4th Floor, The

USA, 90min
R:Josh Klausner
B:Josh Klausner
D:Juliette Lewis,
William Hurt,
Shelley Duvall,
Austin Pendleton
L:IMDb
„Das Ganze erscheint mir so verrückt und bösartig”
Inhalt
Als Jane Emelin (Juliette Lewis) ihrem Freund Greg (William Hurt) erzählt, dass sie nicht mit ihm zusammenziehen möchte, ist er mehr als enttäuscht. Doch Jane hat ihre Gründe: Ihre Tante Cecile hat ihr ein kleines Apartment vererbt, und sie hat zum ersten Mal in ihrem Leben die Chance, alleine zu wohnen. Von ihrer geschwätzigen Nachbarin Martha (Shelley Duvall) wird sie umfassend über die anderen Hausbewohner informiert. Schön ist es hier - nur eine verschlossene Eigenbrötlerin, die ein Stockwerk tiefer wohnt, ist Jane nicht wohlgesonnen. Überhaupt nicht. Als die Ereignisse eskalieren, wünscht sich Jane, sie wäre hier nie eingezogen. Doch es ist bereits zu spät.
Kurzkommentar
Josh Klausner fährt in seinem Debütfilm die sichere Schiene von erprobtem Psychothriller und Horroranleihen. Trotz sehr schwacher Auflösung und logischen Brüchen überzeugen handwerlich stimmungsvolle Umsetzung, gute Darsteller und gradlinige Spannung.
Kritik
Bis auf den verwandten Titel hat das Regiedebüt von Josh Klausner mit dem Sci-Fi-Thriller "13th Floor" absolut nichts gemein. Klausner, ehemaliger Assistent bei den Anarcho-Komödien der Farelly-Brüder, lehnt sich mit "The 4th Floor", für den er auch das Drehbuch verfasste, an das alte und oft verarbeitete Motiv des von der Gesellschaft unfreiwillig isolierten Einzelmenschen an, das Expressionismus, Kafka und Moderne so sehr beschäftigte.
Diese Grundidee, stets phantastisch und surreal angehaucht, wurde von Klausner nun weitgehend experimentierunfreudig zu einem Stück Psychohorror über böse Nachbarn ausgestaltet und verdichtet. Dass der Debütant dabei mehr auf solide Arbeit und konventionelle Spannungsdramaturgie als auf Subtilität und "Innovation" baut, muss nicht unbedingt nachteilig sein. Denn Klausner beweist vor allem Gespür für absorbierende Düsternis und stimmige Inszenierung. Eine energische junge Frau in ein furchteinflößendes Mietshaus mit beängstigenden, potentiell wahnsinnigen Mietern einziehen und um ihr Refugium kämpfen zu lassen, ist als Horrorgrundstock wirklich ausgelatscht, in diesem Fall aber fast uneingeschränkt lauffähig.

Klausner hat seine Hausaufgaben gemacht und demonstriert schon bei der Rollenauswahl, den Film fast gänzlich auf Juliette Lewis` ("Natural Born Killers", "Strange Days") Schultern ablegend, den richtigen Instinkt. Da das altbackene Script frei von psychologischer Feinarbeit und Überraschungen ist, kann Lewis zwar nur eingeschränkt glänzen und aus ihren Augen tiefste Furcht sprechen lassen, aber ihren profillosen Part füllt sie optimal aus. William Hurt ("Smoke"), Oscarpreisträger mit dem fehlendem Händchen für würdige Rollen, mimt den Liebhaber zwar mysterios und so gekonnt, dass das vorgebliche Gesicht nur als Maske empfunden wird, bekommt aber insgesamt leider viel zu wenige Szenen. Aber das ist alles eh sekundär, denn Klausner will Spannung und unheilvolles, bedrohliches Ambiente konstruieren, was auf recht billigem Wege durch handelsübliche Schockmomente verfolgt wird. Und das glückt vorbildlich.

Ohne unnötige genretypischen Blutszenen legt sich gekonnt über jede Szene im Gruselgemäuer einen surrealen, konsequent gänsehautprovozierenden Touch. Zudem gibt es einige Hitchcock Referenz zollende, eiskalte Schreckmomente, unterlegt mit pointierten Drohklängen. Alle Hausinsassen geben sich undurchsichtig und zunehmend dubioser. Aber trotz seines düster-angenehmen Styles und des soliden bis gepflegten Psychohorrors müssen aus zwei Gründen Abstriche gemacht werden: zum einen ist die Motivation von Juliette Lewis´ Charakter, dem unheilvollen Terror todesmutig auf den Grund gehen zu wollen, etwas zu phantastisch geraten und etliche Wendungen im Plot wirken unerklärt. Außerdem gibt Klausner sein bis dahin überzeugendes Grauen einem banalen, absehbaren Finale preis, das wiederum von einer stimmigen Sequenz beschlossen wird. Alles eingerechnet ein überwiegend spannendes, reizvoll düsteres Debütwerk, das einfallsfrei zu fesseln vermag.

Abgegriffener, aber atmosphärische Nachbarshorror


Flemming Schock