Bin-jip

Südkorea / Japan, 88min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Kim Ki-Duk
B:Kim Ki-Duk
D:Lee Seung-yeon,
Jae Hee,
Kwon Hyuk-ho,
Joo Jin-mo,
Choi Jeong-ho
L:IMDb
Inhalt
Tae-suk bricht in Häuser ein, deren Eigentümer verreist sind. Er will nichts stehlen, er will sich nur ein paar Tage sorgsam um den fremden Ort kümmern und dort wohnen. In einer luxuriösen Villa trifft er das unglücklich verheiratete Model Sun-hwa. Eine außergewöhnliche Liebe beginnt. Gemeinsam ziehen sie von einer leer stehenden Wohnung zur nächsten, bis die Polizei ihrem anarchischen Treiben ein vorläufiges Ende bereitet.
Kurzkommentar
Es ist im Film ein Schwieriges, die Verbundenheit zwischen zwei Menschen spürbar zu machen, insbesondere, wenn man gänzlich auf Dialoge verzichtet. Kim Ki-duk gelingt das, auch wenn er es sich in seiner Ausgangssituation zunächst etwas einfach zu machen scheint: sein Protagonist ist ein junger Ritter, der seine Maid aus der Knechtschaft eines frustrierten Ehemannes befreit – kein Wunder, dass sie sich da ohne Zögern auf sein Ross schwingt. Im Verlaufe des Films aber wird deutlich, dass die beiden Namenlosen mehr eint als bloßer Selbsterhaltungstrieb, nämlich der Glaube an das Transzendentale, an eine Vereinigung ihrer Seelen jenseits der physischen und gesellschaftlichen Beschränkungen unserer Welt. Während ER mit einem überlegenen Lächeln jegliche Gewalteinwirkung auf seinen Körper quittiert –es ist das selbstsichere Schmunzeln eines Menschen, der weiß, wo andere nur ahnen– und sich zunehmend von physikalischen Gesetzmäßigkeiten löst, lernt SIE wieder zu lächeln und zu empfinden: in einer der schönsten Szenen des Films kehrt sie an den Ort zurück, an dem die beiden sich endgültig zueinander bekannt haben und durchlebt den wertvollen Moment im Stillen ein weiteres Mal.

Was das für ein und wo so ein Ort sein kann, macht Ki-duk –im deutlichen Gegensatz zum eher träumerischen Charakter seiner märchenhaften Geschichte– ziemlich klar: Freundlichkeit, Harmonie und unverfälschtes Familienglück finden sich in der einzigen traditionellen Wohnung, in die die beiden einbrechen, nicht in den popmodernen, anonymen, neureichen Buden, die sonst Kulisse des Geschehens sind. Dort betrügen entweder Hobbyboxer ihre Ehefrauen, streiten sich Eltern aufs Schärfste vor ihrem Kind oder lassen Söhne ihren Vater sterben. Ein bemerkenswert konservatives Element im Film eines Regisseurs, der sonst gerne durch pikante Provokation auffällt.

Auf die Loslösung seiner Charaktere aus den Fesseln der Welt arbeitet der Film schließlich bis zur letzten Einstellung hin, in der das doch recht triviale Waagenmotiv endgültig die Dematerialisierung seiner Figuren visualisiert. Ki-duk feiert die grenzüberschreitende Kraft der Liebe also ziemlich hemmungslos und ohne Angst vor Kitsch, auch wenn man mitunter den Eindruck gewinnt, dass er seine Mär von der reinen Liebe nicht bierernst verstanden wissen möchte. Dazu ist „Bin-Jip“ zum einen zu humorvoll und verweist –unterstützt durch den indischen Song von Slvian– zum anderen leicht ironisch auf die Motive Bollywoods.
(Thomas Schlömer)