in Atem.
Kurzkommentar
„The Fog“ oder der Remake-Rinderwahnsinn: Aus dem unterhaltsamen, Spannung aus der Erzählung gewinnenden „Nebel des Grauens“ von John Carpenter (1979) machte man kurzerhand eine filmische Bankrott-Erklärung ohne Gefühl für Suspense und Thrill. So wird nach „Assault on Precinct 13“ schon der zweite Klassiker des Halloween-Schöpfers (digital) verschlimmbessert.
Kritik
Rupert Wainwright, der Regisseur des „The Fog“-Remakes liebt Glas. Vor allem, wenn es zu Bruch geht. Er lässt keine Gelegenheit aus, um dies zu demonstrieren. Spannend ist das nicht. Auch wenn es laut ist. Wainwright, der einigen Zusehern als Regisseur von „Stigmata“ (1999) bekannt sein dürfte, hat, so soll an dieser Stelle vorweg genommen werden, einen ziemlichen Reinfall abgeliefert. Der komplett in Kanada abgedrehte 18 Millionen Dollar Film kann es zu keinem Zeitpunkt mit dem Original aufnehmen. Schlimmer noch, er atmet noch nicht einmal die Luft des Originals, welches an alte gotische Gruselklassiker des Horrorgenres erinnert. Die beiden Hauptdarsteller Tom Welling (aus „Smallville“) und Maggie Grace (als „Lost“) spielen derart lustlos und routiniert, dass man vermutet, die zweieinhalb Monate Drehzeit müssten ihnen wie zwanzig Jahre vorgekommen sein.

Das Drehbuch greift verschiedene Konfliktschauplätze der Charaktere auf, führt sie aber nicht weiter: Mutter und Tochter im Streit, soziale Absteiger in der reichen Küstenstadt oder eine Entscheidung zwischen zwei unterschiedlichen Frauen – all das hätte den Charakteren Vielschichtigkeit verleihen können. Stattdessen lässt man lieber zum tausendsten Male „unmoralische“ Teenager über die Klinge springen. Ödes Seemannsgarn, welches übrigens auch die US-Presse hämisch in zahlreichen Verrissen abstraft. 100 Minuten dauert der Film, das heißt, er ist zehn Minuten länger als die Carpenter-Fassung, da bedeutet aber nicht, dass es Wainwright geschafft hätte, dem Stoff einen neuen Aspekt abzugewinnen. Auch die unvergleichliche Score, welche das Original beflügelte, ist einem Standardgewimmere gewichen. Die Studios gaben der Produktion grünes Licht, bevor ein Drehbuch vorlag – unbegreiflich, dass die großartige Debra Hill, welche leider 2005 verstarb, diese Neubearbeitung guten Gewissens produzierte: Sie, die die zahlreichen John Carpenter-Filme produzierte, unter anderem „Halloween“ oder „Escape from New York“, hätte doch erkennen müssen, welch uninspiriertes Laientheater dieses FSK-16 Debakel darstellt.

Remakes stellen im Grunde genommen eine Chance dar. „The Fog“ ist daher nicht nur ein schlechter Film, er ist Zunftbeleidigung, denn wie man sich großen Horrorstoffen nähern kann, hat „Dawn of the Dead“ bewiesen. Was bleibt zurück, wenn man den Kinosaal verlässt? „Pirates of the Caribbean“-Kreaturen schälen sich aus dem digitalen Nebel, um Rache zu nehmen. Damit kann es der stärkste Nebelscheinwerfer nicht aufnehmen. Diese Stadt ist wirklich verflucht. Ein letzter Tipp: Die US-Laserdisc des Originals ist mit 2,35:1 abgetastet und bietet einige interessante Outtakes.

Seelenloses Klabautermann-Kino, das es nicht einmal wert ist, von den Geistern des Originals heimgesucht (= beseelt) zu werden


Rudolf Inderst